Der
Weg der Partei - Theoretisches Organ der KPD/ML Nr.1 / 93
Der Untergang des
Kapitalismus ist unausweichlich.
Beenden wir das 20.
Jahrhundert mit der revolutionären Zerschlagung des
Kapitalismus!
Das 21. Jahrhundert
ist das sozialistische Jahrhundert!
Die Lehren des
Marxismus-Leninismus über den gesetzmäßigen Zerfall
der kapitalistischen Gesellschaft
von Wolfgang Eggers
- I. Was lehrt uns der
dialektische und historische Materialismus über den Zerfall?
- Die Dialektik ist die Lehre,
die Dinge und ihr begriffliches Abbild in ihrem Zusammenhang zu
sehen, ihre Verkettung, ihre Bewegung, ihrem ENTSTEHEN und VERGEHEN.
Während wir vom Zerfall des Imperialismus sprechen, reden die
Imperialisten vom Zerfall des Sozialismus und dem Untergang des
Marxismus-Leninismus. Die Bourgeoisie hat den dialektischen
Materialismus für überholt und erledigt erklärt und
ihn sich für immer ins Reich der Vergangenheit verwünscht.
Aber so wie Marx zu seiner Zeit die bürgerliche Dialektik auf
materialistische Beine stellte und Schöpfer der Weltanschauung
des Proletariats wurde, müssen wir Marxisten heute den
Marxismus vor seinem Zerfall bewahren, müssen wir ihm neue
Impulse geben, damit er seinen Zweck erfüllen kann, nämlich
dazu beizutragen, daß der Kapitalismus zerschlagen und der nun
einmal unterbrochene Weg des Sozialismus mutig weiter beschritten
werden kann. Als Wissenschaft darf der Marxismus nicht untergehen.
Er muß sich weiterentwickeln und vervollkommnen. Das ist heute
die Aufgabe der Marxisten-Leninisten und wird immer eine Aufgabe der
Marxisten-Leninisten bleiben. Der Marxismus ist kein Katechismus, in
den wir immer nur hineinlesen mßüßssen, um uns fit
zu halten. Die Marxisten dürfen sich weder auf ihren Lorbeeren
ausruhen noch den Kopf in den Sand stecken und sich achselzuckend an
die sich verändernden Verhältnisse anpassen. Der Marxismus
entwickelt sich mit der Gesellschaft und verändert sich genauso
wie die gesellschaftlichen Verhältnisse sich verändern.
Neue Erfahrungen kommen hinzu und veraltete Leitsätze müssen
ersetzt werden. Neue Wege müssen beschritten werden, ohne dabei
die prinzipielle proletarische, revolutionäre Linie zu
verlassen. Dazu ist es heute höchste Zeit, denn die
gesellschaftlichen Verßäßnderungen haben eine
rasante Dynamik angenommen, hinter der wir nicht länger
hinterherhinken dürfen.Die marxistisch-leninistische Theorie
ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln. Den Leninismus
charakterisierte Stalin als den
- "Marxismus unter den
neuen Bedingungen des Klassenkampfs des Proletariats,...Marxismus
der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution,...
Marxismus der Epoche des Sieges des Sozialismus auf einem Sechstel
der Erde".
- Dies Letztere trifft heute
leider nicht mehr zu, sodaß einer der Grundwidersprüche,
nämlich zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen
Gesellschaftsordnung, der Kampf zwischen Sozialismus und
Kapitalismus vorläufig zugunsten des Kapitalismus ausgegangen
ist und wir dabei sind, uns von dieser Niederlage zu erholen,
richtige Schlußfolgerungen zu ziehen und im erneuten Ansturm
die kapitalistischen Bastionen zu erstürmen, die heute morscher
denn je geworden sind. Was würde aus unserem Kampf werden, wenn
wir die Buchstaben des Marxismus-Leninismus nicht antasten würden
und uns nicht entschließen würden, neue historische
Leitsätze festzulegen, die dem gegenwärtigen Stand und der
heutigen Situation entsprechen. Andererseits hat es der Kommunismus
nicht nötig, sich im Wandel der Zeit wie eine Wetterfahne
umherzudrehen. Der Kommunismus ist so gut, daß er sich nicht
umbenennen oder verstecken muß. Wir werden das Kind immer beim
richtigen Namen benennen und fürchten uns nicht, die Wahrheit
zu sagen. Der Zerfallsprozeß des Imperialismus kann
hinausgezögert werden, aber objektiv wird der Kapitalismus
sterben und vom Kommunismus abgelöst werden vom Totengräber
des Kapitalismus - vom Proletariat, das ja auch der Erbauer der
neuen Gesellschaft ist. Der Aufbau des Sozialismus wird sehr schwer
werden, wenn es dem Imperialismus gelingt, ungehindert alles zu
zerstören und mit in seinen Abgrund zu ziehen. Und die
Imperialisten haben weltweit längst damit begonnen, diesen Akt
gründlich und endgültig zu vollziehen, um der Menschheit
jede Möglichkeit zu nehmen, nach Überwindung des
Imperialismus einer neue Zukunft entgegenzugehen.
- Es gilt also, sich die
unbestreitbare Wahrheit der proletarischen Weltanschauung zu eigen
zu machen, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern. Und in
seinem Nachwort zum "Kapital" schrieb Marx
1873:
- "
- In ihrer mystizifierten
Form ward die Dialektik deutsche Mode, weil sie das Bestehende zu
verklären schien. In ihrer rationellen Gestalt ist sie dem
Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein
Ärgernis und ein Greuel, weil sie in dem positiven Verständnis
seiner Negation, seines notwendigen Untergangs einschließt,
jede gewordne Form im Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer
vergänglichen Seite auffaßt, sich durch nichts imponieren
läßt, ihrem Wesen nach kritisch und revolutionär
ist."(Marx, Kapital, Band I, Seite 28)
- Und einpaar Seiten vorher
können wir bei Marx lesen:
- "Es sind dies Zeichen der
Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch Purpurmäntel oder
schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, daß morgen Wunder
geschehen werden. Sie zeigen, wie selbst in den herrschenden Klassen
die Ahnung aufdämmert, daß die jetzige Gesellschaft kein
fester Kristall, sondern ein umwandlungsfähiger und beständig
im Prozeß der Umwandlung begriffener Organismus ist."(Marx,Das
Kapital, Band 1, Vorwort)
- Der Kampf gegen die
reaktionären imperialistischen Theorien, die sich aufbäumen,
um den Untergang des Imperialismus weiter hinauszuschieben, nimmt in
der Zerfallssituation den ganzen Raum ein, nimmt die meiste Zeit in
Anspruch, während die Ideen, die direkt zur Entfaltung der
Produktivkräfte dienen, in den Hintergrund gedrängt
werden. Der ideologische Kampf folgt den Veränderungen des
ökonomischen Zerfalls. Jede öffentliche Meinung altert,
sobald die Produktionsweise, welche sie hervorbringt, zu altern
beginnt.
- Stalin
gibt uns einleitend in seiner Schrift "Anarchismus oder
Sozialismus?" (Stalin, Band 1, Seite 260-261) eine gute
Übersicht zur Beantwortung der Frage:
- Was ist die dialektische
Methode?
- "Man sagt, das
gesellschaftliche Leben befinde sich im Zustand unaufhörlicher
Bewegung und Entwicklung. Das ist richtig: man kann das Leben nicht
für etwas Unveränderliches und Erstarrtes halten, es
bleibt niemals auf derselben Stufe stehen, es befindet sich in
ewiger Bewegung, ist im steten Vergehen und Werden begriffen.
Deshalb gibt es im Leben stets Altes und Neues, Wachsendes und
Absterbendes, Revolutionäres und Konterrevolutionäres.
