Der Weg der Partei - Theoretisches Organ der KPD/ML Nr.1 / 93

Der Untergang des Kapitalismus ist unausweichlich.

Beenden wir das 20. Jahrhundert mit der revolutionären Zerschlagung des Kapitalismus!

Das 21. Jahrhundert ist das sozialistische Jahrhundert!

Die Lehren des Marxismus-Leninismus über den gesetzmäßigen Zerfall der kapitalistischen Gesellschaft

von Wolfgang Eggers





I. Was lehrt uns der dialektische und historische Materialismus über den Zerfall?



Die Dialektik ist die Lehre, die Dinge und ihr begriffliches Abbild in ihrem Zusammenhang zu sehen, ihre Verkettung, ihre Bewegung, ihrem ENTSTEHEN und VERGEHEN. Während wir vom Zerfall des Imperialismus sprechen, reden die Imperialisten vom Zerfall des Sozialismus und dem Untergang des Marxismus-Leninismus. Die Bourgeoisie hat den dialektischen Materialismus für überholt und erledigt erklärt und ihn sich für immer ins Reich der Vergangenheit verwünscht. Aber so wie Marx zu seiner Zeit die bürgerliche Dialektik auf materialistische Beine stellte und Schöpfer der Weltanschauung des Proletariats wurde, müssen wir Marxisten heute den Marxismus vor seinem Zerfall bewahren, müssen wir ihm neue Impulse geben, damit er seinen Zweck erfüllen kann, nämlich dazu beizutragen, daß der Kapitalismus zerschlagen und der nun einmal unterbrochene Weg des Sozialismus mutig weiter beschritten werden kann. Als Wissenschaft darf der Marxismus nicht untergehen. Er muß sich weiterentwickeln und vervollkommnen. Das ist heute die Aufgabe der Marxisten-Leninisten und wird immer eine Aufgabe der Marxisten-Leninisten bleiben. Der Marxismus ist kein Katechismus, in den wir immer nur hineinlesen mßüßssen, um uns fit zu halten. Die Marxisten dürfen sich weder auf ihren Lorbeeren ausruhen noch den Kopf in den Sand stecken und sich achselzuckend an die sich verändernden Verhältnisse anpassen. Der Marxismus entwickelt sich mit der Gesellschaft und verändert sich genauso wie die gesellschaftlichen Verhältnisse sich verändern. Neue Erfahrungen kommen hinzu und veraltete Leitsätze müssen ersetzt werden. Neue Wege müssen beschritten werden, ohne dabei die prinzipielle proletarische, revolutionäre Linie zu verlassen. Dazu ist es heute höchste Zeit, denn die gesellschaftlichen Verßäßnderungen haben eine rasante Dynamik angenommen, hinter der wir nicht länger hinterherhinken dürfen.Die marxistisch-leninistische Theorie ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln. Den Leninismus charakterisierte Stalin als den

"Marxismus unter den neuen Bedingungen des Klassenkampfs des Proletariats,...Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution,... Marxismus der Epoche des Sieges des Sozialismus auf einem Sechstel der Erde".

Dies Letztere trifft heute leider nicht mehr zu, sodaß einer der Grundwidersprüche, nämlich zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen Gesellschaftsordnung, der Kampf zwischen Sozialismus und Kapitalismus vorläufig zugunsten des Kapitalismus ausgegangen ist und wir dabei sind, uns von dieser Niederlage zu erholen, richtige Schlußfolgerungen zu ziehen und im erneuten Ansturm die kapitalistischen Bastionen zu erstürmen, die heute morscher denn je geworden sind. Was würde aus unserem Kampf werden, wenn wir die Buchstaben des Marxismus-Leninismus nicht antasten würden und uns nicht entschließen würden, neue historische Leitsätze festzulegen, die dem gegenwärtigen Stand und der heutigen Situation entsprechen. Andererseits hat es der Kommunismus nicht nötig, sich im Wandel der Zeit wie eine Wetterfahne umherzudrehen. Der Kommunismus ist so gut, daß er sich nicht umbenennen oder verstecken muß. Wir werden das Kind immer beim richtigen Namen benennen und fürchten uns nicht, die Wahrheit zu sagen. Der Zerfallsprozeß des Imperialismus kann hinausgezögert werden, aber objektiv wird der Kapitalismus sterben und vom Kommunismus abgelöst werden vom Totengräber des Kapitalismus - vom Proletariat, das ja auch der Erbauer der neuen Gesellschaft ist. Der Aufbau des Sozialismus wird sehr schwer werden, wenn es dem Imperialismus gelingt, ungehindert alles zu zerstören und mit in seinen Abgrund zu ziehen. Und die Imperialisten haben weltweit längst damit begonnen, diesen Akt gründlich und endgültig zu vollziehen, um der Menschheit jede Möglichkeit zu nehmen, nach Überwindung des Imperialismus einer neue Zukunft entgegenzugehen.
Es gilt also, sich die unbestreitbare Wahrheit der proletarischen Weltanschauung zu eigen zu machen, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern. Und in seinem Nachwort zum "Kapital" schrieb Marx 1873:
"
In ihrer mystizifierten Form ward die Dialektik deutsche Mode, weil sie das Bestehende zu verklären schien. In ihrer rationellen Gestalt ist sie dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein Ärgernis und ein Greuel, weil sie in dem positiven Verständnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs einschließt, jede gewordne Form im Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer vergänglichen Seite auffaßt, sich durch nichts imponieren läßt, ihrem Wesen nach kritisch und revolutionär ist."(Marx, Kapital, Band I, Seite 28)

Und einpaar Seiten vorher können wir bei Marx lesen:

"Es sind dies Zeichen der Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch Purpurmäntel oder schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, daß morgen Wunder geschehen werden. Sie zeigen, wie selbst in den herrschenden Klassen die Ahnung aufdämmert, daß die jetzige Gesellschaft kein fester Kristall, sondern ein umwandlungsfähiger und beständig im Prozeß der Umwandlung begriffener Organismus ist."(Marx,Das Kapital, Band 1, Vorwort)

Der Kampf gegen die reaktionären imperialistischen Theorien, die sich aufbäumen, um den Untergang des Imperialismus weiter hinauszuschieben, nimmt in der Zerfallssituation den ganzen Raum ein, nimmt die meiste Zeit in Anspruch, während die Ideen, die direkt zur Entfaltung der Produktivkräfte dienen, in den Hintergrund gedrängt werden. Der ideologische Kampf folgt den Veränderungen des ökonomischen Zerfalls. Jede öffentliche Meinung altert, sobald die Produktionsweise, welche sie hervorbringt, zu altern beginnt.


Stalin gibt uns einleitend in seiner Schrift "Anarchismus oder Sozialismus?" (Stalin, Band 1, Seite 260-261) eine gute Übersicht zur Beantwortung der Frage:
Was ist die dialektische Methode?

"Man sagt, das gesellschaftliche Leben befinde sich im Zustand unaufhörlicher Bewegung und Entwicklung. Das ist richtig: man kann das Leben nicht für etwas Unveränderliches und Erstarrtes halten, es bleibt niemals auf derselben Stufe stehen, es befindet sich in ewiger Bewegung, ist im steten Vergehen und Werden begriffen. Deshalb gibt es im Leben stets Altes und Neues, Wachsendes und Absterbendes, Revolutionäres und Konterrevolutionäres.
Die dialektische Methode besagt, daß man das Leben gerade so betrachten muß, wie es in Wirklichkeit ist. Wir haben gesehen, daß das Leben sich in unaufhörlicher Bewegung befindet, folglich müssen wir das Leben in seiner Bewegung betrachten und die Frage stellen: Wohin geht das Leben? Wir haben gesehen, daß das Leben ein Bild ständigen Vergehens und Werdens bietet, folglich ist es unsere Pflicht, das Leben in seinem Vergehen und Werden zu betrachten, und die Frage zu stellen: Was vergeht und was entsteht im Leben ?
Das, was im Leben ensteht und von Tag zu Tag wächst, ist unüberwindlich, kann in seiner Vorwärtsbewegung nicht aufgehalten werden. Das heißt, wenn zB im Leben das Proletariat als Klasse entsteht und von Tag zu Tag wächst, so wird es, auch wenn es heute noch so schwach und wenig zahlreich sein mag, zu guter Letzt doch siegen.
Weshalb?
Weil es wächst, erstarkt und vorwärts schreitet. Umgekehrt muß das, was im Leben altert und dem Grabe entgegengeht, unvermeidlich eine Niederlage erleiden, auch wenn es heute noch eine Riesenkraft darstellt. Das heißt, wenn zB. die Bourgeoisie allmählich den Boden unter den Füßen verliert und von Tag zu Tag zurückgeht, so kann sie heute noch so stark und zahlreich sein, sie wird zuguter Letzt dennoch eine Niederlage erleiden.
Weshalb?
Weil sie sich als Klasse zersetzt, schwächer wird, altert und zu einem Ballast im Leben wird. Daher auch der bekannte dialektische Leitsatz:
Alles, was wirklich ist, d.h. alles, was von Tag zu Tag wächst, ist vernünftig, und alles das, was sich von Tag zu Tag zersetzt, ist unvernünftig und wird deshalb der Niederlage nicht entgehen."

Im Geburtsvorgang des Neuen gibt es Vehen, wird die alte Gesellschaft in ein heilloses Durcheinander gestoßen, entstehen Ausschreitungen und explosive Bewegungen. Die Massen geraten sehr schnell in Erregung, sind aufgeheizt, lassen sich vom revolutionärem Strom fortreißen. Gedanken und Ideen überschlagen sich bis zur Erschöpfung. Es vergeht dann eine Zeit nach diesem Fieberzustand, bis das Leben wieder in normale Bahnen zurückfindet und sich eine Ruhepause gönnt, um seine Kräfte zu regenerieren. Um diese Umwälzungen überhaupt durchzustehen, muß das neue Leben schon spürbar, erkennbar, greifbar nahe sein. Es muß schon eigene Bewegung und Kraft entwickelt haben, muß sozusagen schon ein gewisses Eigenleben, Eigendynamik, an den Tag legen, muß gleich wie ein Küken in der Lage sein, von innen die Eierschale durchzupicken, um sich aus dem Schoß der alten Gesellschaft freizumachen.
Die bewußte Vorbereitung auf die Geburtsstunde sichert bereits den halben Sieg der Revolution. Bekanntlich wird die Theorie zur materiellen Gewalt, wenn sie von den Massen aufgegriffen, verstanden und verinnerlicht wird, wenn die Massen keine Angst mehr vor der Reaktion haben und mutig für ihre Interessen auf die Barrikaden steigen. Es muß den Massen schon lange vor der Revolution klar werden, daß nicht nur ihre revolutionßäßren Entfesselungskräfte ausgelebt werden müssen, sondern daß auch mit Hemmnissen seitens der Konterrevolution zu rechnen ist, die sich gegen die Revolution mit aller Kraft auflehnt und geradezu angestachelt wird. Wer sich mitten in der Revolution verwirren oder einschüchtern läßt vom Gegner, der hat die Sache schon verloren, bevor sie zu Ende geführt ist. Das größte Problem jeder bisherigen Revolution war es, bis zum Schluß durchzuhalten und den längeren Atem aufzubringen. Die Reformisten und Revisionisten spekulieren auf die Furcht der Massen vor dem ungewissen und chaotischen Verlauf der Revolution und vor den möglicherweise daraus entstehenden negativen Folgen. Sie gaukeln trügerisch den Wunsch nach Sicherheit vor, nach Beendigung des Gemetzels und der "sinnlosen" Opfer und versuchen damit, die Massen von der Revolution abzuhalten und in reformistisches Fahrwasser zu manövrieren. Deswegen ist es wichtig, die Massen vorher über die üblen Absichten der Reformisten und Revisionisten aufzuklären, um denen von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Keinem darf es gelingen, den Geburtsvorgang der neuen Gesellschaft negativ zu beeinflussen zu stören und zu guter Letzt zu verhindern. Dagegen muß hart vorgegangen werden, damit die neue Gesellschaft sozusagen gesund zur Welt kommen kann. Schon wenn die Frucht im Schoß der alten Gesellschaft heranwächst, wird die Reaktion alles daransetzen, alles im Keim zu ersticken, zu schädigen, wo sie nur kann, denn die Geburt der neuen Gesellschaft stellt gleichzeitig das Absterben der alten Gesellschaft dar, wobei die Überreste nicht nur noch einige Zeit weiter wirken, sondern - wie die Geschichte zeigt- die neue Gesellschaft so sehr schwächen können, daß sie keine Chance hat, groß zu werden und sich kräftig zu entwickeln. So trifft gerade auf Deutschland zu, daß die meisten aller Revolutionen nicht vollendet wurden, unvollendet blieben bzw verhindert wurden, wie zB vor 70 Jahren der Hamburger Aufstand. Die proletarische Revolution hat also alles Versäumte und Mißglückte gründlich nachzuholen.


Das Neue behauptet sich und siegt nur als Ablehnung des Alten, im Kampf gegen das Alte. Das heißt: Der Übergang zum Sozialismus gelingt nur, wenn die Widersprüche bewußt auf die Spitze getrieben werden.
Die Ausdehnung des Imperialismus über den ganzen Erdball und seine Neuformierungen durch die internationale Zentralisierung des Monopolkapitals hat zu einem Auseinanderdriften seiner Kräfte geführt. Mit diesem Auseinanderdriften erzeugt das Monopolkapital selbst seine eigene Krise, dessen Zerfall, denn die Zentralisation selbst trägt in sich die Kräfte der Dezentralisation, die die imperialistische Weltherrschaft heute schwer erschüttern. Das Ausbeutersystem, um dies zu bleiben, zersetzt sich, setzt sich der Vernichtung aus und ermöglicht es der neuen Gesellschaft, an die Macht zu gelangen. Die ganzen Schweinereien, die heute pausenlos auf der ganzen Welt passieren, häufen sich nicht zufällig an, sind nicht voneinander losgelöst und isoliert, sondern bilden ein einheitliches, zusammenhängendes Ganzes. Die überall aufbrechenden Eiterbeulen des faulenden Kapitalismus sind miteinander verbunden, hängen voneinander ab, bedingen sich einander und bilden eine lawinenartige Eigendynamik zu noch größeren Eiterbeulen.
Gegenwärtig befindet sich der Imperialismus nicht mehr im Zustand der relativen Stabilität, geschweige denn in einer neuen Aufbauphase. Er befindet sich auch nicht allein in einem Zustand des Stillstands oder der Rezession, der "zwangsläufig" wieder ein zyklischer Aufschwung folgt. Der Imperialismus hat vielmehr eine Altersstufe erreicht, wo er sich nicht mehr selber helfen kann, um aus der Krise gerettet zu werden, wo er fremde Pflege in Anspruch nehmen muß, sich anderen Kräften ausliefert. Er hat sozusagen "das Letzte aus sich und seinem unheilig gewordenen Kapital herausgeholt" und ist nun am Ende seines Lateins angekommen. Nichts scheint mehr zu klappen, seine Körper und Geist, seine Diener versagen ihm die Dienste. Dies alles geschieht heute vor unseren Augen in einem unaufhörlich rasantem Tempo, so daß wir es theoretisch gar nicht so schnell nachvollziehen können. Ein tiefer Einbruch in alles bisher Dagewesene wird schon wieder durch einen nächsten Einbruch überholt usw. Die Geschichte rast momentan in Eilgeschwindigkeit. Deswegen müssen wir heute schneller begreifen lernen, müssen wir schneller und gezielter praktisch eingreifen.