- Die dialektische Methode
besagt, daß man das Leben gerade so betrachten muß, wie
es in Wirklichkeit ist. Wir haben gesehen, daß das Leben sich
in unaufhörlicher Bewegung befindet, folglich müssen wir
das Leben in seiner Bewegung betrachten und die Frage stellen: Wohin
geht das Leben? Wir haben gesehen, daß das Leben ein Bild
ständigen Vergehens und Werdens bietet, folglich ist es unsere
Pflicht, das Leben in seinem Vergehen und Werden zu betrachten, und
die Frage zu stellen: Was vergeht und was entsteht im Leben ?
- Das, was im Leben ensteht
und von Tag zu Tag wächst, ist unüberwindlich, kann in
seiner Vorwärtsbewegung nicht aufgehalten werden. Das heißt,
wenn zB im Leben das Proletariat als Klasse entsteht und von Tag zu
Tag wächst, so wird es, auch wenn es heute noch so schwach und
wenig zahlreich sein mag, zu guter Letzt doch siegen.
- Weshalb?
- Weil es wächst,
erstarkt und vorwärts schreitet. Umgekehrt muß das, was
im Leben altert und dem Grabe entgegengeht, unvermeidlich eine
Niederlage erleiden, auch wenn es heute noch eine Riesenkraft
darstellt. Das heißt, wenn zB. die Bourgeoisie allmählich
den Boden unter den Füßen verliert und von Tag zu Tag
zurückgeht, so kann sie heute noch so stark und zahlreich sein,
sie wird zuguter Letzt dennoch eine Niederlage erleiden.
- Weshalb?
- Weil sie sich als Klasse
zersetzt, schwächer wird, altert und zu einem Ballast im Leben
wird. Daher auch der bekannte dialektische Leitsatz:
- Alles, was wirklich ist,
d.h. alles, was von Tag zu Tag wächst, ist vernünftig, und
alles das, was sich von Tag zu Tag zersetzt, ist unvernünftig
und wird deshalb der Niederlage nicht entgehen."
- Im Geburtsvorgang des Neuen
gibt es Vehen, wird die alte Gesellschaft in ein heilloses
Durcheinander gestoßen, entstehen Ausschreitungen und
explosive Bewegungen. Die Massen geraten sehr schnell in Erregung,
sind aufgeheizt, lassen sich vom revolutionärem Strom
fortreißen. Gedanken und Ideen überschlagen sich bis zur
Erschöpfung. Es vergeht dann eine Zeit nach diesem
Fieberzustand, bis das Leben wieder in normale Bahnen zurückfindet
und sich eine Ruhepause gönnt, um seine Kräfte zu
regenerieren. Um diese Umwälzungen überhaupt
durchzustehen, muß das neue Leben schon spürbar,
erkennbar, greifbar nahe sein. Es muß schon eigene Bewegung
und Kraft entwickelt haben, muß sozusagen schon ein gewisses
Eigenleben, Eigendynamik, an den Tag legen, muß gleich wie ein
Küken in der Lage sein, von innen die Eierschale durchzupicken,
um sich aus dem Schoß der alten Gesellschaft freizumachen.
- Die bewußte Vorbereitung
auf die Geburtsstunde sichert bereits den halben Sieg der
Revolution. Bekanntlich wird die Theorie zur materiellen Gewalt,
wenn sie von den Massen aufgegriffen, verstanden und verinnerlicht
wird, wenn die Massen keine Angst mehr vor der Reaktion haben und
mutig für ihre Interessen auf die Barrikaden steigen. Es muß
den Massen schon lange vor der Revolution klar werden, daß
nicht nur ihre revolutionßäßren Entfesselungskräfte
ausgelebt werden müssen, sondern daß auch mit Hemmnissen
seitens der Konterrevolution zu rechnen ist, die sich gegen die
Revolution mit aller Kraft auflehnt und geradezu angestachelt wird.
Wer sich mitten in der Revolution verwirren oder einschüchtern
läßt vom Gegner, der hat die Sache schon verloren, bevor
sie zu Ende geführt ist. Das größte Problem jeder
bisherigen Revolution war es, bis zum Schluß durchzuhalten und
den längeren Atem aufzubringen. Die Reformisten und
Revisionisten spekulieren auf die Furcht der Massen vor dem
ungewissen und chaotischen Verlauf der Revolution und vor den
möglicherweise daraus entstehenden negativen Folgen. Sie
gaukeln trügerisch den Wunsch nach Sicherheit vor, nach
Beendigung des Gemetzels und der "sinnlosen" Opfer und
versuchen damit, die Massen von der Revolution abzuhalten und in
reformistisches Fahrwasser zu manövrieren. Deswegen ist es
wichtig, die Massen vorher über die üblen Absichten der
Reformisten und Revisionisten aufzuklären, um denen von
vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Keinem darf es
gelingen, den Geburtsvorgang der neuen Gesellschaft negativ zu
beeinflussen zu stören und zu guter Letzt zu verhindern.
Dagegen muß hart vorgegangen werden, damit die neue
Gesellschaft sozusagen gesund zur Welt kommen kann. Schon wenn die
Frucht im Schoß der alten Gesellschaft heranwächst, wird
die Reaktion alles daransetzen, alles im Keim zu ersticken, zu
schädigen, wo sie nur kann, denn die Geburt der neuen
Gesellschaft stellt gleichzeitig das Absterben der alten
Gesellschaft dar, wobei die Überreste nicht nur noch einige
Zeit weiter wirken, sondern - wie die Geschichte zeigt- die neue
Gesellschaft so sehr schwächen können, daß sie keine
Chance hat, groß zu werden und sich kräftig zu
entwickeln. So trifft gerade auf Deutschland zu, daß die
meisten aller Revolutionen nicht vollendet wurden, unvollendet
blieben bzw verhindert wurden, wie zB vor 70 Jahren der Hamburger
Aufstand. Die proletarische Revolution hat also alles Versäumte
und Mißglückte gründlich nachzuholen.
- Das Neue behauptet sich und
siegt nur als Ablehnung des Alten, im Kampf gegen das Alte. Das
heißt: Der Übergang zum Sozialismus gelingt nur, wenn die
Widersprüche bewußt auf die Spitze getrieben werden.
- Die Ausdehnung des
Imperialismus über den ganzen Erdball und seine Neuformierungen
durch die internationale Zentralisierung des Monopolkapitals hat zu
einem Auseinanderdriften seiner Kräfte geführt. Mit diesem
Auseinanderdriften erzeugt das Monopolkapital selbst seine eigene
Krise, dessen Zerfall, denn die Zentralisation selbst trägt in
sich die Kräfte der Dezentralisation, die die imperialistische
Weltherrschaft heute schwer erschüttern. Das Ausbeutersystem,
um dies zu bleiben, zersetzt sich, setzt sich der Vernichtung aus
und ermöglicht es der neuen Gesellschaft, an die Macht zu
gelangen. Die ganzen Schweinereien, die heute pausenlos auf der
ganzen Welt passieren, häufen sich nicht zufällig an, sind
nicht voneinander losgelöst und isoliert, sondern bilden ein
einheitliches, zusammenhängendes Ganzes. Die überall
aufbrechenden Eiterbeulen des faulenden Kapitalismus sind
miteinander verbunden, hängen voneinander ab, bedingen sich
einander und bilden eine lawinenartige Eigendynamik zu noch größeren
Eiterbeulen.
- Gegenwärtig befindet sich
der Imperialismus nicht mehr im Zustand der relativen Stabilität,
geschweige denn in einer neuen Aufbauphase. Er befindet sich auch
nicht allein in einem Zustand des Stillstands oder der Rezession,
der "zwangsläufig" wieder ein zyklischer Aufschwung
folgt. Der Imperialismus hat vielmehr eine Altersstufe erreicht, wo
er sich nicht mehr selber helfen kann, um aus der Krise gerettet zu
werden, wo er fremde Pflege in Anspruch nehmen muß, sich
anderen Kräften ausliefert. Er hat sozusagen "das Letzte
aus sich und seinem unheilig gewordenen Kapital herausgeholt"
und ist nun am Ende seines Lateins angekommen. Nichts scheint mehr
zu klappen, seine Körper und Geist, seine Diener versagen ihm
die Dienste. Dies alles geschieht heute vor unseren Augen in einem
unaufhörlich rasantem Tempo, so daß wir es theoretisch
gar nicht so schnell nachvollziehen können. Ein tiefer Einbruch
in alles bisher Dagewesene wird schon wieder durch einen nächsten
Einbruch überholt usw. Die Geschichte rast momentan in
Eilgeschwindigkeit. Deswegen müssen wir heute schneller
begreifen lernen, müssen wir schneller und gezielter praktisch
eingreifen.
- Was lehrt uns die Geschichte
über den Niedergang der Gesellschaft?
- Die Geschichte lehrt uns, daß
sich schon im Schoß der alten Gesellschaft Keimformen neuer
Produktionsverhältnisse bilden und diese durchaus einen
positiven Einfluß auf die geschichtliche Weiterentwicklung
ausüben. Auf diese Weise wird bereits der Boden für die
Ablösung der einen Gesellschaftsordnung durch eine andere
vorbereitet, deren Nutznießer noch nicht die unterdrückten
Klassen sind. Die Geschichte lehrt außerdem, daß der
Sozialismus nicht einfach - hat er sozusagen erst einmal das Licht
der Welt erblickt...)- einem automatischen, quantitativen
Wachstumsprozeß unterliegt, der die Überreste der
kapitalistischen Gesellschaft Stück für Stück
quantitativ überwindet, sich von einem Land zum anderen
fortpflanzt und schließlich linear mit der kommunistischen
Zukunftsgesellschaft endet. Der sozialistische Entwicklungsprozeß
kann durchaus wieder ßückgängig gemacht werden, wie
das nicht nur in der Sowjetunion in einem langen, komplizierten
Zerfallsprozeß der Fall gewesen ist, der sich gegenwärtig
noch weiter fortentwickelt. Aus dieser historischen Wende sind
marxistisch-leninistische Analysen anzustellen und Schlußfolgerungen
zu ziehen, ist wieder zum Sturm gegen den Kapitalismus zu blasen.
- Das heißt, es können
sich auch quantitative Veränderungen in qualitative
Veränderungen zurückverwandeln, die nicht fortschrittlich
sind, sondern reaktionär! Der Weg des Klassenkampfes ist nicht
gradlinig, er macht nicht nur Windungen, sondern auch Wendungen, dh
möglicherweise einen Schritt vorwärts und zwei Schritte
zurück, dabei gesetzmäßig und grundsätzlich
stets zurück auf dem Weg zum Sozialismus und nicht etwa
entgegengesetzt zurück zum Mittelalter. Die Überzeugung
von einer lichten Zukunft der Menschheit ist für
Marxisten-Leninisten nicht eine Frage des Glaubens, sondern
wissenschaftliche Erkenntnis aus der tatsächlichen Geschichte
der Menschheit, objektive Gesetzmäigkeit der
Menschheitsentwicklung.
- Wenn wir beim Aufbau des
Sozialismus Fehler begehen, die wir zu korrigieren versäumen,
dann häufen sie sich derart an, daß sie irgendwann nicht
mehr ausgemerzt werden können und der alte Zustand wieder
eintritt, die Reaktion wieder auf der ganzen Linie siegt. Das ist
das Kernproblem unserer Vergangenheit. Das wird das Kernproblem
bleiben, das über unsere Zukunft entscheidet! Mit anderen
Worten: Der Sozialismus hätte sich 100%ig weiterentwickeln
können, wenn wir unsere Fehler korrekt korrigiert hätten.
Die objektiven Bedingungen sind dafür schon lange reif. Das ist
die ganze Wahrheit, die unsere Gegner deswegen so gerne vertuschen,
verwischen und verbergen, weil sie historische Power hat, gegen die
unsere Gegner machtlos sind. Sinngemäß hat Lenin einmal
gesagt: Niemand kann die Revolution verhindern - außer wir
Revolutionäre selbst. Darüber muß man (- nicht nur
-) einmal nachdenken!
- Genosse Stalin
hat diesen Sachverhalt mit einpaar klaren Sätzen auf den Punkt
gebracht in seinem "Politischen Bericht auf dem XV.
Parteitag der KPdSU(B) - 1927":
- "Denn unsere
Entwicklung geht nicht in der Form eines gleichmäßigen,
allgemeinen Aufstiegs vor sich. Nein, Genossen, wir haben Klassen,
wir haben Widersprüche innerhalb des Landes, wir haben eine
Vergangenheit, eine Gegenwart und Zukunft, wir haben Widersprüche
zwischen ihnen und können uns nicht durch ein ruhiges Schaukeln
auf den Wellen des Lebens fortbewegen. Unser Vormarsch verläuft
im Kampfe, durch Entwicklung der Widersprüche, durch
Überwindung dieser Widersprüche, durch Bloßlegen und
Beseitigung dieser Widersprüche. Wir werden niemals, solange es
Klassen gibt, einen Zustand haben, wo man wird sagen können:
nun, Gott sei Dank, es ist alles gut. Niemals wird das der Fall
sein, Genossen. Stets wird bei uns irgend etwas im Leben absterben.
Was aber abstirbt, will nicht einfach sterben, sondern kämpft
um seine Existenz, verteidigt seine überlebte Sache. Stets wird
bei uns irgend etwas Neues geboren im Leben, was aber geboren wird,
wird nicht einfach geboren, sondern lärmt, schreit und
verteidigt sein Recht auf Existenz... Der Kampf zwischen dem Alten
und Neuem, zwischen dem Absterbenden und dem Neuentstehenden - das
ist die Grundlage unserer Entwicklung. Wenn wir nicht offen und
ehrlich, wie es Bolschewiki geziemt, die Fehler und Mängel
unserer Arbeit festhalten und aufdecken, dann versperren wir uns
selbst den Weg nach vorwärts. Wir aber wollen
vorwärtsschreiten. Und gerade weil wir vorwärtsschreiten
wollen, müssen wir die ehrliche und revolutionäre
Selbstkritik zu einer unserer wichtigsten Aufgaben machen. Anders
ist ein Vorwärtsschreiten u n m ö g l i c h. Anders ist
eine Entwicklung u n mö g l i c h."
- Und Stalin
hat in seiner Schrift:"Über den dialektischen und
historischen Materialismus" geschrieben:
- "Wenn die Welt sich in
ununterbrochener Bewegung und Entwicklung befindet, wenn das
Absterben des Alten und das Heranwachsen des Neuen ein
Entwicklungsgesetz ist, so ist es klar, daß es keine
'unerschütterlichen` gesellschaftlichen Zustände, keine
'ewigen Prinzipien` des Privateigentums und der Ausbeutung, keine
'ewigen Ideen` der Unterwerfung der Bauern unter die Gutsbesitzer,
der Arbeiter unter die Kapitalisten, mehr gibt. Also kann man die
kapitalistische Ordnung ersetzen, ebenso wie die kapitalistische
Ordnung seinerzeit die Feudalordnung ersetzt hat. Also darf man sich
nicht auf diejenigen Schichten der Gesellschaft orientieren, die
sich nicht mehr entwickeln, auch wenn sie im gegenwärtigen
Augenblick die vorherrschende Kraft darstellen, sondern muß
sich auf diejenigen Schichten orientieren, die sich entwickeln, die
eine Zukunft haben, auch wenn sie im gegenwärtigen Augenblick
nicht die vorherrschende Kraft darstellen...