Was lehrt uns die Geschichte über den Niedergang der Gesellschaft?

Die Geschichte lehrt uns, daß sich schon im Schoß der alten Gesellschaft Keimformen neuer Produktionsverhältnisse bilden und diese durchaus einen positiven Einfluß auf die geschichtliche Weiterentwicklung ausüben. Auf diese Weise wird bereits der Boden für die Ablösung der einen Gesellschaftsordnung durch eine andere vorbereitet, deren Nutznießer noch nicht die unterdrückten Klassen sind. Die Geschichte lehrt außerdem, daß der Sozialismus nicht einfach - hat er sozusagen erst einmal das Licht der Welt erblickt...)- einem automatischen, quantitativen Wachstumsprozeß unterliegt, der die Überreste der kapitalistischen Gesellschaft Stück für Stück quantitativ überwindet, sich von einem Land zum anderen fortpflanzt und schließlich linear mit der kommunistischen Zukunftsgesellschaft endet. Der sozialistische Entwicklungsprozeß kann durchaus wieder ßückgängig gemacht werden, wie das nicht nur in der Sowjetunion in einem langen, komplizierten Zerfallsprozeß der Fall gewesen ist, der sich gegenwärtig noch weiter fortentwickelt. Aus dieser historischen Wende sind marxistisch-leninistische Analysen anzustellen und Schlußfolgerungen zu ziehen, ist wieder zum Sturm gegen den Kapitalismus zu blasen.
Das heißt, es können sich auch quantitative Veränderungen in qualitative Veränderungen zurückverwandeln, die nicht fortschrittlich sind, sondern reaktionär! Der Weg des Klassenkampfes ist nicht gradlinig, er macht nicht nur Windungen, sondern auch Wendungen, dh möglicherweise einen Schritt vorwärts und zwei Schritte zurück, dabei gesetzmäßig und grundsätzlich stets zurück auf dem Weg zum Sozialismus und nicht etwa entgegengesetzt zurück zum Mittelalter. Die Überzeugung von einer lichten Zukunft der Menschheit ist für Marxisten-Leninisten nicht eine Frage des Glaubens, sondern wissenschaftliche Erkenntnis aus der tatsächlichen Geschichte der Menschheit, objektive Gesetzmäigkeit der Menschheitsentwicklung.
Wenn wir beim Aufbau des Sozialismus Fehler begehen, die wir zu korrigieren versäumen, dann häufen sie sich derart an, daß sie irgendwann nicht mehr ausgemerzt werden können und der alte Zustand wieder eintritt, die Reaktion wieder auf der ganzen Linie siegt. Das ist das Kernproblem unserer Vergangenheit. Das wird das Kernproblem bleiben, das über unsere Zukunft entscheidet! Mit anderen Worten: Der Sozialismus hätte sich 100%ig weiterentwickeln können, wenn wir unsere Fehler korrekt korrigiert hätten. Die objektiven Bedingungen sind dafür schon lange reif. Das ist die ganze Wahrheit, die unsere Gegner deswegen so gerne vertuschen, verwischen und verbergen, weil sie historische Power hat, gegen die unsere Gegner machtlos sind. Sinngemäß hat Lenin einmal gesagt: Niemand kann die Revolution verhindern - außer wir Revolutionäre selbst. Darüber muß man (- nicht nur -) einmal nachdenken!
Genosse Stalin hat diesen Sachverhalt mit einpaar klaren Sätzen auf den Punkt gebracht in seinem "Politischen Bericht auf dem XV. Parteitag der KPdSU(B) - 1927":

"Denn unsere Entwicklung geht nicht in der Form eines gleichmäßigen, allgemeinen Aufstiegs vor sich. Nein, Genossen, wir haben Klassen, wir haben Widersprüche innerhalb des Landes, wir haben eine Vergangenheit, eine Gegenwart und Zukunft, wir haben Widersprüche zwischen ihnen und können uns nicht durch ein ruhiges Schaukeln auf den Wellen des Lebens fortbewegen. Unser Vormarsch verläuft im Kampfe, durch Entwicklung der Widersprüche, durch Überwindung dieser Widersprüche, durch Bloßlegen und Beseitigung dieser Widersprüche. Wir werden niemals, solange es Klassen gibt, einen Zustand haben, wo man wird sagen können: nun, Gott sei Dank, es ist alles gut. Niemals wird das der Fall sein, Genossen. Stets wird bei uns irgend etwas im Leben absterben. Was aber abstirbt, will nicht einfach sterben, sondern kämpft um seine Existenz, verteidigt seine überlebte Sache. Stets wird bei uns irgend etwas Neues geboren im Leben, was aber geboren wird, wird nicht einfach geboren, sondern lärmt, schreit und verteidigt sein Recht auf Existenz... Der Kampf zwischen dem Alten und Neuem, zwischen dem Absterbenden und dem Neuentstehenden - das ist die Grundlage unserer Entwicklung. Wenn wir nicht offen und ehrlich, wie es Bolschewiki geziemt, die Fehler und Mängel unserer Arbeit festhalten und aufdecken, dann versperren wir uns selbst den Weg nach vorwärts. Wir aber wollen vorwärtsschreiten. Und gerade weil wir vorwärtsschreiten wollen, müssen wir die ehrliche und revolutionäre Selbstkritik zu einer unserer wichtigsten Aufgaben machen. Anders ist ein Vorwärtsschreiten u n m ö g l i c h. Anders ist eine Entwicklung u n mö g l i c h."

Und Stalin hat in seiner Schrift:"Über den dialektischen und historischen Materialismus" geschrieben:

"Wenn die Welt sich in ununterbrochener Bewegung und Entwicklung befindet, wenn das Absterben des Alten und das Heranwachsen des Neuen ein Entwicklungsgesetz ist, so ist es klar, daß es keine 'unerschütterlichen` gesellschaftlichen Zustände, keine 'ewigen Prinzipien` des Privateigentums und der Ausbeutung, keine 'ewigen Ideen` der Unterwerfung der Bauern unter die Gutsbesitzer, der Arbeiter unter die Kapitalisten, mehr gibt. Also kann man die kapitalistische Ordnung ersetzen, ebenso wie die kapitalistische Ordnung seinerzeit die Feudalordnung ersetzt hat. Also darf man sich nicht auf diejenigen Schichten der Gesellschaft orientieren, die sich nicht mehr entwickeln, auch wenn sie im gegenwärtigen Augenblick die vorherrschende Kraft darstellen, sondern muß sich auf diejenigen Schichten orientieren, die sich entwickeln, die eine Zukunft haben, auch wenn sie im gegenwärtigen Augenblick nicht die vorherrschende Kraft darstellen...
Ferner, Wenn das Umschlagen langsamer quantitativer Veränderungen ein Entwicklungsgesetz darstellt, so ist es klar, daß die von unterdrückten Klassen vollzogenen revolutionären Umwälzungen eine völlig natürliche und unvermeidliche Erscheinung darstellen. Also kann der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Befreiung der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joch nicht auf dem Wege langsamer Veränderungen, nicht auf dem Wege von Reformen, sondern einzig und allein auf dem Wege qualitativer Veränderungen der kapitalistischen Ordnung, auf dem Wege der Revolution verwirklicht werden."

Und weiter heißßßt es bei Stalin:

"Entstanden auf der Basis der neuen Aufgaben, welche die Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft stellt, bahnen sich die neuen gesellschaftlichen Ideen und Theorien den Weg, werden sie zum Gemeingut der Volksmassen, mobilisieren diese, organisieren sie gegen die absterbenden Kräfte der Gesellschaft und erleichtern auf diese Weise den Sturz der absterbenden Kräfte der Gesellschaft, die die Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft hemmen."

Stalin wies insbesondere daraufhin, daß das Gesetz des Übergangs von einer alten zu einer neuen Qualität nicht mechanistisch zwangsläufig vermittels eines Sprungs oder einer Explosion wirkt. Diese Explosionen oder qualitativen Sprünge sind nicht auf alle gesellschaftlichen Erscheinungen übertragbar und auch nicht auf das Verhältnis zwischen Basis und Überbau.
Und so stellt Stalin in seiner Schrift "Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft" fest:

"Es ist unbedingt gültig für eine in feindliche Klassen gespaltene Gesellschaft. Aber es ist gar nicht unbedingt gültig für eine Gesellschaft, in der es (zwar Überreste- eingefügte Anmerkung der Redaktion) aber keine feindlichen Klassen gibt."

Stalin fügt als Beispiel die Kollektivierung der Landwirtschaft an:
"Das war eine Revolution, die die alte bürgerliche Wirtschaftsordnung auf dem Lande liquidierte und eine neue, die sozialistische Ordnung, schuf. Diese Umwälzung vollzog sich jedoch nicht durch eine Explosion, das heißt nicht durch den Sturz der bestehenden Macht, sondern durch den allmählichen Übergang von der alten bürgerlichen Ordnung auf dem Lande zu einer neuen Ordnung."

Und so ist es ja auch beim Übergang in die klassenlose Gesellschaft. Nur muß man sich hüten vor mechanistischen Schlußfolgerungen. Die Notwendigkeit des erbitterten Kampfes gegen die Überreste der bürgerlichen Gesellschaft darf man niemals vergessen, sonst passiert das, was mit dem Sozialismus Lenins und Stalins passiert ist!
Schwächen, Fehler und Rückschlßäßge der neuen sozialistischen Gesellschaft bringen ja nicht nur die Destruktionen der umkreisenden kapitalistischen Länder auf den Plan, bringen nicht nur die alten bürgerlichen Überreste des eigenen Landes an die Oberfläche, werden nicht nur alte reaktionäre Ideen und Gewohnheiten reaktiviert, sondern es bilden sich auch neue Schmarotzer mitten im gesundesten Kern der sozialistischen Gesellschaft, der Kommunistischen Partei, heran, Kräfte also, die die Abwehrkräfte der Partei täuschen und somit ungehindert eindringen und parasitär wirken können. Deswegen wäre es ein Fehler, auf das bürgerliche Geschrei gegen die sogenannten stalinschen Säuberungsaktionen zu hören. Es ist schließlich ein Entwicklungsgesetz der Partei und der Gesellschaft, daß sie sich von Parasiten und Schmarotzern befreit, um nicht in Fäulnis überzugehen, dahinzusiechen und schließlich unterzugehen, wie es mit den meisten Kommunistischen Parteien auf dieser Welt gegangen ist. Der Satz: "Die Partei entwickelt sich, indem sie sich purifiziert"( purifizieren= reinigen), gilt immer noch.
Ist der Sozialismus erstmal befallen und erkrankt, kann er auch leicht zu Fall gebracht werden. Die Triebkräfte der Revolution, die werktätigen Massen, müssen sich also beizeiten gegen Ansteckungen imunisieren, um das Leben ihres selbst erschaffenen Organismus' zu schützen und zu verteidigen. Das Prinzip von Kritik und Selbstkritik muß von Anfang an stets lebendig bleiben. Damit kann man einen parasitären Befall abschütteln, wenn man dies nicht vorher schon verhindern konnte.

In Band 29 Seite 415, "Die große Initiative" schreibt Lenin folgendes:

"Wenn das Neue eben erst entstanden ist, bleibt das Alte stets eine gewisse Zeit länger stärker; das ist immer so, sowohl in der Natur als auch im Leben der Gesellschaft. Hohn darüber, daß die Keime des Neuen schwach sind, billiger Intellektuellen-Skeptizismus und dergleichen mehr. All das sind im Grunde Methoden des Klassenkampfs der Bourgeoisie gegen das Proletariat, ist Verteidigung des Kapitalismus gegen den Sozialismus. Wir müssen die Keime des Neuen sorgfältig untersuchen, ihnen die größte Aufmerksamkeit entgegenbringen, mit allen Mitteln ihr Wachstum fördern und diese schwachen Keime 'hegen und pflegen'."

Aus Plechanow s revolutionären Wirkungszeit stammt die Schrift "Beiträge zur Geschichte des Materialismus, aus der wir hier ebenfalls zitieren wollen:

"Alles Endliche ist dies, sich selbst aufzuheben, in sein Gegenteil überzugehen.( Das gilt auch für den Imperialismus - die Redaktion).
Jede gesellschaftliche Einrichtung ist zunächst eine 'Entwicklungsform' der Produktivkräfte. Das ist sozusagen die schöne Zeit ihres Lebens. Sie befestigt sich, entwickelt sich, erreicht ihre Blüte... Aber allmählich naht das Alter; der Verfall beginnt. Man bemerkt, daß nicht alles in dieser Einrichtung so schön ist, wie man vorher glaubte, man tritt in den Kampf mit ihr... und man b e s e i t i g t sie schließlich. Das geschieht, weil die Produktivkräfte der Gesellschaft nicht mehr dieselben wie früher sind...im sozialen Prozeß der Produktion herbeigeführt wurden. Die allmählichen quantitativen Veränderungen schlagen in qualitative Unterschiede um.
...Man mußte sie (die Produktivkräfte - Anmerkung der Redaktion) zerstören, und um sie zu zerstören, mußte man die Ideen, welche sie heiligten, angreifen."