- Ferner, Wenn das Umschlagen
langsamer quantitativer Veränderungen ein Entwicklungsgesetz
darstellt, so ist es klar, daß die von unterdrückten
Klassen vollzogenen revolutionären Umwälzungen eine völlig
natürliche und unvermeidliche Erscheinung darstellen. Also kann
der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Befreiung
der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joch nicht auf dem Wege
langsamer Veränderungen, nicht auf dem Wege von Reformen,
sondern einzig und allein auf dem Wege qualitativer Veränderungen
der kapitalistischen Ordnung, auf dem Wege der Revolution
verwirklicht werden."
- Und weiter heißßßt
es bei Stalin:
- "Entstanden auf der
Basis der neuen Aufgaben, welche die Entwicklung des materiellen
Lebens der Gesellschaft stellt, bahnen sich die neuen
gesellschaftlichen Ideen und Theorien den Weg, werden sie zum
Gemeingut der Volksmassen, mobilisieren diese, organisieren sie
gegen die absterbenden Kräfte der Gesellschaft und erleichtern
auf diese Weise den Sturz der absterbenden Kräfte der
Gesellschaft, die die Entwicklung des materiellen Lebens der
Gesellschaft hemmen."
- Stalin wies insbesondere
daraufhin, daß das Gesetz des Übergangs von einer alten
zu einer neuen Qualität nicht mechanistisch zwangsläufig
vermittels eines Sprungs oder einer Explosion wirkt. Diese
Explosionen oder qualitativen Sprünge sind nicht auf alle
gesellschaftlichen Erscheinungen übertragbar und auch nicht auf
das Verhältnis zwischen Basis und Überbau.
- Und so stellt Stalin
in seiner Schrift "Der Marxismus und die Fragen der
Sprachwissenschaft" fest:
- "Es ist unbedingt
gültig für eine in feindliche Klassen gespaltene
Gesellschaft. Aber es ist gar nicht unbedingt gültig für
eine Gesellschaft, in der es (zwar Überreste- eingefügte
Anmerkung der Redaktion) aber keine feindlichen Klassen gibt."
- Stalin
fügt als Beispiel die Kollektivierung der Landwirtschaft an:
- "Das war eine
Revolution, die die alte bürgerliche Wirtschaftsordnung auf dem
Lande liquidierte und eine neue, die sozialistische Ordnung, schuf.
Diese Umwälzung vollzog sich jedoch nicht durch eine Explosion,
das heißt nicht durch den Sturz der bestehenden Macht, sondern
durch den allmählichen Übergang von der alten bürgerlichen
Ordnung auf dem Lande zu einer neuen Ordnung."
- Und so ist es ja auch beim
Übergang in die klassenlose Gesellschaft. Nur muß man
sich hüten vor mechanistischen Schlußfolgerungen. Die
Notwendigkeit des erbitterten Kampfes gegen die Überreste der
bürgerlichen Gesellschaft darf man niemals vergessen, sonst
passiert das, was mit dem Sozialismus Lenins und Stalins passiert
ist!
- Schwächen, Fehler und
Rückschlßäßge der neuen sozialistischen
Gesellschaft bringen ja nicht nur die Destruktionen der umkreisenden
kapitalistischen Länder auf den Plan, bringen nicht nur die
alten bürgerlichen Überreste des eigenen Landes an die
Oberfläche, werden nicht nur alte reaktionäre Ideen und
Gewohnheiten reaktiviert, sondern es bilden sich auch neue
Schmarotzer mitten im gesundesten Kern der sozialistischen
Gesellschaft, der Kommunistischen Partei, heran, Kräfte also,
die die Abwehrkräfte der Partei täuschen und somit
ungehindert eindringen und parasitär wirken können.
Deswegen wäre es ein Fehler, auf das bürgerliche Geschrei
gegen die sogenannten stalinschen Säuberungsaktionen zu hören.
Es ist schließlich ein Entwicklungsgesetz der Partei und der
Gesellschaft, daß sie sich von Parasiten und Schmarotzern
befreit, um nicht in Fäulnis überzugehen, dahinzusiechen
und schließlich unterzugehen, wie es mit den meisten
Kommunistischen Parteien auf dieser Welt gegangen ist. Der Satz:
"Die Partei entwickelt sich, indem sie sich purifiziert"(
purifizieren= reinigen), gilt immer noch.
- Ist der Sozialismus erstmal
befallen und erkrankt, kann er auch leicht zu Fall gebracht werden.
Die Triebkräfte der Revolution, die werktätigen Massen,
müssen sich also beizeiten gegen Ansteckungen imunisieren, um
das Leben ihres selbst erschaffenen Organismus' zu schützen und
zu verteidigen. Das Prinzip von Kritik und Selbstkritik muß
von Anfang an stets lebendig bleiben. Damit kann man einen
parasitären Befall abschütteln, wenn man dies nicht vorher
schon verhindern konnte.
- In Band 29 Seite 415, "Die
große Initiative" schreibt Lenin
folgendes:
- "Wenn das Neue eben
erst entstanden ist, bleibt das Alte stets eine gewisse Zeit länger
stärker; das ist immer so, sowohl in der Natur als auch im
Leben der Gesellschaft. Hohn darüber, daß die Keime des
Neuen schwach sind, billiger Intellektuellen-Skeptizismus und
dergleichen mehr. All das sind im Grunde Methoden des Klassenkampfs
der Bourgeoisie gegen das Proletariat, ist Verteidigung des
Kapitalismus gegen den Sozialismus. Wir müssen die Keime des
Neuen sorgfältig untersuchen, ihnen die größte
Aufmerksamkeit entgegenbringen, mit allen Mitteln ihr Wachstum
fördern und diese schwachen Keime 'hegen und pflegen'."
- Aus Plechanow
s revolutionären Wirkungszeit stammt die Schrift
"Beiträge zur Geschichte des Materialismus, aus der
wir hier ebenfalls zitieren wollen:
- "Alles
Endliche ist dies, sich selbst aufzuheben, in sein Gegenteil
überzugehen.( Das gilt auch für den
Imperialismus - die Redaktion).
- Jede gesellschaftliche
Einrichtung ist zunächst eine 'Entwicklungsform' der
Produktivkräfte. Das ist sozusagen die schöne Zeit ihres
Lebens. Sie befestigt sich, entwickelt sich, erreicht ihre Blüte...
Aber allmählich naht das Alter; der Verfall beginnt. Man
bemerkt, daß nicht alles in dieser Einrichtung so schön
ist, wie man vorher glaubte, man tritt in den Kampf mit ihr... und
man b e s e i t i g t sie schließlich. Das geschieht, weil die
Produktivkräfte der Gesellschaft nicht mehr dieselben wie
früher sind...im sozialen Prozeß der Produktion
herbeigeführt wurden. Die allmählichen quantitativen
Veränderungen schlagen in qualitative Unterschiede um.
- ...Man mußte
sie (die Produktivkräfte - Anmerkung der Redaktion)
zerstören, und um sie zu zerstören, mußte
man die Ideen, welche sie heiligten, angreifen."
- Man darf die dialektische
Methode also nicht einfach mechanisch anwenden. So ist zum Beispiel
die proletarische Revolution nicht einfach ein mechanischer
Plätzeaustausch, eine quantitative Veränderung, wie es Mao
Tsetung aufgefaßt hat, sondern die alte Sache vergeht und eine
neue entsteht. Die alte Sache trägt von Anfang an den "Keim
des Vergehens" in sich. Dieser Widerspruch wird gerade dadurch
gelöst, daß sie vergeht und einer neuen lebensfähigen
Wirklichkeit Platz macht. Wenn diese Elastizität bis zur I d e
n t i t ä t der Gegensätze geht, wie Lenin lehrt, so warnt
dieser gleichzeitig vor der subjektivistischen Anwendung dieses
Lehrsatzes. So hat Mao den subjektivistischen Fehler gemacht, daß
sich Altes und Neues, Bourgeoisie und Proletariat zB ineinander
verwandeln und die Plätze tauschen. Daraus resultiert ja auch
Maos Irrtum von der zwangsläufigen Notwendigkeit der periodisch
durchzuführenden Kulturrevolution, die alle Jahre mal wieder
standfinden müsse, um wieder die alten Plätze einzunehmen.
Auch der ungarische Kommunist Bela Fogarasi
warnte in seinem Werk "Dialektische Logik" vor der
falschen Identifizierung:
- "Worin besteht nun die
(...) Auffassung der Identität in der modernen Wissenschaft? -
In der methodischen Betrachtungsweise, daß es niemals eine
absolute, abgeschlossene, unabänderliche Identität in der
Wirklichkeit gibt, hingegen in gewissem Zusammenhange beständig
das Identischwerden des Verschiedenen und als dessen Zuspitzung das
Identischwerden der Gegensätze vor sich geht (...). Die
richtige Widerspiegelung dieses in Natur und Gesellschaft vor sich
gehenden Prozesses im Denken ist die richtige Identifizierung (...).
Das richtige Denken weist der Wirklichkeit entsprechend nach, daß
unter gewissen Bedingungen gewisse Unterschiede aufhören,
verschwinden, das heißt identisch werden. So verwischen sich
in einem entwickelten Abschnitt des Sozialismus die
Klassenunterschiede zwischen Arbeiter- und Bauernklasse; sie sind
dann im Begriff ganz zu verschwinden ,( genauso wie ihr Arbeiter-
und Bauernstaat abstirbt = Anmerkung der Redaktion). (Stalins Rede
über die Sowjetverfassung) Die Produzenten werden hinsichtlich
ihrer Klassenlage allmählich miteinander identisch. Die
richtige Identifizierung ist ein unentbehrliches Verfahren des
menschlichen Denkens, während die falsche Identifizierung, eine
Verfälschung und Entstellung der Wirklichkeit zur Folge hat."
( Fogarasi, "Dialektische Logik", Berlin 1954). Worin
besteht die Bedeutung von der Identität der Gegensätze?
- Erstens bedeutet sie
Anerkennung widersprechender, einander ausschließender,
gegensätzlicher Tendenzen in a l l e n Erscheinungen und
Vorgängen nicht nur in der Natur, sondern auch in der
Gesellschaft, im Denken usw.
- Zweitens führt der
Kampf der Gegensätze dazu, daß die ganze Sache untergeht;
der dialektische Prozeß findet sein Ende, indem das ganze Ding
(einschließlich der beiden gegensätzlichen Tendenzen)
"negiert" wird. Indem beide Seiten sich aufheben, werden
sie identisch.
- Drittens versteht die
Dialektik unter "Negation" nicht, daß die Dinge
einfach verschwinden. Ein Hühnerei wird negiert, indem es sich
in ein Küken "verwandelt", der Kapitalismus
"verwandelt sich" in den Sozialismus. Das Neue hat die
Bestimmtheit, aus der es herkommt, noch an sich. Nie wird sich ein
Hühnerei in eine Gans verwandeln; der Feudalismus verwandelt
sich aufgrund seiner inneren Gesetzmäßigkeiten in den
Kapitalismus, nicht aber in den Kommunismus. Wenn wir also die
inneren Gesetzmäßigkeiten eines Prozesses analysieren,
die Widersprüche, die den Prozeß vorantreiben, dann
können wir feststellen, in welcher Richtung sich die Dinge
bewegen. Wenn wir die Widersprüche des Kapitalismus studieren,
kommen wir zu dem Schluß, daß sich der Kapitalismus
gesetzmäßig in den Sozialismus "verwandelt".
- Viertens handelt es sich um
die Negation der Negation. Engels führt hierfür unter
anderem folgendes Beispiel an:
- "Alle Kulturvölker
fangen an mit dem Gemeineigentum am Boden. Bei allen Völkern,
die über eine gewisse ursprüngliche Stufe hinausgehen,
wird dies Gemeineigentum im Lauf der Entwicklung des Ackerbaus eine
Fessel für die Produktion. Es wird aufgehoben, negiert, nach
kürzern oder längern Zwischenstufen in Privateigentum
verwandelt. Aber auf höherer, durch das Privateigentum am Boden
selbst herbeigeführter Entwicklungsstufe des Ackerbaus wird
umgekehrt das Privateigentum eine Fessel für die Produktion -
wie dies heute der Fall ist sowohl mit dem kleinen wie mit dem
großen Grundbesitz. Die Forderung, es ebenfalls zu negieren,
es wieder in Gemeineigentum zu verwandeln, tritt mit Notwendigkeit
hervor. Aber diese Forderung bedeutet nicht die Wiederherstellung
des ursprünglichen Gemeineigentums, sondern die Herstellung
einer weit höhern, entwickeltern Form von Gemeinbesitz, die,
weit entfernt, der Produktion eine Schranke zu werden, sie vielmehr
erst entfesseln und ihr die volle Ausnutzung der modernen chemischen
Entdeckungen und mechanischen Erfindungen gestatten wird." (
Engels, Anti-Dühring, MEW Band 20, Seite 128f)
- Das Gemeineigentum verwandelt
sich also in das Privateigentum, das Privateigentum wieder in das
Gemeineigentum. Dennoch haben wir es nicht mit einem einfachen
"Platztausch", mit einer einfachen Wiederholung zu tun:
- Zuerst besteht das
Gemeineigentum, weil die rückständigen Produktiovkräfte
das Privateigentum noch nicht ermöglichen; später löst
das Gemeineigentum das Privateigentum ab, weil die fortgeschrittenen
Produktivkräfte mit dem Privateigentum nicht mehr zu
vereinbaren sind.
- Wenn wir über die
historisch abgelaufene Uhr des Kapitalismus sprechen, so tun wir das
in dem Bewußtsein, daß der Sterbeprozeß schon etwa
100 Jahre anhält. Das ist eine lange Zeit und der Kapitalismus
existiert ja immer noch. Und zur Entwicklung hat der Kapitalismus ja
auch Jahrhunderte gebraucht. Und je weiter wir in die Geschichte
zurückgehen, desto länger werden die Abstände
zwischen dem Wandel der alten Gesellschaft zur neuen. Anfangs gingen
sogar Jahrtausende ins Land, bis sich die neue Gesellschaftsordnung
aus der alten herausentwickeln konnte.
- Nehmen wie den Zerfall des
Römischen Reiches...
- Der Zerfallsprozeß war
dadurch charakterisiert, daß ein Zustand der verendenden
Zivilisation, der Agonie, eintrat, der sich in Richtung Barbarei
zurückentwickelte. Es bildeten sich niedrigere
Gesellschaftsformen im allgemeinen Prozeß der sozialen
Auflösung. Niedrigere Entwicklungsstufen konnten sich der
verfaulenden Zivilisation bemächtigen. So wurde das Römische
Reich einerseits von außen durch den Kampf der Germanen
zerstört, und dieser Kampf war, wie Engels so richtig sagt,
nicht einmal ein "ernstlicher". Dieser relativ leichte
Sieg lag begründet im inneren Zerfallsprozeß des
Römischen Reiches, denn als die Germanen die Erbschaft
antraten, handelte es sich bereits um eine bankrotte,
auseinandergefallene Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die sie
zerstörten.