Man darf die dialektische Methode also nicht einfach mechanisch anwenden. So ist zum Beispiel die proletarische Revolution nicht einfach ein mechanischer Plätzeaustausch, eine quantitative Veränderung, wie es Mao Tsetung aufgefaßt hat, sondern die alte Sache vergeht und eine neue entsteht. Die alte Sache trägt von Anfang an den "Keim des Vergehens" in sich. Dieser Widerspruch wird gerade dadurch gelöst, daß sie vergeht und einer neuen lebensfähigen Wirklichkeit Platz macht. Wenn diese Elastizität bis zur I d e n t i t ä t der Gegensätze geht, wie Lenin lehrt, so warnt dieser gleichzeitig vor der subjektivistischen Anwendung dieses Lehrsatzes. So hat Mao den subjektivistischen Fehler gemacht, daß sich Altes und Neues, Bourgeoisie und Proletariat zB ineinander verwandeln und die Plätze tauschen. Daraus resultiert ja auch Maos Irrtum von der zwangsläufigen Notwendigkeit der periodisch durchzuführenden Kulturrevolution, die alle Jahre mal wieder standfinden müsse, um wieder die alten Plätze einzunehmen. Auch der ungarische Kommunist Bela Fogarasi warnte in seinem Werk "Dialektische Logik" vor der falschen Identifizierung:

"Worin besteht nun die (...) Auffassung der Identität in der modernen Wissenschaft? - In der methodischen Betrachtungsweise, daß es niemals eine absolute, abgeschlossene, unabänderliche Identität in der Wirklichkeit gibt, hingegen in gewissem Zusammenhange beständig das Identischwerden des Verschiedenen und als dessen Zuspitzung das Identischwerden der Gegensätze vor sich geht (...). Die richtige Widerspiegelung dieses in Natur und Gesellschaft vor sich gehenden Prozesses im Denken ist die richtige Identifizierung (...). Das richtige Denken weist der Wirklichkeit entsprechend nach, daß unter gewissen Bedingungen gewisse Unterschiede aufhören, verschwinden, das heißt identisch werden. So verwischen sich in einem entwickelten Abschnitt des Sozialismus die Klassenunterschiede zwischen Arbeiter- und Bauernklasse; sie sind dann im Begriff ganz zu verschwinden ,( genauso wie ihr Arbeiter- und Bauernstaat abstirbt = Anmerkung der Redaktion). (Stalins Rede über die Sowjetverfassung) Die Produzenten werden hinsichtlich ihrer Klassenlage allmählich miteinander identisch. Die richtige Identifizierung ist ein unentbehrliches Verfahren des menschlichen Denkens, während die falsche Identifizierung, eine Verfälschung und Entstellung der Wirklichkeit zur Folge hat." ( Fogarasi, "Dialektische Logik", Berlin 1954). Worin besteht die Bedeutung von der Identität der Gegensätze?
Erstens bedeutet sie Anerkennung widersprechender, einander ausschließender, gegensätzlicher Tendenzen in a l l e n Erscheinungen und Vorgängen nicht nur in der Natur, sondern auch in der Gesellschaft, im Denken usw.

Zweitens führt der Kampf der Gegensätze dazu, daß die ganze Sache untergeht; der dialektische Prozeß findet sein Ende, indem das ganze Ding (einschließlich der beiden gegensätzlichen Tendenzen) "negiert" wird. Indem beide Seiten sich aufheben, werden sie identisch.

Drittens versteht die Dialektik unter "Negation" nicht, daß die Dinge einfach verschwinden. Ein Hühnerei wird negiert, indem es sich in ein Küken "verwandelt", der Kapitalismus "verwandelt sich" in den Sozialismus. Das Neue hat die Bestimmtheit, aus der es herkommt, noch an sich. Nie wird sich ein Hühnerei in eine Gans verwandeln; der Feudalismus verwandelt sich aufgrund seiner inneren Gesetzmäßigkeiten in den Kapitalismus, nicht aber in den Kommunismus. Wenn wir also die inneren Gesetzmäßigkeiten eines Prozesses analysieren, die Widersprüche, die den Prozeß vorantreiben, dann können wir feststellen, in welcher Richtung sich die Dinge bewegen. Wenn wir die Widersprüche des Kapitalismus studieren, kommen wir zu dem Schluß, daß sich der Kapitalismus gesetzmäßig in den Sozialismus "verwandelt".

Viertens handelt es sich um die Negation der Negation. Engels führt hierfür unter anderem folgendes Beispiel an:
"Alle Kulturvölker fangen an mit dem Gemeineigentum am Boden. Bei allen Völkern, die über eine gewisse ursprüngliche Stufe hinausgehen, wird dies Gemeineigentum im Lauf der Entwicklung des Ackerbaus eine Fessel für die Produktion. Es wird aufgehoben, negiert, nach kürzern oder längern Zwischenstufen in Privateigentum verwandelt. Aber auf höherer, durch das Privateigentum am Boden selbst herbeigeführter Entwicklungsstufe des Ackerbaus wird umgekehrt das Privateigentum eine Fessel für die Produktion - wie dies heute der Fall ist sowohl mit dem kleinen wie mit dem großen Grundbesitz. Die Forderung, es ebenfalls zu negieren, es wieder in Gemeineigentum zu verwandeln, tritt mit Notwendigkeit hervor. Aber diese Forderung bedeutet nicht die Wiederherstellung des ursprünglichen Gemeineigentums, sondern die Herstellung einer weit höhern, entwickeltern Form von Gemeinbesitz, die, weit entfernt, der Produktion eine Schranke zu werden, sie vielmehr erst entfesseln und ihr die volle Ausnutzung der modernen chemischen Entdeckungen und mechanischen Erfindungen gestatten wird." ( Engels, Anti-Dühring, MEW Band 20, Seite 128f)

Das Gemeineigentum verwandelt sich also in das Privateigentum, das Privateigentum wieder in das Gemeineigentum. Dennoch haben wir es nicht mit einem einfachen "Platztausch", mit einer einfachen Wiederholung zu tun:
Zuerst besteht das Gemeineigentum, weil die rückständigen Produktiovkräfte das Privateigentum noch nicht ermöglichen; später löst das Gemeineigentum das Privateigentum ab, weil die fortgeschrittenen Produktivkräfte mit dem Privateigentum nicht mehr zu vereinbaren sind.


Wenn wir über die historisch abgelaufene Uhr des Kapitalismus sprechen, so tun wir das in dem Bewußtsein, daß der Sterbeprozeß schon etwa 100 Jahre anhält. Das ist eine lange Zeit und der Kapitalismus existiert ja immer noch. Und zur Entwicklung hat der Kapitalismus ja auch Jahrhunderte gebraucht. Und je weiter wir in die Geschichte zurückgehen, desto länger werden die Abstände zwischen dem Wandel der alten Gesellschaft zur neuen. Anfangs gingen sogar Jahrtausende ins Land, bis sich die neue Gesellschaftsordnung aus der alten herausentwickeln konnte.

Nehmen wie den Zerfall des Römischen Reiches...

Der Zerfallsprozeß war dadurch charakterisiert, daß ein Zustand der verendenden Zivilisation, der Agonie, eintrat, der sich in Richtung Barbarei zurückentwickelte. Es bildeten sich niedrigere Gesellschaftsformen im allgemeinen Prozeß der sozialen Auflösung. Niedrigere Entwicklungsstufen konnten sich der verfaulenden Zivilisation bemächtigen. So wurde das Römische Reich einerseits von außen durch den Kampf der Germanen zerstört, und dieser Kampf war, wie Engels so richtig sagt, nicht einmal ein "ernstlicher". Dieser relativ leichte Sieg lag begründet im inneren Zerfallsprozeß des Römischen Reiches, denn als die Germanen die Erbschaft antraten, handelte es sich bereits um eine bankrotte, auseinandergefallene Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die sie zerstörten.

Franz Mehring schreibt:
"Die Germanen ermatteten die römischen Heere im Kleinkrieg, bis diese aufgaben. Die Germanen blieben frei, nicht sowohl weil es für das römische Weltreich eine absolute Unmöglichkeit gewesen wäre, sie schließlich zu bezwingen, als weil diese Bezwingung ungeheure Opfer gekostet haben würde, die Rom bei dem Zustande inneren Verfalls, in denen seine Weltherrschaft trotz allen äußeren Glanzes bereits getreten war, nicht mehr zu bringen wagte." (Mehring, Band 5, Seite 7)

Jürgen Kuczynski schreibt in seiner "Allgemeinen Wirtschaftsgeschichte" ( Kuczynski hat sich zu einem waschechten Revisionisten entwickelt, also ist ansonsten mit Vorsicht zu genießen - die Redaktion):

"Welches waren die Ursachen dieses Niedergangs des Römischen Reiches ?
Man kann sie vielleicht wie folgt zusammenfassen: Um sich zu halten, steuerte die herrschende Klasse mit Hilfe des Staates so viel vom Mehrertrage fort, daß der großen Masse der Werktätigen kaum noch etwas zu ihrem Leben blieb und insbesondere in der Landwirtschaft, aber auch im Handwerk jede Initiative zur Mehrproduktion verloren ging. Der Staat als Machtinstrument und Plünderungsmittel einer kleinen Schicht von Reichen und als "Protektor" einer durchaus nicht kleinen anderen Schicht, nämlich der Schicht der Berufssoldaten, die sich aus den verschiedensten Kreisen rekrutierte, sah sich gezwungen, die Besteuerung bis zur Abtötung der wirtschaftlichen Initiative zu steigern, weil die antike Sklavenwirtschaft nicht mehr genügende wirtschaftliche Leistungen vollbrachte, um die Kosten zur Machterhaltung der herrschenden Klasse aufzubringen.
Ein solcher Sachverhalt ist in der Wirtschaftsgeschichte nicht selten und soll ja heute auch noch vorkommen. So läßt sich gegen Ende der Feudalperiode zum Beispiel in Frankreich ganz außerordentlich deutlich beobachten, wie die feudale Basis zur Finanzierung der Kosten der herrschenden Klasse nicht mehr ausreicht, und wie sich diese dann zunehmend an bürgerlichem Eigentum vergreift, bis das Bürgertum den Weg der Revolution geht, um die Steigerung seines Reichtums zu sichern.
Das herrschende System wird zu einer solchen Last, daß die Wirtschaft den Weg in den Niedergang unausweichlich gehen muß.
Zu den Verfallserscheinungen zählten:
1) Verstaatlichung der Wirtschaft, Eingriffe und Restriktionen
2) Inflationstreiberei
3) Verschiebungen von der Stadt aufs Land, Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge, Verarmung der Handwerker und Kaufleute, Verminderung des Handels, Abbröckeln der Zentralgewalt zugunsten der Verselbständigung der Provinzen.
In den großen städtischen Metropolen entstanden Armut und große Elendsviertel. Das Land lag brach da und verödete. Es kam zur Ballung der Menschen in den Städten und Landflucht, bzw Entvölkerung auf dem Lande. In der Wirtschaft machte sich eine Art Autarkiebewegung breit, d.h. man beschränkte sich auf das Nötigste und versorgte sich mit dem Minimum, denn jede Anhäufung würde angesichts der staatlichen Plünderei und der Wegelagerei und Räuberei (teilweise geflüchtete Sklaven) unmöglich gemacht werden. Wer nichts hatte, dem konnte auch nichts weggenommen werden. Mit seinen Ansprüchen richtete man sich auf "karge Jahre" ein. Für einen gesunden Aufschwung, für eine wirtschaftliche Aufbauinitiative war nicht mehr die Zeit.
Zur wirtschaftlichen Krise trugen auch die inneren Faktoren bei, die Sklavenaufstände, die Befreiungskämpfe in den Provinzen und der Widerstand der freien Bauern und Kolonen, in deren Folge viele Produktivkräfte zerstört wurden, die der Mehrproduktion der Sklavenhalterei dienten. Die soziale Revolution benötigte 3-4 Jahrhunderte! Römischen Sklaven war der Unterdrücker- und Ausbeuterstaat so verhaßt, daß sie sich den Barbaren anschlossen, ihnen die reichen römischen Wohnsitze zeigten, damit aller Reichtum ausgeraubt wurde. Die Eroberungen der Barbaren waren also aufs engste mit den Aufständen innerhalb des römischen Reiches miteinander verbunden. Westeuropa verfiel auf viele Jahrhunderte in Finsternis und Unwissenheit, in Kriege der Barbarenreiche untereinander, bevor sich der Feudalismus herausbildete. Die werktätigen Massen atmeten auf, als der Sklavenhalterstaat mit seiner Geldeintreiberei zusammengebrochen war. Obwohl also die Barbaren die römische Kultur zerstört hatten, bedeutete der Untergang das Ende der sklavischen Ausbeutung, was ein wesentlicher Fortschritt im Leben der Menschheit war.

" Die Revolution der Sklaven", sagte Stalin," beseitigte die Sklavenhalter und hob die Sklaverei als Form der Ausbeutung der Werktätigen auf". (Stalin, Rede vor den Stoßarbeitern der Kollektivwirtschaften, in: Fragen des Leninismus, S.498)

Die auf Sklaverei beruhende Gesellschaftsordnung hat zu damaligen Zeiten gewiß eine hohe Kultur hervorgebracht, die einen ungeheuren Einfluß auf die ganze weitere Entwicklung der Menschheit ausgeübt hat; durch ihre Ausbeutungsmethoden wurde sie jedoch schließlich zum Hemmschuh der gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Die Sklaverei verhinderte die Entwicklung der Technik, der Kultur und der Wissenschaft. Die Arbeit unter der Peitsche brachte nur geringen Ertrag. Es mußten ständig neue Sklaven ( die man durch Kriege und Seepiraterie zusammentrieb und dabei Produktivkräfte zerstörte) die alten, verbrauchten Arbeitskräfte ablösen. So führte die Sklaverei zum Niedergang der Produktivkräfte, und dieser Niedergang wiederum zog den Untergang der Sklavenhaltergesellschaft nach sich.
Zwar wurde um das Jahr 600 die Sklaverei als Gesellschaftsordnung endgültig beseitigt, aber die Sklaverei bestand als Form der Ausbeutung noch lange Jahre weiter. Und sie existiert in abgewandelter Form zum Teil heute noch.

Wenn man die Zerfallsperioden der verschiedenen Gesellschaftsordnungen und den Verfall der verschiedensten Reiche genauer betrachtet, fällt einem immer wieder auf, daß die Ausbeutung bis zur Erschöpfung und Vernichtung der Ausgebeuteten betrieben wurde, daß dann eine Phase der Schwächung des Systems, verminderte Wehr- und Widerstandsfähigkeit eintrat, die dann von äußeren Feinden ausgenutzt wurde. So wurden während der Eroberung viele Menschen im Land, alle Errungenschaften , Bauten, Kulturen des überfallenen Reiches zerstört und der gesamte Reichtum den neuen Machthabern untergeordnet. Je größer das Reich, desto gewaltiger die Ausbeutungsmaschinerie, desto grausamer die Kriegsverwüstungen, die Armut und der Hunger, desto tiefer und gründlicher der Zerfall. Das war so mit dem ägyptischen Reich, mit den ältesten Staaten Mesopotamiens, mit Phönizien, Judäa, Persien, Indien, China, Griechenland, Rom usw usf. Aber die Menschheit hat sich daraus immer wieder neue weiterentwickelt.
Allerdings kamen die Ausgebeuteten nach einer kurzen Atempause und Regeneration des Übergangs vom Regen in die Traufe. Die Klassengesellschaft blieb ja weiter bestehen. Das erinnert auch an die deutsche "Wiedervereinigung".
Aber im Gegensatz zu allen anderen unterdrückten Klassen früherer Gesellschaftsordnungen kann die Arbeiterklasse ihre Lage wirtschaftlich nur nach der politischen Revolution verbessern. Der Arbeiterklasse ist es bis zu den Tagen der Revolution immer schlechter gegangen. Um ihre nackte Existenz zu retten, sind die Werktätigen gezwungen, sich vom nicht mehr zu ertragenden Elend und von den frechen Peinigungen der Bourgeoisie zu befreien. Ganz
e n t g e g e n g e s e t z t waren die Bedingungen des Bürgertums als es sich von der Feudalklasse befreite.

Wenn man also das Entwicklungst e m p o der Geschichte betrachtet und das Verhältnis zwischen dem Imperialismus und allen anderen vorangegangenen Epochen vergleicht, dann hat sich die letzte Stufe des Kapitalismus enorm schnell entwickelt, obwohl sie für uns Revolutionäre eine Ewigkeit zu dauern scheint.
Und wenn wir den Beginn des Sozialismus mit der Oktoberrevolution datieren und sein vorübergehendes Ende mit der Restauration des Kapitalismus im sozialistischen Albanien abschließen, so sind das ganze 70 Jahre in der gesamten Geschichte der Menschheit und zwar nicht 70 Jahre innerhalb der "Vorstufe der Menschheit" wie Marx es formulierte, sondern 70 Jahre Keimformen der zukünftigen Gesellschaftsordnung, in der es keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gegeben hat, ein Stück Weltgeschichte, in der erstmals die Werktätigen selber über ihr Schicksal verfügten, die Epoche der Diktatur des Proletariats, also schon zu einer Zeit, in der auf dem Erdball der Imperialismus noch vorherrschte. Die Oktoberrevolution verwandelte Geschichte in eine Episode des Untergangs der Weltbourgeoisie, die sich heute überfressen hat. Sicherlich gab es Illusionen und Überschätzungen der Möglichkeiten des Sozialismus, schließlich lagen ja nicht wie heute geschichtliche Erfahrungen vor.
Die Oktoberrevolution war eine Umgestaltung, die das Alte in der Wurzel traf und von Grund aus zerschlug, nicht aber vorsichtig, langsam und allmählich umformte, in dem Bestreben, möglichst wenig zu zerschlagen. Wenn man mit dem Kriegskommunismus später zu Reformen gezwungen wurde, bedeutete das nicht, daß die Oktoberrevolution zu früh oder falsch war, sonst hätte der Sozialismus in der Sowjetunion nicht so aufblühen können.
Man darf eben seine revolutionären, historischen Möglichkeiten nicht üßberschätzen, wie das Revolutionäre gern tun, die noch in den Kinderschuhene stecken ( und da brauchen wir uns nur selber an die Nase fassen!).
Große historische, politische Umwälzungen - wie zB drei Jahre 'heiße' Oktoberrevolution - brauchen längere Zeit, Jahrzehnte!, um zB. durch 'eiskalte',schwere, mühsame ökonomische Arbeit v o l l e n d e t, verarbeitet und gesichert zu werden, das heißt es müssen überhaupt erstmal die Ruinen der alten Gesellschaft beseitigt werden usw.
Man stelle sich vor, wie lange wir h e u t e nach der Revolution an Aufbauarbeit zu leisten haben, um die Trümmer des Weltimperialismus nicht nur bei uns vor der Tür, sondern auf der ganzen Welt aus dem Wege zu räumen.
Wir müssen mit den sektiererischen Vorstellungen aufräumen, notwendige Entwicklungsetappen zu ignorieren oder zu überspringen, bestimmte Stufen zu ignorieren, die auch vordergründig Rückschritte bedeuten, aber letztendlich einen um so größeren Sprung nach vorne ermöglichen. Auch beim Zerfall der alten und Entstehen der neuen Gesellschaft tritt das Gesetz der Negation der Negation n i c h t außer Kraft. Das, was positiv war, wird beibehalten und in den Dienst der neuen Gesellschaft gestellt, je mehr desto besser. Wenn wir den Kapitalismus zerschlagen, heißt das nicht, daß wir alles dem Erdboden gleichmachen und uns so benehmen wie die Imperialisten. Wenn wir die neue Gesellschaft auf den Trümmern der alten Gesellschaft aufbauen, heißt das nicht, daß wir dabei auf Altbewährtes verzichten, nur weil es einmal vorher der dunklen Vergangenheit angehört hat, ohne zu fragen, ob es der Diktatur des Proletariats noch weiter ützt. Je mehr alte, nützliche Dinge in den Dienst der Zukunft gestellt werden, desto weniger können sie dazu mißbraucht werden, die Vergangenheit wieder einzuholen und den Kapitalismus zu restaurieren. Als Lenin die marxistischen Thesen über die zwei Phasen des Kommunismus weiterentwickelte und die Spuren, die Muttermale der alten Gesellschaft, von denen sich der Kommunismus in seinem ersten Stadium noch nicht völlig befreien kann, zur Sprache brachte, betonte er insbesondere, daß Marx diese Überreste der alten Gesellschaft nicht willkürlich in die neue hineingebracht, sondern klargemacht hat, daß sie für die aus dem Schoß des Kapitalismus hervorgegangene Gesellschaft historisch unvermeidlich sind, "zeigt uns doch das Leben auf Schritt und Tritt, sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft, Überreste des Alten im Neuen." (Lenin,"Staat und Revolution")

Mit der Versessenheit, das 'heiße', aufwühlende Tempo der Oktoberrevolution im übertriebenen Sinne 50-70 Jahre lang , d.h. Tag für Tag, durchzuhecheln, wäre ein Unding, würde nur Unheil anrichten. Wer den revolutionären Motor und die Treibriemen mutwillig verschleißt und nicht zB. auf gute Schmierung und Kühlung achtet, bzw im ersten Gang des sozialistischen Aufbaus kommunistische Höchstgeschwindigkeit fährt, der läßt die Revolution heiß laufen und bringt den neuen Motor mit einem »Kolbenfresser« zum Stoppen, ehe er für die gesamte Dauer des Sozialismus seinen Dienst tun kann.
Auf der anderen Seite darf sich die stalinsche Erkenntnis, daß wir Kommunisten das Schiff der Arbeiterbewegung auf dem gradesten und raschesten Weg ans Ufer des Sozialismus steuern müssen, nicht in eine schädliche Fehlorientierung verwandeln., wenn sie, wie das die Sektierer tun, zu einer Aussage verabsolutiert wird, daß es quasi nur nur eine Luftlinie zum Sozialismus gibt. Die Überspannung der Theorie der gesetzmäßigen, notwendigen Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus kann deren positiven Charakter in etwas Negatives umkehren und entwerten. Es kommt darauf an, die Dinge nicht zu überspannen und in der praktischen Arbeit die Einheit der quantitativen und qualitativen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Man kann auch untertreiben und resignieren, ob angesichts der gegenwärtigen Weltlage der Sozialismus überhaupt jemals wieder Überzeugungs- und Anziehungskraft bei den unterdrückten und ausgebeuteten Klassen gewinnen und zurückgewinnen kann? Beides schadet - zu untertreiben und zu übertreiben.

Lenin warnte damals mit den Worten:

"Mängel sind zuweilen die Fortsetzung unserer Vorzüge.
Für den wirklichen Revolutionär besteht die größte Gefahr - vielleicht sogar die einzige Gefahr - darin, daß er den Revolutionismus übertreibt, die Grenzen und Bedingungen der angebrachten und erfolgreichen Anwendung revolutionärer Methoden außer acht läßt. Wirkliche Revolutionäre brachen sich zumeist dann den Hals, wenn sie anfingen, 'Revolution' mit großen Buchstaben zu schreiben, die Revolution zu etwas Göttlichem zu erheben, den Kopf zu verlieren, die Fähigkeit zu verlieren, ganz kaltblütig und nüchtern zu überlegen, abzuwägen und zu prüfen, zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Umständen und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es verstehen muß, revolutionär zu handeln, und zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Umständen und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es verstehen muß, zu reformistischem Handeln überzugehen. Wirkliche Revolutionäre werden ( im Sinne nicht einer äußeren Niederlage, sondern eines inneren Zusammenbruchs ihrer Sache) nur dann zugrunde gehen - dann aber bestimmt zugrunde gehen -, wenn sie die nüchterne Überlegung verlieren und sich in den Kopf setzen, daß die 'große, siegreiche, weltumspannende' Revolution unbedingt alle und jegliche Aufgaben unter allen Umständen auf allen Tätigkeitsgebieten revolutionär lösen könne und müsse.
Wer sich so etwas 'in den Kopf setzt', der ist verloren, denn er hat sich in einer grundlegenden Frage eine Dummheit in den Kopf gesetzt, und während eines erbitterten Krieges (die Revolution ist der allerbitterste Krieg) ist die Niederlage die Strafe für eine Dummheit. Woraus folgt denn, daß die 'große, siegreiche, weltumspannende' Revolution nur revolutionäre Methoden anwenden kann und darf ? Das folgt aus gar nichts. Ja, das ist ausgesprochen und unbedingt falsch." (Lenin, Band 33, Seite 92)
Lenin schrieb dies im November 1921, wo die Bedingungen (die Zeit der NÖP) für die Entwicklung des Sozialismus denkbar ungünstig und außerordentlich gefährlich waren.

Und Lenin sagte voraus:

"Wenn sich die europäische Revolution verspätet, so stehen uns schwerste Niederlagen bevor... Wenn man es nicht versteht, sich anzupassen, wenn man nicht gewillt ist, auf dem Bauch durch den Schmutz zu kriechen, dann ist man kein Revolutionär, sondern ein Schwätzer, denn so vorzugehen, schlage ich nicht deswegen vor, weil mir das gefällt, sondern weil es keinen anderen Weg gibt, weil die Geschichte es nicht so angenehm gefügt hat, daß die Revolution überall zu gleicher Zeit ausreift." (Lenin, Band 27, Seite 88)

Lenin und Stalin sahen die Begrenztheit der Möglichkeiten realistisch zB auch bei der friedlichen Koexistenz, die eingeschränkten Möglichkeiten des Aufbaus des Sozialismus in e i n e m Land usw, aber sie warteten nicht auf bessere Zeiten, sondern machten auf hervorragnde Weise "das Beste draus", schöpften diese Möglichkeiten unbeirrbar aus und brachten es zu einer Blüte, die immerhin rund 70 Jahre neben dem beherrschenden Imperialismus Bestand hatte und diesem das Fürchten lehrte, wenn man - nur um einmal ein Beispiel zu nennen - an die Schlacht von Stalingrad denkt. Es wäre aber wiederum eine Dummheit,eine pazifistische Illusion, von der Revolution in e i n e m Land zu erwarten, daß sie den Krieg für immer aus der Welt schaffen könne. Und es wäre einwenig zu viel verlangt, von diesem damals einzigen sozialistischen Land zu fordern, es müsse nun Stück für Stück in alle anderen Länder der Welt den Sozialismus exportieren, möglichst noch wunschgerecht zugeschnitten auf die besonderen Bedingungen jedes einzelnen Landes.
Die Oktoberrevolution kann keine Macht der Welt mehr rückgängig machen und auch nicht die Errungenschaften des Sozialismus, die auf ihren Fundamenten bis in unsere Gegenwart hinein von den sozialistischen Menschen erzielt wurden. Der sterbende Kapitalismus hat es aber geschafft, den Weiterbestehen des Sozialismus aufzuhalten. Und an dem Eingeständnis dieser bitteren Wahrheit ist entschieden nichts "Schreckliches", nichts, was berechtigten Anlaß auch nur zur geringsten Verzagtheit oder gar Zweifel an unserer Sache gäbe, denn wir haben stets die ABC-Wahrheit des Marxismus wiederholt, daß zum Siege des Sozialismus die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter mehrerer fortgeschrittener Länder notwendig sind, daß heute die Völker und das Weltproletariat sich zur großen Schlacht zusammenfinden müssen und daß weiter dort in denjenigen Ländern das Joch abgeschüttelt werden m u ß, wo immer dies möglich ist. Wir fangen wieder von vorne an und wir werden dies als überzeugte Kommunisten immer wieder und wieder tun ohne zu Jammern. Bei all unserer schwachen Situation, bei all den Folgen des »sozialistischen« (sprich revisionistischen) Zerfalls, den wir im Moment zu verarbeiten haben, bei aller Arbeit, die wir unter den Massen jetzt führen, um die Diskreditierung des Sozialismus zu beseitigen, sind es die Imperialisten, die Kapitalisten, die Reaktion, die alten konterrevolutionären Kräfte, der ganze alte Dreck, der i m M o m e n t zwar stärker ist als wir und auch dafür sorgen wird, daß dies so bleibt, aber der auf seine alte Weise "weiterwurschtelt" auf seine "altbewährte" kapitalistische Weise und dabei weiter verfault und stirbt ! Quälen, foltern und morden kann die Bourgeoisie nirgends ungehindert. Sie erzeugt Widerstand mit jedem Unrecht, das den Völkern angetan wird. Den unvermeidlichen und - unter dem hier welthistorischen Gesichtspunkt betrachtet - gar nicht mehr fernen e n d g ü l t i g e n Sieg des revolutionären Proletariats kann die Bourgeoisie nicht aufhalten.