- Franz Mehring
schreibt:
- "Die Germanen
ermatteten die römischen Heere im Kleinkrieg, bis diese
aufgaben. Die Germanen blieben frei, nicht sowohl weil es für
das römische Weltreich eine absolute Unmöglichkeit gewesen
wäre, sie schließlich zu bezwingen, als weil diese
Bezwingung ungeheure Opfer gekostet haben würde, die Rom bei
dem Zustande inneren Verfalls, in denen seine Weltherrschaft trotz
allen äußeren Glanzes bereits getreten war, nicht mehr zu
bringen wagte." (Mehring, Band 5, Seite 7)
- Jürgen
Kuczynski schreibt in seiner "Allgemeinen
Wirtschaftsgeschichte" ( Kuczynski hat sich zu einem
waschechten Revisionisten entwickelt, also ist ansonsten mit
Vorsicht zu genießen - die Redaktion):
- "Welches waren die
Ursachen dieses Niedergangs des Römischen Reiches ?
- Man kann sie vielleicht wie
folgt zusammenfassen: Um sich zu halten, steuerte die herrschende
Klasse mit Hilfe des Staates so viel vom Mehrertrage fort, daß
der großen Masse der Werktätigen kaum noch etwas zu ihrem
Leben blieb und insbesondere in der Landwirtschaft, aber auch im
Handwerk jede Initiative zur Mehrproduktion verloren ging. Der Staat
als Machtinstrument und Plünderungsmittel einer kleinen Schicht
von Reichen und als "Protektor" einer durchaus nicht
kleinen anderen Schicht, nämlich der Schicht der
Berufssoldaten, die sich aus den verschiedensten Kreisen
rekrutierte, sah sich gezwungen, die Besteuerung bis zur Abtötung
der wirtschaftlichen Initiative zu steigern, weil die antike
Sklavenwirtschaft nicht mehr genügende wirtschaftliche
Leistungen vollbrachte, um die Kosten zur Machterhaltung der
herrschenden Klasse aufzubringen.
- Ein solcher Sachverhalt ist
in der Wirtschaftsgeschichte nicht selten und soll ja heute auch
noch vorkommen. So läßt sich gegen Ende der Feudalperiode
zum Beispiel in Frankreich ganz außerordentlich deutlich
beobachten, wie die feudale Basis zur Finanzierung der Kosten der
herrschenden Klasse nicht mehr ausreicht, und wie sich diese dann
zunehmend an bürgerlichem Eigentum vergreift, bis das Bürgertum
den Weg der Revolution geht, um die Steigerung seines Reichtums zu
sichern.
- Das herrschende System wird
zu einer solchen Last, daß die Wirtschaft den Weg in den
Niedergang unausweichlich gehen muß.
- Zu den
Verfallserscheinungen zählten:
- 1) Verstaatlichung der
Wirtschaft, Eingriffe und Restriktionen
- 2) Inflationstreiberei
- 3) Verschiebungen von der
Stadt aufs Land, Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge,
Verarmung der Handwerker und Kaufleute, Verminderung des Handels,
Abbröckeln der Zentralgewalt zugunsten der Verselbständigung
der Provinzen.
- In den großen
städtischen Metropolen entstanden Armut und große
Elendsviertel. Das Land lag brach da und verödete. Es kam zur
Ballung der Menschen in den Städten und Landflucht, bzw
Entvölkerung auf dem Lande. In der Wirtschaft machte sich eine
Art Autarkiebewegung breit, d.h. man beschränkte sich auf das
Nötigste und versorgte sich mit dem Minimum, denn jede
Anhäufung würde angesichts der staatlichen Plünderei
und der Wegelagerei und Räuberei (teilweise geflüchtete
Sklaven) unmöglich gemacht werden. Wer nichts hatte, dem konnte
auch nichts weggenommen werden. Mit seinen Ansprüchen richtete
man sich auf "karge Jahre" ein. Für einen gesunden
Aufschwung, für eine wirtschaftliche Aufbauinitiative war nicht
mehr die Zeit.
- Zur wirtschaftlichen Krise
trugen auch die inneren Faktoren bei, die Sklavenaufstände, die
Befreiungskämpfe in den Provinzen und der Widerstand der freien
Bauern und Kolonen, in deren Folge viele Produktivkräfte
zerstört wurden, die der Mehrproduktion der Sklavenhalterei
dienten. Die soziale Revolution benötigte 3-4 Jahrhunderte!
Römischen Sklaven war der Unterdrücker- und Ausbeuterstaat
so verhaßt, daß sie sich den Barbaren anschlossen, ihnen
die reichen römischen Wohnsitze zeigten, damit aller Reichtum
ausgeraubt wurde. Die Eroberungen der Barbaren waren also aufs
engste mit den Aufständen innerhalb des römischen Reiches
miteinander verbunden. Westeuropa verfiel auf viele Jahrhunderte in
Finsternis und Unwissenheit, in Kriege der Barbarenreiche
untereinander, bevor sich der Feudalismus herausbildete. Die
werktätigen Massen atmeten auf, als der Sklavenhalterstaat mit
seiner Geldeintreiberei zusammengebrochen war. Obwohl also die
Barbaren die römische Kultur zerstört hatten, bedeutete
der Untergang das Ende der sklavischen Ausbeutung, was ein
wesentlicher Fortschritt im Leben der Menschheit war.
- " Die
Revolution der Sklaven", sagte Stalin,"
beseitigte die Sklavenhalter und hob die Sklaverei als Form der
Ausbeutung der Werktätigen auf". (Stalin, Rede vor den
Stoßarbeitern der Kollektivwirtschaften, in: Fragen des
Leninismus, S.498)
- Die auf Sklaverei beruhende
Gesellschaftsordnung hat zu damaligen Zeiten gewiß eine hohe
Kultur hervorgebracht, die einen ungeheuren Einfluß auf die
ganze weitere Entwicklung der Menschheit ausgeübt hat; durch
ihre Ausbeutungsmethoden wurde sie jedoch schließlich zum
Hemmschuh der gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Die Sklaverei
verhinderte die Entwicklung der Technik, der Kultur und der
Wissenschaft. Die Arbeit unter der Peitsche brachte nur geringen
Ertrag. Es mußten ständig neue Sklaven ( die man durch
Kriege und Seepiraterie zusammentrieb und dabei Produktivkräfte
zerstörte) die alten, verbrauchten Arbeitskräfte ablösen.
So führte die Sklaverei zum Niedergang der Produktivkräfte,
und dieser Niedergang wiederum zog den Untergang der
Sklavenhaltergesellschaft nach sich.
- Zwar wurde um das Jahr 600 die
Sklaverei als Gesellschaftsordnung endgültig beseitigt, aber
die Sklaverei bestand als Form der Ausbeutung noch lange Jahre
weiter. Und sie existiert in abgewandelter Form zum Teil heute noch.
- Wenn man die Zerfallsperioden
der verschiedenen Gesellschaftsordnungen und den Verfall der
verschiedensten Reiche genauer betrachtet, fällt einem immer
wieder auf, daß die Ausbeutung bis zur Erschöpfung und
Vernichtung der Ausgebeuteten betrieben wurde, daß dann eine
Phase der Schwächung des Systems, verminderte Wehr- und
Widerstandsfähigkeit eintrat, die dann von äußeren
Feinden ausgenutzt wurde. So wurden während der Eroberung viele
Menschen im Land, alle Errungenschaften , Bauten, Kulturen des
überfallenen Reiches zerstört und der gesamte Reichtum den
neuen Machthabern untergeordnet. Je größer das Reich,
desto gewaltiger die Ausbeutungsmaschinerie, desto grausamer die
Kriegsverwüstungen, die Armut und der Hunger, desto tiefer und
gründlicher der Zerfall. Das war so mit dem ägyptischen
Reich, mit den ältesten Staaten Mesopotamiens, mit Phönizien,
Judäa, Persien, Indien, China, Griechenland, Rom usw usf. Aber
die Menschheit hat sich daraus immer wieder neue weiterentwickelt.