II. Zerstörung und der Zerfall der gealterten Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse



Für die Aufwärtsentwicklung, für den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung, spielt die Übereinstimmung, das Harmonisieren zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen eine grundlegende, entscheidende Rolle. Und umgekehrt: Für die Zerfallsentwicklung, für den Zusammenbruch einer Gesellschaftsordnung spielen die unlösbaren Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen eine entscheidende Rolle - Widersprüche, die zu Fesseln werden, die gesprengt werden auf revolutionäre Weise. Und so wird die kapitalistische Produktionsweise zur Fessel für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte der heutigen Gesellschaft.
An vielen Stellen ihres Werkes finden wir bei Marx und Engels wichtige Hinweise zu diesem wichtigen Punkt.
Es lohnt sich auf jeden Fall, auf wesentliche Aussagen hinzuweisen und eine Reihe von Zitaten zusammenzutragen.

Marx hatte bereits 1859 in dem historischen Vorwort des Buches "Zur Kritik der Politischen ßÖßkonomie" das Wesen des historischen Materialismus genial formuliert:

"Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue, höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind."

Folgern wir hieraus heute den Umkehrschluß: Die objektiven Bedingungen sind dafür längst reif.
Der Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und der privaten Aneignung, der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, ist in eine explosive Umwälzphase eingetreten, in der die ökonomische Grundlage des Kapitalismus schon soweit entzogen ist, daß eine revolutionäre Situation unmittelbar bevorsteht. Sie ist bereits unaufhaltsam in Fluß.

Es war Marx, der in seinem "Kapital"(Band III, Seite 260) die kühne Feststellung machte:

"Die kapitalistische Produktion strebt beständig, diese ihr immanenten Schranken zu überwinden, aber sie überwindet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerm Maßstab entgegenstellen.
Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; daß die Produktion nur Produktion für das Kapital ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses für die Gesellschaft der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf die Enteignung und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muß und die auf unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern. Das Mittel - unbedingt Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte - gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandenen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen..."

" die Schranke der Produktion ist der Profit der Kapitalisten..." (Marx, Theorien über den Mehrwert, Band II,2).

Ende des Profits bedeutet auch Ende der Herrschaft der Bourgeoisie. Kapital und Profit sind vergänglich. Und mit dem Profit ist es heute schlimm bestellt angesichts der Probleme, die sich in 200 Jahren aufgestaut haben. Und für die Bourgeoisie ist heute jeder Tag problematischer als alle Jahre des Kapitalismus zusammengerechnet. Im Dritten Band des "Kapitals" (Seite 274) definiert Marx die letzte Konsequenz des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate:

"Der Widerspruch zwischen der allgemeinen gesellschaftlichen Macht, zu der sich das Kapital gestaltet, und der Privatmacht der einzelnen Kapitalisten über diese gesellschaftlichen Produktionsbedingungen entwickelt sich immer schreiender und schließt die Auflösung dieses Verhältnisses ein, indem sie zugleich die Herausarbeitung der Produktionsbedingungen zu allgemeinen, gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktionsbedingungen einschließt. Diese Herausarbeitung ist gegeben durch die Entwicklung der Produktivkräfte unter der kapitalistischen Produktion und durch die Art und Weise, worin sich diese Entwicklung vollzieht."

Und daß uns diese Entwicklung nicht einfach automatisch in den Schoß fällt, dürfte angesichts der komplizierten Entwicklung des Sozialismus in diesem Jahrhundert nicht schwer zu begreifen sein.

"Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert." (Marx,Das Kapital, Band I, Seite 791).

Es ist die Negation der Negation. Es ist die historische Tendenz der kapitalistischen Akkumulation. Mit seiner Analyse des allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation schuf Karl Marx die ökonomische, objektive Begründung für die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der proletarischen Revolution.

Es zeigt sich, "daß die kapitalistische Produktionsweise an der Entwicklung der Produktivkräfte eine Schranke findet, die nichts mit der Produktion des Reichtums als solcher zu tun hat; und diese eigentümliche Schranke bezeugt die Beschränktheit und den nur historischen, vorübergehenden Charakter der kapitalistischen Produktionsweise; bezeugt, daß sie keine für die Produktion Reichtums absolute Produktionsweise ist, vielmehr mit seiner Fortentwicklung auf gewisser Stufe in Konflikt tritt."(Marx, "Kapital", Band III,1).

Die Klassengegensätze "waren nämlich gerade die Existenzbedingungen für die Entwicklung der Produktivkräfte... Es war somit, um diese Entwicklung der Produktivkräfte... zu erlangen, notwendig, daß es Klassen gab, die profitierten und andere, die am Verkommen waren." (Elend der Philosophie, Karl Marx).

Die Einsicht in den nur historischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und damit in die Notwendigkeit einer neuen, höheren Produktionsweise ist von großer Tragweite für die Situation des Scherbenhaufens, in die der Imperialismus nunmehr tief drinsteckt. Aus der ökonomischen Notwendigkeit des Untergangs der alten und dem Heranwachsen der neuen Produktionsweise ergeben sich in der jetzigen Situation politische Konsequenzen, denen wir ins Auge sehen müssen. Marx Lehre ist deswegen immer noch aktuell, weil er die Umwandlung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft ableitet von ökonomischen Bewegungsgesetzen, vom Wertgesetz. Jeder andere Versuch, die Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus und des Kommens des Sozialismus zu begründen, muß zwangsläufig auf falsche ideologische Begründungen hinauslaufen.
Der alte Revisionist Bernstein behauptete sogar:
"Der Nachweis von der Unvermeidlichkeit des ökonomischen Zusammenbruchs der bestehenden Gesellschaft... ist nicht zu erbringen." (Kautsky, "Bernstein und das sozialdemokratische Programm, Stuttgart 1899)

Hieraus spricht reinster Zweckpessimismus, gerade wie die Bourgeoisie ihn braucht, wenn sie am Krepieren ist. Das lockt nicht nur die alten Motten ans reformistische Licht, sondern treibt auch gerade die Jugend mit dem Motto "No future!" in die Verzweiflung, zum Wohlgefallen des Anarchismus. Ganz im Gegenteil stehen wir an der Schwelle einer Epoche, in der der Marxismus größere Triumphe davontragen wird als jemals zuvor.Der Kapitalismus hat wieder einmal in der ganzen Welt gesiegt, aber dieser Sieg ist nur die Vorstufe zum gründlicheren Sieg der Arbeit über das Kapital. (Dies schrieb Lenin vor genau 80 Jahren!!)

Nun ist es auf der anderen Seite aber auch nicht so, als fielen die Produktivkräfte der alten Ordnung der neuen bildlich gesprochen als "reife Frucht in den Schoß" oder so als bräuchten nur noch die Verteilungsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft "auf den Kopf gestellt" werden ( Umverteilung von oben nach unten).
Wenn die Produktivkräfte durch den faulenden, sterbenden Kapitalismus zu einem gewissen Punkt zerstört, vernichtet, geschwächt und behindert werden, die Produktion in große Versorgungsschwierigkeiten gerät usw., dann können die gesellschaftlichen Bedürfnisse nicht auf Anhieb ausreichend gesichert werden. Das war beispielsweise nach dem 1. und 2.Weltkrieg so oder nach all den Kriegen danach, wo der Großteil der Weltproduktion für militärische Zwecke verwendet und ein weiterer großer Anteil gewaltsam zerstört wurde. Und heute erleben wir im katastrophalen Ausmaß wie zB außerdem noch die Naturkräfte vernichtet und verwüstet werden. In dieser Situation wird es auch für die unterdrückten Klassen schwieriger, sich zu befreien und sich mit dem nötigsten zu versorgen und zB den Hunger zu bekämpfen. Das erleben wir heute zum Beispiel in Äthiopien. Das zeigt wie dringlich heute die sozialistische Revolution ist. Sie muß retten, was noch zu retten ist, um darauf noch eine halbwegs solide ökonomische Basis aufzubauen und diesen Erdball noch lebenswert zu erhalten.
Friedrich Engels schrieb im "Anti-Dührung" (MEW, Band 20, Seite 262):

»Solange die gesellschaftliche Gesamtarbeit nur einen Ertrag liefert, der das zur notdürftigen Existenz aller Erforderliche nur um wenig übersteigt, solange also die Arbeit alle oder fast alle Zeit der großen Mehrzahl der Gesellschaftsglieder in Anspruch nimmt, solange teilt sich die Gesellschaft notwendig in Klassen."

Diese Erkenntnis darf uns nicht zum Fatalismus führen wie das in der Zeit des sowjetischen Kriegskommunismus der Fall war. Die sowjetischen Menschen zur Zeit Lenins und Stalins haben vielmehr bewiesen, daß unter den größten Opfern, Entbehrungen und Anstrengungen etwas Mächtiges, Starkes, Unüberwindliches, heranwächst, daß die Arbeiterklasse alle Schwierigkeiten meistert, wenn sie die Macht in den Händen hat. Gemeinsam mit den Bauern haben die sowjetischen Arbeitern bewiesen, daß sie stärker waren als der Imperialismus, daß sie einen großartigen Sozialismus aufgebaut haben trotz der Feinde, die von innen und außen am Werk waren und dieses Werk auch leider vollenden konnten, nämlich den Sozialismus auf der Welt wieder zu zerstören.
Der Zustand der Produktivkräfte entscheidet also nicht schicksalhaft, nicht automatisch, über Leben und Tod der Arbeiterklasse. Das ist vielmehr eine Frage der politischen Durchsetzung des Proletariats.
Die Gewalt des Proletariats ist der Geburtshelfer der alten kapitalistischen Gesellschaft, die mit der sozialistischen Gesellschaft schwanger geht.
Und so hatte Lenin fest auf diese revolutionäre proletarische Gewalt in Deutschland gehofft, was für die Sowjetunion und die ganze Welt wahrscheinlich eine große Bedeutung gehabt hätte. Nur hat die sozialistische Revolution in Deutschland bis heute noch nicht gesiegt, obwohl die objektive Entwicklung der Produktivkräfte hierfür dicke ausgereicht hätte. Auf den subjektiven Faktor kommen wir später noch zu sprechen.
Die Entwicklung der sozialistischen Produktivkräfte waren besonders am Anfang außerordentlich schwierig und damit der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion sehr problematisch. Lenin verglich diese Situation mit Westeuropa, wo die Produktivkräfte bereits industriell sehr weit fortgeschritten waren und im Falle des Sieges der deutschen roten Räterepublik hätten sich die Produktivkräfte beider sozialistischer Länder vereinigen können. Das hätte durchaus schon das historische Ende des Imperialismus bedeuten können. Aber selbst Lenin hatte erkannt, daß es zwar in Westeuropa leichter sei, die Produktivkräfte des Sozialismus zu entwicklen, aber viel schwerer, die Macht der stark organisierten Bourgeoisie zu brechen. Und so kam es denn ja auch.
Das Kapital saß damals noch sehr fest im Sattel trotz der verheerenden Auswirkungen des 1.Weltkriegs, und man hätte die Wurzeln auf einen Schlag nicht herausreißen können. Die Enteignung der Kapitalisten vollzieht sich nicht in einem einzigen Tag und ebensowenig können die sozialistischen Produktivkräfte an einem einzigen Tag ihren Höchststand erreichen. Schon Marx und Engels schrieben in ihrem "Kommunistischen Manifest", daß das Proletariat seine Macht gebrauchen muß..
"...der Bourgeoisie n a c h u n d n a c h (hervorgehoben von der Redaktion) alles Kapital zu entreißen.«

Von der kapitalistischen Hölle gleich ins sozialistische Himmelreich hineinzuschweben, davon träumen nur die Kapitalisten, die Schmarotzer, die sofort ihre Fahnen umdrehen und sich ins gemachte Bettchen legen, so wie das die alte DDR-Bourgeoisie gemacht hat.
Parasiten fressen erst den Kapitalismus leer und dann den Sozialismus, sie sind überall dort als erste zur Stelle, wo es was zu holen gibt - über alle Gesellschaftsordnung und Ideologie hinweg. Und die intelligenteren, revisionistischen Parasiten fielen nicht brutal wie ihre Vorgänger über ihre Opfer her, sondern züchteten sich "sozialistische" Blattläuse, die sie zu jeder Zeit aussaugen konnten und die besonders kräftig und schmackhaft waren, weil ihnen "sozialistisches" Gedankengut als Hormonspritze verabreicht wurde. So sahen die Übereste der alten Gesellschaft die neue Gesellschaft. Der Übergang bedeutet für die revolutionäre Klasse ein übermenschliches Maß an Kraft und Energie, an Opfer und Heldenmut, um den historischen, vergifteten Müll vom Körper abzuschütteln. Es sind nicht nur die Parasiten und Wegelagerer, die über alles verbliebene Leben herfallen, die das Proletariat abschütteln muß. Das Proletariat ist auch gezwungen, das Gift der Resignation zu verarbeiten, daß jahrzehntelang durch die Bourgeoisie verabreicht wurde. Setzt die Arbeiterklasse auf die Bourgeoisie, wird sie mit der Bourgeoisie untergehen. Ihre Existenz hat nur eine Chance, wenn sie sich von der Bourgeoisie befreit.

Wir können also zusammenfassen:
Je mehr der Fäulnisprozeß fortgeschritten ist, je mehr Krieg, Terror, Sabotage, sozialer Kahlschlag, Räubereien, Naturzerstörungen die Imperialisten mit jedem neuen Tag hinterlassen, um sich vor ihrem Untergang zu retten, desto schwieriger ist es für die sozialistische Revolution, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen, desto mehr sind nicht nur die ökonomischen Voraussetzungen des sozialistischen Aufbaus begrenzt.
Umgekehrt:
Ist der Zerstörungsprozeß noch nicht soweit fortgeschritten, ist die Bourgeoisie noch einigermaßen wirtschaftlich lebensfähig, wird sie auch noch genügend Kraft haben, ihre politische Macht zu gebrauchen, wird es für die revolutionären Klassen auch schwer sein, die Herrschaft der Ausbeuterklassen zu zerbrechen. Also:
Ist die Bourgeoisie ökonomisch so tief schon am Boden, daß sie ihren Herrschaftsapparat finanziell nicht mehr auf der gebotenen Höhe halten kann, ist der Zeitpunkt fürs Proletariat günstig zuzuschlagen und der Bourgeoisie den Rest zu geben. Deswegen muß das Proletariat eben auch jetzt schon daraufhinarbeiten und jede Gelegenheit nutzen, um die Bourgeoisie zu schwächen, wo immer das möglich ist. Wieviel Blut die Bourgeoisie vergossen, wieviel Produktivkräfte sie zerstört, wieviel verbrannte Erde sie hinterlassen hat in ihrer ganzen Geschichte, um den Sozialismus zu verhindern, ist uns bewußt. Deswegen wissen wir genau:
Der Imperialismus wird niemals wie eine reife Pflaume dem Sozialismus in den Schoß fallen. So hat die Praxis zur Genüge gezeigt, daß die Kapitalisten es lieber vorziehen, die Nahrungsmittel zu vernichten, um die Preise zu erhöhen und Extraprofite zu machen, als mit dem Überschuß die Hungernden dieser Erde zu versorgen.

Stalin schreibt hierzu:

"Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus." (Stalin, Band 12, Seite 215)

Wie sehr die heutigen Produktionsverhältnisse auch hinter der Entwicklung der Produktivkräfte zurückgeblieben sein mögen, sie m ü s s e n früher oder später in Übereinstimmung kommen, auf welcher Stufe auch immer. Im entgegengesetzten Fall käme es zu einer tiefen Störung des Produktionssystems, zur Krise der gesamten Weltproduktion, zur Zerstörung der Produktivkräfte auf dem ganzen Erdball. Und genau das spielt sich heute schon stündlich ab. Das heißt aber nicht, daß wir auf den Tag "X" nur noch zu warten bräuchten.

Stalin lehrt:

"Bis zu einer gewissen Periode vollziehen sich die Entwicklung der Produktivkräfte und die Veränderungen auf dem Gebiete der Produktionsverhältnisse als elementarer Prozeß, unabhängig vom Willen der Menschen. Aber dies nur bis zu einem gewissen Augenblick, bis zu dem Augenblick, wo die neu entstandenen und sich entwickelnden Produktivkräfte die notwendige Reife erlangt haben. Nachdem die neuen Produktivkräfte ausgereift sind, verwandeln sich die bestehenden Produktionsverhältnisse und ihre Träger, die herrschenden Klassen, in das 'unüberwindliche' Hindernis, das nur aus dem Wege geräumt werden kann durch die b e w u ß t e (von der Redaktion hervorgehoben) Tätigkeit der neuen Klassen, durch gewaltsame Handlungen dieser Klassen, durch die Revolution. Hier zeigt sich besonders klar die g e w a l t i g e Rolle ( von Stalin hervorgehoben- die Redaktion) der neuen gesellschaftlichen Ideen, die neuen politischen Einrichtungen der neuen politischen Macht, die berufen sind, die alten Produktionsverhßäßltnisse gewaltsam zu beseitigen. Auf der Grundlage des Konflikts zwischen den neuen Produktivkräften und den alten Produktionsverhältnissen, auf der Grundlage der neuen ökonomischen Bedürfnisse der Gesellschaft entstehen neue gesellschaftliche Ideen, die neuen Ideen organisieren und mobilisieren die Massen, die Massen schließen sich zusammen zu einer neuen politischen Armee, schaffen eine neue revolutionäre Macht und benutzen sie, um die alten Zustände auf dem Gebiet der Produktionsverhältnisse gewaltsam zu beseitigen und neue Zustände herzustellen und zu verankern. Der elementare Entwicklungsprozeß macht der bewußten Tätigkeit der Menschen Platz, die friedliche Entwicklung der gewaltsamen Umwälzung, die Evolution der Revolution." (Geschichte der KPdSU - B, Seite 163)

In der gegenwärtigen Phase des parasitären Verfalls des Imperialismus vollzieht sich eine gewaltige Umwandlung von produktiver Arbeit hin zur unproduktiven Arbeit. Dieser überall zu beobachtende Trend ist sehr bedeutsam, so daß wir uns auch hiermit beschäftigen müssen:
Vom kapitalistischen Standpunkt aus haben die Produktivkräfte nur beschränkten Charakter. Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert. Produktiv ist für den Kapitalisten nur diejenige Arbeit, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht. Die andere Arbeit hingegen, die sich gegen Eigentum austauscht ist
u n p r o d u k t i v. Die unter den Bedingungen des Zerfalls vor sich gehende Aufblähung des unproduktiven Sektors nimmt erdrückende Ausmaße an. Das zeugt nicht nur von Schmarotzertum, sondern bedeutet auch eine ungeheure Belastung der verbleibenden produktiven Arbeiter, die sozusagen das ganze System auf ihren Schultern tragen, ohne die alles schon zusammengebrochen wäre. Die Revisionisten und andere bürgerliche Lakaien haben deswegen diese Tatsachen tunlichst verschleiert, indem sie die Dienstleistungen, die Intelligenz usw und sofort einfach für "produktiv" erklärt haben, womit die Existenz der kapitalistischen Ausbeutung selbst bestritten wird, auf die sich ja bekanntlich die marxistische Mehrwerttheorie stützt. In einer Dienstleistungsgesellschaft wäre dann die Ausbeutung "beseitigt", weil es keine Arbeiterklasse mehr gäbe und damit auch keine Notwendigkeit mehr, daß diese Arbeiterklasse die Revolution macht. Mit anderen revisionistischen Worten: Der Zerfall des Kapitalismus hebt die Ausbeutung "automatisch" auf, und die Menschen können ihre Hände beruhigt in den Schoß legen und die Selbstregulierungskräfte des Kapitalismus schalten und walten lassen. »Der Kapitalismus hat uns solange über Wasser gehalten, nun wird er das diesmal auch weiter schaffen...« Das sagen sich alle, die vom Kapitalismus profitieren, nicht diejenigen, die unter ihm zu leiden haben, und das sind bei weitem nicht allein die verbliebenen produktiven Arbeiter. Die aus dem Produktionsprozeß herausgerissenen Produzenten reihen sich ja nicht automatisch alle ins Lager der Müßßiggänger, Parasiten und Schmarotzer ein. Sie haben schwer unter den Zerfallssbedingungen des Kapitalismus zu leiden und schließlich sind sie es, die dazu gezwungen werden, irgendwelche Dienstleistungen anzubieten, um sich einigermaßen auf den Beinen zu halten. Es ist eine Schande, daß diese wertvollen Menschen ihre Produktivkräfte nicht für die gesellschaftlichen Bedürfnisse einsetzen dürfen, faktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen sind und zur Strafe noch darunter leiden müssen durch seelische Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Hunger und Elend. In der sozialistischen Gesellschaft würden sie alle zu Millionen die völlig überlasteten produktiven Produzenten unterstützen können, die nun nicht mehr ihre Arbeitskraft an den Kapitalisten verkaufen bräuchten. Schnell würden sich die Produktivkräfte wieder erholen, würde es einen raschen stabilen Wirtschaftsaufschwung geben. Vor allem würde auch wieder die Arbeiterklasse ihre Spaltung und Konkurrent untereinander, die Isolierung der einzelnen Arbeiter überwinden, und was man niemals vergessen darf, das ökonomische Bündnis mit den Bauern. Mit Beginn des Imperialismus, mit der Konzentration des Kapitals, mit der Entwicklung der Großbetriebe, wurden die Arbeiter in großen, mächtigen Produktionszweigen und Betrieben zusammengefaßt, wo sie sich zu starken Organisationen vereinigen konnten, wo sie konzentriert und effektiv gemeinsame Interessen vorbringen und durchsetzen konnten, wo sich ein starkes Klassenbewußtsein herausbilden konnte, wo revolutionäre Situationen an der Tagesordnung waren. Heute hat die Zentralisation des Kapitals, die Monopolisierung, die Rationalisierung und Zusammenlegung zur Vermeidung von Überkapazitßäßten usw i m
G e g e n s a t z dazu geführt, daß die riesigen Arbeiterheere in den großen Fabriken abgebaut und in riesige Arbeitslosenheere z e r s p r e n g t wurden und werden. Die proletarische Reservearmee tritt aber nicht mehr wie zB in den zwanziger, Anfang dreißiger Jahren als organisierte Kraft auf, sondern ist in Einzelindividuen zerstreut, die isoliert ihr Schicksal bewältigen bzw durch Kirche oder Gewerkschaften in Zaum gehalten werden. Das heißt, daß der jetzige Zustand des Imperialismus auch einen Zersetzungsprozeß in der Arbeiterklasse erzeugt hat, der jetzt, wo der kapitalistische Staat nicht mehr die Versorgung der Existenz sichern kann, also in einer zugespitzten Situation, alles sprengt und die Arbeitslosen gegen den Staat aufbringen kann. Die Arbeitslosen werden auf die Arbeitenden gehetzt und umgekehrt. Das heißt, wir müssen in kürzester Zeit mit der Explosion der nicht mehr zu haltenen sozialen Konflikte rechnen.
Die Schmarotzer sitzen den verelenden Massen im Nacken und dazu gehören nicht nur die Bourgeoisie, sondern auch Arbeiteraristokratie, Teile der Kleinbourgeoisie, Lumpenproletariat, eine bunte Mischung aus den verschiedensten Kettenhunden, "Staatsdienern" und Bürokraten aber auch "freischaffende" Privatbanden, Mafias usw. dieses Unterdrückungs- und Ausbeutersystems, sozusagen die Summe des Abschaums a l l e r im Kapitalismus existierenden Klassen.

Je mehr also die unproduktive Arbeit über Maß zunimmt, desto mehr wächst der Anteil der für den Kapitalismus tätigen unproduktiven Arbeiter aber auch die arbeitslose Reservearmee, die die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse nicht stabilisieren, sondern belasten. Es geht also auch darum, daß die Revolution die scharfen Konkurrenzbedingungen unter den Arbeitern beseitigt, die Produktivkräfte wieder mobilisiert, um damit die Voraussetzungen für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu schaffen.





III Die kapitalistischen Krisen



Die Wirtschaftskrise ist unvermeidliches Resultat des Kapitalismus selbst. Sie ist sozusagen gemeinsam mit dem Kapitalismus auf die Welt gekommen. Sie kann im Rahmen des Kapitalismus nicht verhindert werden. Jedenfalls hat jeder, der es seit fast 200 Jahren versucht hat, damit bis auf den heutigen Tag Schiffbruch erlitten. Mit jeder neuen Krise haben sich gleich mehrere neue dazugesellt. Und von der ersten bis zur heutigen Krise haben sich über die Jahrhunderte hinweg deren Tiefe und Ausmaß gewaltig ausgedehnt. So wie die Krisen immer wieder zwangsläufig das Weiterbestehen des Kapitalismus ermöglicht haben durch eine gewaltsame Anpassung des auseinandergeklafften Verhältnisses zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen, genauso wird die Krise im Laufe ihrer Entwicklung eines Tages dafür sorgen, daß der altersschwach gewordene Kapitalismus sich von dieser Schocktherapie nicht mehr erholt und sozusagen an "Herzversagen" ( zB Crash in Wall Street) stirbt.
Wer also die Krisen des Kapitalismus abschaffen will, wer verhindern will, daß wir wieder von der nächsten und übernächsten Krise heimgesucht werden, bis alles den Bach runtergelaufen ist, der kann dagegen nichts anderes tun, als den Kapitalismus j e t z t zu zerschlagen.

Stalin hat in einpaar kurzen Sätzen die Ursachen der Krise erklärt:


"Die Basis der Krise liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der Produktionskapazitäten des Kapitalismus, der auf die Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage seitens der Millionenmassen der Werktätigen, deren Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des äußersten Minimums zu halten suchen. Um im Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst viel Profit herauszupressen, müssen die Kapitalisten die Technik entwickeln, eine Rationalisierung durchführen, die Ausbeutung der Arbeiter verschärfen und die Produktionskapazitäten ihrer Betriebe bis aufs äußerste steigern. Damit keiner hinter dem anderen zurückbleibe, sind alle Kapitalisten gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen Weg rasender Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten. Aber der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die Hauptkäufer sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die Überproduktionskrisen. Daher die bekannten Resultate, die sich mehr oder weniger periodisch wiederholen, kraft deren die Waren unverkauft bleiben, die Produktion zurückgeht, die Arbeitslosigkeit wächst, die Löhne gesenkt werden, wodurch sich der Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau der zahlungsfähigen Nachfrage noch mehr verschärft. Die Überproduktionskrise ist der Ausdruck dieses Widerspruchs in stürmischen und verheerenden Formen." (Stalin, Band 12, Seite 214-215).