- Allerdings kamen die
Ausgebeuteten nach einer kurzen Atempause und Regeneration des
Übergangs vom Regen in die Traufe. Die Klassengesellschaft
blieb ja weiter bestehen. Das erinnert auch an die deutsche
"Wiedervereinigung".
- Aber im Gegensatz zu allen
anderen unterdrückten Klassen früherer
Gesellschaftsordnungen kann die Arbeiterklasse ihre Lage
wirtschaftlich nur nach der politischen Revolution verbessern. Der
Arbeiterklasse ist es bis zu den Tagen der Revolution immer
schlechter gegangen. Um ihre nackte Existenz zu retten, sind die
Werktätigen gezwungen, sich vom nicht mehr zu ertragenden Elend
und von den frechen Peinigungen der Bourgeoisie zu befreien. Ganz
- e n t g e g e n g e s e t z t
waren die Bedingungen des Bürgertums als es sich von der
Feudalklasse befreite.
- Wenn man also das
Entwicklungst e m p o der Geschichte betrachtet und das Verhältnis
zwischen dem Imperialismus und allen anderen vorangegangenen Epochen
vergleicht, dann hat sich die letzte Stufe des Kapitalismus enorm
schnell entwickelt, obwohl sie für uns Revolutionäre eine
Ewigkeit zu dauern scheint.
- Und wenn wir den Beginn des
Sozialismus mit der Oktoberrevolution datieren und sein
vorübergehendes Ende mit der Restauration des Kapitalismus im
sozialistischen Albanien abschließen, so sind das ganze 70
Jahre in der gesamten Geschichte der Menschheit und zwar nicht 70
Jahre innerhalb der "Vorstufe der Menschheit" wie Marx es
formulierte, sondern 70 Jahre Keimformen der zukünftigen
Gesellschaftsordnung, in der es keine Ausbeutung des Menschen durch
den Menschen gegeben hat, ein Stück Weltgeschichte, in der
erstmals die Werktätigen selber über ihr Schicksal
verfügten, die Epoche der Diktatur des Proletariats, also schon
zu einer Zeit, in der auf dem Erdball der Imperialismus noch
vorherrschte. Die Oktoberrevolution verwandelte Geschichte in eine
Episode des Untergangs der Weltbourgeoisie, die sich heute
überfressen hat. Sicherlich gab es Illusionen und
Überschätzungen der Möglichkeiten des Sozialismus,
schließlich lagen ja nicht wie heute geschichtliche
Erfahrungen vor.
- Die Oktoberrevolution war eine
Umgestaltung, die das Alte in der Wurzel traf und von Grund aus
zerschlug, nicht aber vorsichtig, langsam und allmählich
umformte, in dem Bestreben, möglichst wenig zu zerschlagen.
Wenn man mit dem Kriegskommunismus später zu Reformen gezwungen
wurde, bedeutete das nicht, daß die Oktoberrevolution zu früh
oder falsch war, sonst hätte der Sozialismus in der Sowjetunion
nicht so aufblühen können.
- Man darf eben seine
revolutionären, historischen Möglichkeiten nicht
üßberschätzen, wie das Revolutionäre gern tun,
die noch in den Kinderschuhene stecken ( und da brauchen wir uns nur
selber an die Nase fassen!).
- Große historische,
politische Umwälzungen - wie zB drei Jahre 'heiße'
Oktoberrevolution - brauchen längere Zeit, Jahrzehnte!, um zB.
durch 'eiskalte',schwere, mühsame ökonomische Arbeit v o l
l e n d e t, verarbeitet und gesichert zu werden, das heißt es
müssen überhaupt erstmal die Ruinen der alten Gesellschaft
beseitigt werden usw.
- Man stelle sich vor, wie lange
wir h e u t e nach der Revolution an Aufbauarbeit zu leisten haben,
um die Trümmer des Weltimperialismus nicht nur bei uns vor der
Tür, sondern auf der ganzen Welt aus dem Wege zu räumen.
- Wir müssen mit den
sektiererischen Vorstellungen aufräumen, notwendige
Entwicklungsetappen zu ignorieren oder zu überspringen,
bestimmte Stufen zu ignorieren, die auch vordergründig
Rückschritte bedeuten, aber letztendlich einen um so größeren
Sprung nach vorne ermöglichen. Auch beim Zerfall der alten und
Entstehen der neuen Gesellschaft tritt das Gesetz der Negation der
Negation n i c h t außer Kraft. Das, was positiv war, wird
beibehalten und in den Dienst der neuen Gesellschaft gestellt, je
mehr desto besser. Wenn wir den Kapitalismus zerschlagen, heißt
das nicht, daß wir alles dem Erdboden gleichmachen und uns so
benehmen wie die Imperialisten. Wenn wir die neue Gesellschaft auf
den Trümmern der alten Gesellschaft aufbauen, heißt das
nicht, daß wir dabei auf Altbewährtes verzichten, nur
weil es einmal vorher der dunklen Vergangenheit angehört hat,
ohne zu fragen, ob es der Diktatur des Proletariats noch weiter
ützt. Je mehr alte, nützliche Dinge in den Dienst der
Zukunft gestellt werden, desto weniger können sie dazu
mißbraucht werden, die Vergangenheit wieder einzuholen und den
Kapitalismus zu restaurieren. Als Lenin die marxistischen Thesen
über die zwei Phasen des Kommunismus weiterentwickelte und die
Spuren, die Muttermale der alten Gesellschaft, von denen sich der
Kommunismus in seinem ersten Stadium noch nicht völlig befreien
kann, zur Sprache brachte, betonte er insbesondere, daß Marx
diese Überreste der alten Gesellschaft nicht willkürlich
in die neue hineingebracht, sondern klargemacht hat, daß sie
für die aus dem Schoß des Kapitalismus hervorgegangene
Gesellschaft historisch unvermeidlich sind, "zeigt
uns doch das Leben auf Schritt und Tritt, sowohl in der Natur als
auch in der Gesellschaft, Überreste des Alten im Neuen."
(Lenin,"Staat und Revolution")
- Mit der Versessenheit, das
'heiße', aufwühlende Tempo der Oktoberrevolution im
übertriebenen Sinne 50-70 Jahre lang , d.h. Tag für Tag,
durchzuhecheln, wäre ein Unding, würde nur Unheil
anrichten. Wer den revolutionären Motor und die Treibriemen
mutwillig verschleißt und nicht zB. auf gute Schmierung und
Kühlung achtet, bzw im ersten Gang des sozialistischen Aufbaus
kommunistische Höchstgeschwindigkeit fährt, der läßt
die Revolution heiß laufen und bringt den neuen Motor mit
einem »Kolbenfresser« zum Stoppen, ehe er für die
gesamte Dauer des Sozialismus seinen Dienst tun kann.
- Auf der anderen Seite darf
sich die stalinsche Erkenntnis, daß wir Kommunisten das Schiff
der Arbeiterbewegung auf dem gradesten und raschesten Weg ans Ufer
des Sozialismus steuern müssen, nicht in eine schädliche
Fehlorientierung verwandeln., wenn sie, wie das die Sektierer tun,
zu einer Aussage verabsolutiert wird, daß es quasi nur nur
eine Luftlinie zum Sozialismus gibt. Die Überspannung der
Theorie der gesetzmäßigen, notwendigen Ablösung des
Kapitalismus durch den Sozialismus kann deren positiven Charakter in
etwas Negatives umkehren und entwerten. Es kommt darauf an, die
Dinge nicht zu überspannen und in der praktischen Arbeit die
Einheit der quantitativen und qualitativen Voraussetzungen zu
berücksichtigen. Man kann auch untertreiben und resignieren, ob
angesichts der gegenwärtigen Weltlage der Sozialismus überhaupt
jemals wieder Überzeugungs- und Anziehungskraft bei den
unterdrückten und ausgebeuteten Klassen gewinnen und
zurückgewinnen kann? Beides schadet - zu untertreiben und zu
übertreiben.