Mit jeder Betriebsstillegung, mit jeder Werksschließung im In- und Ausland, mit jeder Auflösung von ganzen Industrieregionen und Industriezweigen, mit der Abschaltung der Wirtschaft ganzer Länder, die für den Weltmarkt produziert haben, mit der Wiederausschaltung gerade auf dem neuesten Stand der Technik hochgezogener Wirtschaftseinheiten, wird das Kapital vernichtet und entwertet, außer Funktion gesetzt, liegt das Kapital brach, müssen Folgekosten dieses Wahnsinns aufgebracht werden. Interessant ist auch diese Erscheinung nicht nur auf dem Industrie- und gleichzeitig auf dem Agrarsektor, sondern in zunehmendem Maße auch im Bereich des Finanzkaptals selbst.
Das gegenwärtige Weltwährungssystem steht vor dem Ruin. Die Zuspitzung der Währungskrise ist in erster Linie auf die ungleichmäßige Entwicklung besonders der einzelnen reichen Länder zurückzuführen und dazu gehört auch die Ungleichmäßigkeit der unterschiedlichen nationalen Inflationsraten. Die Produktion geht überall drastisch zurück, die Handelsdefizite erhöhen sich. Es häufen sich enorme Wertverluste auf dem Kapitalmarkt durch die parasitären Erscheinungen in der Wirtschaft. Die Staatshaushalte in der ganzen Welt sind rettungslos verschuldet und der Bankrott in einem Lande wird den Bankrott im nächsten Land nach sich ziehen. Das ist für jedermann vorauszusehen und wird nur eine Frage der Zeit sein. Auch die Inflation hat in den meisten Ländern schon schwindelnde Höhen erklommen. Der Zusammenbruch der Weltbörsen ist vorprogrammiert, besonders beschleunigt durch das ruinöse Spekulantentum. Wir erleben gegenwärtig die größten Bankpleiten der Geschichte. Wir werden in einer Zeit der Börsenzusammenbrüche und des Kollaps des Weltwirtschaftssystems eintauchen. Ein großer Teil dieser ganzen Zusammenbrüche soll dazu dienen, sich die Gläubiger vom Hals zu schaffen. In dieses Pokerspiel mit den Schulden sind alle Länder der Welt verwickelt. Und der Verlierer steht für diese Spieler schon fest: die Völker der Welt. In den meisten, besonders ärmeren, Ländern der Welt wirkt durch die Überproduktionskrise in den reichen Industrieländern die Unterproduktionskrise, die Unterversorgung der Menschen. Und diese Unterproduktionskrise beginnt jetzt gleichzeitig auf die reichen Länder überzuschwappen.
Inzwischen haben sich die Grundpfeiler des Kapitalismus dermaßen geschwächt, daß die Krise gar nicht mehr Zeit hat, sich zu erholen, daß eine chronische Siechtumserscheinung auftritt, die bei geringsten Anlässen unvermeidlich neue Entzündungsherde aufbrechen läßt, deren Vertiefung sich ungehindert immer weiter und gefährlicher in die Länge zieht und ein Abflauen der Krise verhindert bzw die Heilung der Wunden unmöglich macht. Wenn die Kapitalisten dies sogar selber zugeben und sich nicht mehr viel Zeit zum Überleben geben, dann müssen wir Kommunisten heute äußerst hellhörig werden und der Sache sozusagen auf den Grund gehen.
Wenn wir jetzt einfach darüber hinwegsehen, wie schwer der Kapitalismus heute von seiner Krise angeschlagen ist, wie schnell die jetzige Krise Kreise zieht, sich unvermindert weiter ausbreitet und lawinenartig viele unumstößlichen, "eisernen" Gesetze über den Haufen rollt, wenn wir all das nicht begreifen, was jetzt um uns herum geschieht, daß die Geschichte ins Rollen gekommen ist und den ganzen Mist der vergangenen Jahrzehnte an die Oberfläche wirbelt, dann werden wir historisch scheitern, werden wir Kommunisten im Nichts versinken. Wir müssen jetzt all unsere ganze Kraft einsetzen, diese jetzt kommende Gelegenheit revolutionären Umschwungs nicht zu verpassen. Wir sind dazu berufen, Dampf zu machen - ganz vorne auf der ersten Barrikade. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir nicht mehr zu unseren Schwächen hinunterschauen dürfen, sondern wo jeder von uns, wo wir gemeinsam, Sprosse für Sprosse mit dem Blick nach oben emporklettern! Diesen Anstoß müssen wir Revolutionäre uns jetzt selber geben! Es ist egal, wer jetzt hier oder dort steht, jetzt müssen wir maschieren - und wenn es sein muß ganz allein, aber m a s c h i e r e n ! m ü s s e n !
w i r !

Wir dürfen nicht den Fehler Rosa Luxemburgs machen, die trotz ihrer Fehler eine großartige, vorbildliche, deutsche Genossin war, die aber zu einem mechanistischen Verständnis hintendierte, was ihre Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus angeht. Es gibt keinerlei a b s o l u t e ökonomische Schranke für den Kapitalismus. Der ökonomische Zusammenbruch löst nicht automatisch die Revolution aus oder macht die Spontaneität der Massen zum bewußten Handeln. Lenin hat sich vom Spontaneismus und Ökonomismus ideologisch sehr klar abgegrenzt und diese bürgerlichen Einflüsse in der Arbeiterbewegung bekämpft, indem er eine starke bolschewistische Partei aufbaute. Wenn der Zusammenbruch ökonomisch käme, wäre er schon längst überfällig. Warum ist er dann noch nicht da? Auch unter den günstigsten Bedingungen des objektiven Faktors gelangt die Arbeiterklasse nicht automatisch, nicht ohne größte Schwierigkeiten und Opfer (gerade dann nicht!!) ans andere Ufer des Sozialismus. Und genau das können wir Kommunisten nicht wollen, weil wir dann aufhören, Kommunisten zu sein... und wenn wir dann trotzdem weiter vorgeben, Kommunisten zu sein, sind wir schon zu Opportunisten verkommen, die immer stillhalten und andere am Ärmel zurückreißen, um in Ruhe auf den großen "Kladderadatsch" zu warten.
Lenin lehrte, daß die Sprengung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse durch die Produktivkräfte eine
p o l i t i s c h e Tat der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei ist. In seiner Schrift "Karl Marx" kann man dazu folgende wichtige Aussage finden:

"Die Vergesellschaftung der Arbeit, die in 1000fältiger Form mit ständig zunehmender Geschwindigkeit vorwärtsschreitet und in dem halben Jahrhundert seit dem Tode von Karl Marx besonders sinnfällig in Erscheinung tritt im Wachstum der großen Industrie, der kapitalistischen Kartelle, Syndikate und Trusts, ebenso im gigantischen Anwachsen des Umfangs und der Macht des Finanzkapitals - ist die entscheidende materielle Grundlage für das unvermeidliche Kommen des Sozialismus. Die intellektuelle und moralische Triebkraft, der physische Vollstrecker dieser Umwandlung, ist das vom Kapitalismus selbst geschulte Proletariat. Sein Kampf mit der Bourgeoisie, der sich in verschiedenen und immer inhaltsreicheren Formen äußert, wird unvermeidlich zum politischen Kampf, der auf die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat (Diktatur des Proletariats) abzielt." (Lenin, "Karl Marx")

So ist ja auch der imperialistische Staat ausgedehnt und aufgebläht worden, um die Ausbeutung und Unterdrückung zu verschärfen, um somit die Lasten der Krise abzuwälzen. Die Wende zum staatsmonopolistischen Kapitalismus war für die Monopole zwingend notwendig, um zu versuchen, ein Instrument gegen die Krisen zu schaffen, den Staat völlig den Interessen der Monopole und der Finanzoligarchie unterzuordnen. Das Taylorsystem des Betriebes wurde dem Staat übergestülpt.Das funktioniert nicht auf ewig. Heute ist von dem Wohlfahrtsstaat ( Wohlfahrt für die Reichen auf Kosten der Armen) nichts mehr übrig geblieben. Dem Staat wachsen die Probleme über den Kopf. Heute weiß die Monopolbourgeoisie, daß dies Modell gestorben ist und darüber hinaus noch mehr Probleme als vorher hinterlassen hat. Der Staat ist ihnen hinderlich geworden und am liebsten würden sie ihn zum Mond schießen, aber das würde ihnen noch teurer zu stehen kommen. Jetzt sitzen sie in der Klemmen. Der Staat kann das Sprudeln der Profitquelle nicht für alle Kapitalisten, sozusagen als gesamtkapitalistischer Vater, gesetzlich verordnen und an alle gleichmäßig verteilen. Das würde sich mit dem Wolfsgesetz der Konkurrenz gar nicht vertragen, wo einer den anderen auffrißt. Und so sind einige Staatsmonopolisten bequem geworden, hat man sich in den bürokratisch verfilzten Chefsesseln zu lange ausgeruht, was sich nun auf dem bis zum Zerreißen angespannten Konkurrenzkampf in der Welt voll auswirkt. Da hat man in Deutschland zu lange geschlafen, weil es zu lange "gut" lief. So ist durch die Bürokratisierung die Manövrierfähigkeit des Kapitals eingeschnitten worden, sodaß dadurch große Wertverluste hingenommen werden mußten. Langfristige Geschäfte sind riskant, weil die Lage zu unsicher ist, weil sich in kürzester Zeit die Verhältnisse verändern und neben der schnellen Mark lauert auch der schnelle Bankrott. Um noch mithalten zu können, werden die Kapitaltransaktionen immer waghalsiger im verschärften Weltmarktgeschehen.
Das gesteigerte Risiko hängt in letzter Instanz mit der ungeheuren Zunahme des Kapitals zusammen, das sozusagen überschäumt, ins Ausland strömt usw. Und zugleich bringt das beschleunigte Tempo der technischen Entwicklung immer mehr Elemente des Mißverhältnisses zwischen den verschiedenen Teilen der Volkswirtschaft, immer mehr Chaos und Krisen mit sich (Lenin).

Die Nachteile der verbürokratisierten staatsmonopolistischen Zentralisation mußten dringend geändert werden. Dies hatte auch eine Privatisierungswelle zur Folge, die aber den Monopolisten nicht schnell genug geht und wo auch mit Gegnern im eigenen Lager zu rechnen ist, die mit dem Staatsmonopolismus besser gelebt haben und nun zu recht Angst haben, ihre Pfründe zu verlieren. Dies schafft innere Widersprüche, deren Austragung an die Substanz gehen. Mit anderen Worten: das Kapital läßt sich nicht steuern, es folgt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten - der Anarchie der Produktion, chaotisch sprunghaft, ruckartig. Es läßt sich weder eine Steigerung des Profits (stattdessen Fall der Profitrate) staatlich verordnen, noch die kapitalistische Krise regulieren (ein großer Wolf frißt die kleinen; Handelskriege; Weltkrieg usw.) Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wiederherzustellen, als Krisen in Industrie und Handel, auf dem Agrarsektor und im Bankwesen und Kriege in der Politik. Die Ausschaltung der Krisen durch Kartelle oder staatliche Instrumente ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. Jede Regulierung insgesamt führt zur Chaotisierung einzelner ökonomischer Organismen und umgekehrt wirken sich wohltuende Maßnahmen in bestimmten Branchen chaotisch auf die gesamte kapitalistische Produktion aus.

Zurück zu Karl Marx und seinem Gleichnis vom Kapitalismus und dem Hexenmeister:

"Die bürgerliche Produktions- und Verteilungsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem H e x e n m e i s t e r, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag. Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur noch die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhältnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern sogar der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner (!) Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet und warum? Weil sie z u v i e l Zivilisation, z u v i e l Lebensmittel, z u v i e l Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Zivilisation und der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt, und sobald sie diese Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.-
Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen?
Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte, und die gründlichere Ausbeutung der alten Märkte. Wodurch also?
Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.
Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst. Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die P r o l e t a r i e r."

Und der Imperialismus ist auch nicht ohne den anti-imperialistischen Befreiungskampf der Völker ins Leben getreten und wird diese Welt auch nicht zuletzt durch diesen Befreiungskampf wieder verlassen.






IV Der sterbende Kapitalismus und die Verelendung der Massen





Die Revisionisten und andere linke bürgerliche Theoretiker wollen uns darüber belehren, daß die marxistische Verelendungstheorie heut keine Gültigkeit mehr hat. Wenn man die bestochene, faule Arbeiteraristokratie betrachtet, dann fallen sie sicher nicht unter Verelendung. Wir aber müssen als Marxisten hingucken, wie es der breiten Masse geht, und da sind die Probleme heute riesengroß.

Lassen wir Karl Marx selber sprechen:

"Die Anhäufung des Reichtums auf der einen Seite ist gleichzeitig Anhäufung von Elend, Arbeitshetze, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalität und moralischer Verfall auf der anderen."

Gegen diese Feststellung ist wohl heute nichts einzuwenden oder?
In der kapitalistischen Ordnung haben die Produktionsverhältnisse einen d o p p e l t e n Charakter, denn im Rahmen der Verhältnisse, in denen Reichtum geschaffen und wieder zerstört wird, da wird auch Armut erzeugt und wieder eines Tages verschwunden sein. Im Kapitalismus gehört die Armut als Gratisbeilage zum System, im Kommunismus ist die Armut für immer abgeschafft. Im Rahmen der Verhältnisse, in denen die Produktivkräfte wieder zerstört werden, werden auch die Kräfte zerstört, die ausbeuten und unterdrücken. Der Kapitalismus wird also niemals das erreichen, wovon die Sozialdemokraten so schwärmen : sozial stabiles Wohlfahrtsstaat-Gleichgewicht bei Sicherung von Höchstprofiten. Entweder bricht der Arbeiter unter dem Joch des verfaulenden Kapitalismus zusammen oder er schüttelt das Joch ab. Beides zusammen geht nicht.
Und was besagt - kurz gefaßt - die marxistische Verelendungstheorie ?
Die relative Verelendung der Arbeiterklasse findet ihren Ausdruck in der ständigen Verringerung des Anteils, den die werktätigen Massen am Nationaleinkommen erhalten und in der Vergrößerung des Anteils, den die Kapitalistenklasse sich nimmt. Eine kleine Schicht besitzt 95% des gesamten, erwirtschafteten Reichtums, während die Millionenmassen nichts besitzen, um es einmal plastisch auszudrücken.
Und nun die a b s o l u t e Verelendung: Sie drückt sich aus in der ständigen Verringerung des Reallohns, in der Vergrößerung der Arbeitslosigkeit, des sozialen Abstiegs aller Klassen, der wachsenden Armut und Obdachlosigkeit, Sozialabbau, Hunger und Erfrieren bei den Ärmsten der Armen usw - also all die Eiterbeulen des Kapitalismus, die heute dieser Gesellschaft den charakteristischen "Sozialstaats"Stempel , "Made in Germany" aufgedrückt haben. Der Marxismus-Leninismus hat bewiesen, daß die absolute Verelendung der werktätigen Massen nicht periodischen Charakter hat, daß es also zwischendurch den Massen mal wieder besser geht, sondern daß die absolute Verelendung eine Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Produktionsweise ist. Sie ist ständiges Problem, ein chronisches Leiden dieser Gesellschaft und in allen Phasen des ökonomischen Zyklus vorhanden. Arbeitslosigkeit ist also nicht verschwunden, wenn der "Aufschwung" seinen Höhepunkt erreicht, sondern das Millionenheer von Arbeitslosen vermehrt sich stetig weiter. Die ökonomischen Überproduktionskrisen, die ihrerseits der Verelendung der Werktätigen entspringen, sind nur einer der Faktoren, die das Wirken dieser Gesetzmäßigkeit steigern, denn die Monopolbourgeoisie wälzt stets die ganze Last der Krise voll auf dem Rücken der breiten werktätigen Massen ab.

"Der letzte Grund aller wirklichen Krisen," so hat es Karl Marx herausgefunden, "bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschräßkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Kommunikationsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde".( Marx, "Das Kapital", Band III, Seite 528)

Die reichsten Länder produzieren nicht nur die größte Armut in ihren Kolonien, sondern auch in ihrem eigenen Land. Je größer die Armut wächst, desto tollere und frechere Spekulationen setzt die herrschende Klasse an, um aus Hunger und Not noch mehr auf staatlichem wie auf privatem Wege zu erraffen und zu ergaunern. Eine zahlreich und vielschichtig heranwachsende Schicht von Parasiten saugen hartnäckig und unerbittlich solange an den Ärmsten der Armen, bis diese nicht mehr lebensfähig sind und auf der Strecke bleiben.
Wenn wir die Auswirkungen der imperialistischen Krise auf die Arbeiterklasse zusammenfassen, so müssen wir heute feststellen, daß die Krise für den Arbeiter = Arbeitslosigkeit, Lohnraub, vermehrte Sterblichkeit, vorzeitige Invalidität, erhöhte Kriminalität und Prostitution, Verrohung der Moral usw, mit sich bringt, daß die herrschende Klasse ungeheures Elend ausgerechnet über die fortschrittlichste Klasse der kapitalistischen Gesellschaft ausschüttet. Die Arbeiterklasse wird auf die unterste Stufe der sozialen Leiter gedrückt, obwohl sie den meisten Reichtum schafft.
Schon im Kommunistischen Manifest haben Marx und Engels den Pauperismus beschrieben:

"Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch rascher als die Bevölkerung und Reichtum. Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben, und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage hinabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft".... in diesem oder jenen Land, sondern heute auf dem ganzen Erdball . Der Imperialismus hat heute gründliche Arbeit geleistet. Niemand und nichts auf der Welt hat in der gesamten Geschichte der Menschheit soviel Armut und Elend, soviel Hunger und Tod produziert, soviel Katastrophen und Naturzerstörungen "produziert", wie der Imperialismus, wie die heutige "moderne" Gesellschaft. Wenn diese Situation so weitergeht und sie wird so weiter gehen, dann wird es den revolutionären Kräften nicht nur sehr schwer gelingen, sich für die große Schlacht zu rüsten, sondern die Revolution auch durchzustehen, denn diese wird noch viel größere Opfer und Schwierigkeiten mit sich bringen. Aber die Armut wird auch nicht spurlos an der Bourgeoisie vorbeigehen. Ihre Macht wird geschwächt werden und mit Sicherheit nicht so stark bleiben wie sie jetzt noch ist. Wenn sie zu weit geht und sie muß zu weit gehen, um selber zu überleben, dann werden sie von den Massen eines Tages überrollt.
Die Ursachen der Verelendung dieser Welt liegen am Privateigentum. Die Beseitigung der Armut setzt also die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln voraus. Solange es Armut und Not auf der einen Seite und Reichtum in Überfluß auf der anderen Seite gibt, wird es auch Revolutionen geben, denn wozu sonst sind Revolutionen da ? Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.

Engels lehrte:

"Die Lage der arbeitenden Klasse ist der tatsächliche Boden und Ausgangspunkt aller sozialen Bewegungen der Gegenwart, weil sie die höchste, unverhüllteste Spitze unserer bestehenden sozialen Misere ist" (Engels, "Die Lage der arbeitenden Klasse in England).

Die erste Sorge des Menschen war stets die Sorge um das tägliche Brot.
Ganz anders im Kommunismus. Da wird es weder Arme noch Reiche, sondern Wohlstand für alle geben.

In unserem Parteiprogramm der KPD/ML halten wir an diesem Ziel fest:

"Alle sozialen Ungleichheiten sind aufgehoben... und die Gesellschaft ist klassenlos. Die Entfaltung der Produktivkräfte wird durch keinerlei gesellschaftliche Schranken mehr gehemmt. Die elemantaren Kräfte des kapitalistischen Weltmarktes und des planlosen Waltens der Konkurrenz, des blinden Gangs der gesellschaftlichen Produktion, sind vollständig beseitigt. Im einheitlichen kommunistischen Weltsystem erfolgt die gesellschaftliche, planmäßige Produktion entsprechend den rasch wachsenden Bedürfnissen der Gesamtheit. An die Stelle riesenhafter, unproduktiver Ausgaben, der gigantischen Vergeudung von Produktivkräften in der kapitalistischen Vergangenheit ist die geordnete Verfügung über alle materiellen Reichtümer, die zweckmäßigste Ausnutzung der Naturkräfte und der natürlichen Produktionsbedingungen der einzelnen Weltteile getreten. Die weltweite Vereinigung von Wissenschaft und Technik, von Forschungsarbeit und umfassender Anwendung ihrer Ergebnisse für die Gesellschaft, die planmäßige Organisierung der wissenschaftlichen Arbeit, die weltweite Einführung vervollkommneter Methoden statistischer Erfassung und planmäßiger Regulierung der Wirtschaft, schließlich das rasche Anwachsen der gesellschaftlichen Bedürfnisse als stärkstem Antrieb - alles das sichert der gesellschaftlichen Arbeit ein Höchstmaß an Produktivität, macht eine ständige Hebung des Wohlstandes der gesamten Menschheit und die stärkste Verkürzung der der materiellen Produktion gewidmeten Zeit möglich... Die Arbeit, die im Kapitalismus ein Schaffen für den Klassenfeind war, ist aus einem bloßen Mittel zum Leben zum ersten Lebensbedürfnis geworden. Jeder arbeitet freiwillig nach seinen Fähigkeiten... Jeder nimmt sich frei nach seinen Bedürfnissen...
Mit der endgültigen Vernichtung der kapitalistischen Anarchie der Produktion und der Konkurrenz im Weltmaßstab sind im Kommunismus auch die verheerenden Krisen und die noch verheerenderen Kriege ein für alle mal verschwunden. Die gesamte Menschheit hat ihr Schicksal in die eigene Hand genommen. Nach der endgültigen Abschaffung aller Kriege, in denen ungezählte Menschenleben und unschätzbarer Reichtum vernichtet wurden, kann die geeinte Menschheit nun ihre ganze Energie auf den Kampf mit den Naturkräften, auf die Entwicklung und Hebung ihrer kollektiven Macht verwenden."

Diese Arbeit hat einen völlig anderen Charakter als die Arbeit im Kapitalismus. Lenin beschreibt dies folgendermaßen sehr eindrucksvoll:

"Kommunistische Arbeit im engeren und genauen Sinne des Wortes ist unbezahlte Arbeit zum Nutzen der Gesellschaft, die man leistet, nicht um eine bestimmte Dienstpflicht zu erfüllen, nicht um Anspruch auf bestimmte Produkte zu erhalten, Arbeit, die nicht nach vorher festgelegten, gesetzlichen Normen geleistet wird, sondern freiwillige Arbeit, Arbeit ohne Norm, Arbeit die geleistet wird, ohne auf Entlohnung, aus der Gewohnheit, für das Gemeinwohl zu arbeiten, und aus der ( zur Gewohnheit gewordenen) Erkenntnis von der Notwendigkeit der Arbeit für das Gemeinwohl, Arbeit als Bedürfnis eines gesunden Organismus." (Lenin, "Von der Zerstörung einer Ordnung zur Schaffung einer neuen", Band 30, Seite 510).

Wir sind noch sehr weit davon entfernt, bis die breite Masse so arbeitet, aber wir Kommunisten leisten diese Arbeit schon über 150 Jahre unter den Bedingungen des Kapitalismus, lebenslänglich...unter den größten Schwierigkeiten und Anfeindungen...freiwillig, ohne etwas zu verlangen. Wie stark muß also unsere kommunistische Überzeugung sein, wenn wir ohne etwas dafür zu erhalten sogar unser Leben dafür hergeben würden.(..Das fürchtet die Bourgeoisie, der man nur gegen Bares hilft.).. und so arbeiten unsere Genossinnen und Genossen teilweise schon über 20 Jahre lang nach der Devise: Wenn wir mit wenigen Leuten weiterhin Großes vollbringen wollen, dann müssen wir immer wieder mit dem Kleinen beginnen. Und wenn die alte Gesellschaft gestürzt ist, und wir die neue Gesellschaft aufbauen, dann können wir eben auch nur mit Kleinem beginnen, aber die Eigenschaften des Proletariats sind die Bürgschaft dafßüßr, daßßß das Proletariat siegen und voranschreiten wird anstatt das Handtuch zu werfen und mit der Bourgeoisie unterzugehen. Wir wollen, daß es der Arbeiterklasse eines Tages mal besser geht, dafür kämpfen wir- allem Antikommunismus zum Trotz.

Wir Kommunisten beschränken uns in häufig falsch verstandener Weise nicht auf Verteilung von Almosen, auf die gerechte Aufteilung des Reichtums der Bourgeoisie. Es entspricht der festen Überzeugung der Marxisten und den Erfahrungen des Lebens, daß ein gerechtes Verteilungssystem nur dann nutzbringend sein kann, wenn es sich auf eine mächtige, ständig wachsende Produktion stützt, wenn die Gesellschaft nicht nur daran denkt, wie die vorhandenen Güter aufgeteilt werden sollen, sondern auch daran, wo der Nachschub herkommt, wie sie ständig vermehrt und qualitativ verbessert werden können.
Aber die alten Kräfte des Monopolkapitals werden niemals zum Fortschritt der Menschheit beitragen wollen und können. Der Kommunismus ist schon von Anfang an ihr Erzfeind und das mit gutem Grund wie wir alle wissen. So werden die letzten Pfennige zusammenkratzen für Mittel und Methoden zur Hinauszögerung des Untergangs, also zum Schaden der Menschheit. Dabei bedient sich das Monopolkapital vor allem ihres reaktionären Staatsapparats. Die Scheußlichkeiten des Faschismus sind gerade solch ein Ausdruck des verzweifelten, menschenfeindlichen Bemühens, die Durchsetzung der historischen Notwendigkeiten zu verhindern. Wenn's der Bourgeoisie an den Kragen geht, läßt sie die 'demokratischen' Masken fallen und errichtet die offene konterrevolutionäre Diktatur. Aber die Vergangenheit holt die Bourgeoisie immer wieder ein. Deswegen wird von der Bourgeoisie die Faschisierung in Deutschland mit Fingerspitzengefühl, schrittweise, demagogisch verhüllt eingefädelt und zugleich mit den alten Nazitricks: "Haltet den Dieb!" Friedens- und Antifaschismusdemonstrationen der Regierung werden einfach vorgegaukelt, um im Verborgenen den Faschismus einsatzbereit zu halten für den Tag X.
Von Stalin wissen wir, daß der Pferdewechsel im Stall der Regierung und der Wechsel von demokratischen, parlamentarischen Formen zu diktatorischen, faschistischen Formen Notbremse in einer Situation der Schwäche bedeutet. Die Bourgeoisie m u ß zu diesen Mitteln greifen, obwohl sie weiß, was ihr danach blüht. So ist jetzt auch die Finanzpolitik einzuschätzen. Die Regierung i s t schon längst pleite und sie m u ß zum äußersten Schutz der herrschenden Klasse Mittel eintreiben für Militär, Polizei, Justiz usw.
Es ist bekannt, daß der staatliche Finanzapparat aufs engste mit den kapitalistischen Großbanken verflochten ist. Die Finanzkapitalisten bekleiden oft sogar hohe Staatsämter und umgekehrt. Korruption und Skandale stehen momentan in Politik und Wirtschaft hoch im Kurs und tief im Ansehen der notleidenden Bevölkerung. Im Griff der schwersten "Rezession" greift die Bourgeoisie also nicht nur zur Gewalt, Terror, Massenentlassungen usw., sondern macht sich mit kriminellen Tricks am Geldbeutel der Bürger zu schaffen. All das ist Ausdruck dafür, in welchem Fäulnisprozeß die Bourgeoisie sich bereits befindet, was sie deswegen aber nicht ungefährlicher macht, im Gegenteil versucht sie, die ganze Last ihres Befalls auf die Bürger abzuschütteln, vor allem auf die Arbeiterklasse. Die Bourgeoisie schreckt vor keinem Betrug und keinem Verbrechen zurück. Sie geht sogar über Leichen wegen des Profits.
Diese moralische Entartung und Verstümmelung der Menschlichkeit tritt immer besonders in Kriegs- und Krisenzeiten des Kapitalismus augenscheinlich hervor. In der heutigen Situation haben Angst, Resignation, Pessimismus, Unsicherheit, Lebensmüdigkeit im täglichen Leben erschreckende Ausmaße angenommen. Diese Gesellschaft kann man schon gut und gerne als eine entwurzelte und kaputte, bzw kaputtmachende Gesellschaft bezeichnen. Die niedrigsten Instinkte und Leidenschaften haben hier freien Auslauf, das Elend des anderen macht nicht mehr allein gleichgültig, sondern wird vergrößert, um das eigene Elend zu verkleinern. Jeder bekämpft jeden. Jeder ist jedermanns Gejagter und Jäger. Es werden Katastrophenmeldungen tonnenweise ausgeleert, bis das abstumpft und die Leute sogar dagegen aggressiv werden, das heißt also nicht Mitleid, Hilfe usw, wird geweckt, sondern Ablehnung, Haß, Widerwillen und genau dann ist jemand für die Bourgeoisie "reif", um in den Krieg zu ziehen mit dem richtigen "Killerbewußtsein". So werden die Menschen heute zu ihren e i g e n e n Gefangenen, Sklaven, Killermaschinen usw gemacht. Die Wohnung wird zur Festung, die Straße zum Dschungel, der Arbeitsplatz zur Hölle. Es gibt nichts lebens- und liebenswertes mehr, alles ist bedrohlich, gefährlich, belastend geworden, die Moral der Gesellschaft stirbt ab am lebendigen Geiste. Die Moral des Verfalls versucht jede Moral, die sich dagegen auflehnt, anzustecken und unschädlich zu machen. Der Kapitalismus ist entfesselt und auf dem Horrortrip - vor allem wenn Geld , viel Geld, im Spiel ist. Ja, mit Geld kannst du alles erreichen, ohne Geld zählst du nichts. So hat sich diese Gesellschaft selbst ausgestoßen, ausgeworfen, übrig sind nur noch 1% Elite. Moral u