- Lenin
warnte damals mit den Worten:
- "Mängel sind
zuweilen die Fortsetzung unserer Vorzüge.
- Für den wirklichen
Revolutionär besteht die größte Gefahr - vielleicht
sogar die einzige Gefahr - darin, daß er den Revolutionismus
übertreibt, die Grenzen und Bedingungen der angebrachten und
erfolgreichen Anwendung revolutionärer Methoden außer
acht läßt. Wirkliche Revolutionäre brachen sich
zumeist dann den Hals, wenn sie anfingen, 'Revolution' mit großen
Buchstaben zu schreiben, die Revolution zu etwas Göttlichem zu
erheben, den Kopf zu verlieren, die Fähigkeit zu verlieren,
ganz kaltblütig und nüchtern zu überlegen, abzuwägen
und zu prüfen, zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Umständen
und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es verstehen muß,
revolutionär zu handeln, und zu welchem Zeitpunkt, unter
welchen Umständen und auf welchem Tätigkeitsgebiet man es
verstehen muß, zu reformistischem Handeln überzugehen.
Wirkliche Revolutionäre werden ( im Sinne nicht einer äußeren
Niederlage, sondern eines inneren Zusammenbruchs ihrer Sache) nur
dann zugrunde gehen - dann aber bestimmt zugrunde gehen -, wenn sie
die nüchterne Überlegung verlieren und sich in den Kopf
setzen, daß die 'große, siegreiche, weltumspannende'
Revolution unbedingt alle und jegliche Aufgaben unter allen
Umständen auf allen Tätigkeitsgebieten revolutionär
lösen könne und müsse.
- Wer sich so etwas 'in den
Kopf setzt', der ist verloren, denn er hat sich in einer
grundlegenden Frage eine Dummheit in den Kopf gesetzt, und während
eines erbitterten Krieges (die Revolution ist der allerbitterste
Krieg) ist die Niederlage die Strafe für eine Dummheit. Woraus
folgt denn, daß die 'große, siegreiche, weltumspannende'
Revolution nur revolutionäre Methoden anwenden kann und darf ?
Das folgt aus gar nichts. Ja, das ist ausgesprochen und unbedingt
falsch." (Lenin, Band 33, Seite 92)
- Lenin
schrieb dies im November 1921, wo die Bedingungen (die Zeit der NÖP)
für die Entwicklung des Sozialismus denkbar ungünstig und
außerordentlich gefährlich waren.
- Und Lenin
sagte voraus:
- "Wenn sich die
europäische Revolution verspätet, so stehen uns schwerste
Niederlagen bevor... Wenn man es nicht versteht, sich anzupassen,
wenn man nicht gewillt ist, auf dem Bauch durch den Schmutz zu
kriechen, dann ist man kein Revolutionär, sondern ein
Schwätzer, denn so vorzugehen, schlage ich nicht deswegen vor,
weil mir das gefällt, sondern weil es keinen anderen Weg gibt,
weil die Geschichte es nicht so angenehm gefügt hat, daß
die Revolution überall zu gleicher Zeit ausreift." (Lenin,
Band 27, Seite 88)
- Lenin und Stalin sahen die
Begrenztheit der Möglichkeiten realistisch zB auch bei der
friedlichen Koexistenz, die eingeschränkten Möglichkeiten
des Aufbaus des Sozialismus in e i n e m Land usw, aber sie warteten
nicht auf bessere Zeiten, sondern machten auf hervorragnde Weise
"das Beste draus", schöpften diese Möglichkeiten
unbeirrbar aus und brachten es zu einer Blüte, die immerhin
rund 70 Jahre neben dem beherrschenden Imperialismus Bestand hatte
und diesem das Fürchten lehrte, wenn man - nur um einmal ein
Beispiel zu nennen - an die Schlacht von Stalingrad denkt. Es wäre
aber wiederum eine Dummheit,eine pazifistische Illusion, von der
Revolution in e i n e m Land zu erwarten, daß sie den Krieg
für immer aus der Welt schaffen könne. Und es wäre
einwenig zu viel verlangt, von diesem damals einzigen
sozialistischen Land zu fordern, es müsse nun Stück für
Stück in alle anderen Länder der Welt den Sozialismus
exportieren, möglichst noch wunschgerecht zugeschnitten auf die
besonderen Bedingungen jedes einzelnen Landes.
- Die Oktoberrevolution kann
keine Macht der Welt mehr rückgängig machen und auch nicht
die Errungenschaften des Sozialismus, die auf ihren Fundamenten bis
in unsere Gegenwart hinein von den sozialistischen Menschen erzielt
wurden. Der sterbende Kapitalismus hat es aber geschafft, den
Weiterbestehen des Sozialismus aufzuhalten. Und an dem Eingeständnis
dieser bitteren Wahrheit ist entschieden nichts "Schreckliches",
nichts, was berechtigten Anlaß auch nur zur geringsten
Verzagtheit oder gar Zweifel an unserer Sache gäbe, denn wir
haben stets die ABC-Wahrheit des Marxismus wiederholt, daß zum
Siege des Sozialismus die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter
mehrerer fortgeschrittener Länder notwendig sind, daß
heute die Völker und das Weltproletariat sich zur großen
Schlacht zusammenfinden müssen und daß weiter dort in
denjenigen Ländern das Joch abgeschüttelt werden m u ß,
wo immer dies möglich ist. Wir fangen wieder von vorne an und
wir werden dies als überzeugte Kommunisten immer wieder und
wieder tun ohne zu Jammern. Bei all unserer schwachen Situation, bei
all den Folgen des »sozialistischen« (sprich
revisionistischen) Zerfalls, den wir im Moment zu verarbeiten haben,
bei aller Arbeit, die wir unter den Massen jetzt führen, um die
Diskreditierung des Sozialismus zu beseitigen, sind es die
Imperialisten, die Kapitalisten, die Reaktion, die alten
konterrevolutionären Kräfte, der ganze alte Dreck, der i m
M o m e n t zwar stärker ist als wir und auch dafür sorgen
wird, daß dies so bleibt, aber der auf seine alte Weise
"weiterwurschtelt" auf seine "altbewährte"
kapitalistische Weise und dabei weiter verfault und stirbt ! Quälen,
foltern und morden kann die Bourgeoisie nirgends ungehindert. Sie
erzeugt Widerstand mit jedem Unrecht, das den Völkern angetan
wird. Den unvermeidlichen und - unter dem hier welthistorischen
Gesichtspunkt betrachtet - gar nicht mehr fernen e n d g ü l t
i g e n Sieg des revolutionären Proletariats kann die
Bourgeoisie nicht aufhalten.
- II.
Zerstörung und der Zerfall der gealterten Produktivkräfte
und Produktionsverhältnisse
- Für die
Aufwärtsentwicklung, für den Aufbau einer neuen
Gesellschaftsordnung, spielt die Übereinstimmung, das
Harmonisieren zwischen Produktivkräften und
Produktionsverhältnissen eine grundlegende, entscheidende
Rolle. Und umgekehrt: Für die Zerfallsentwicklung, für den
Zusammenbruch einer Gesellschaftsordnung spielen die unlösbaren
Widersprüche zwischen Produktivkräften und
Produktionsverhältnissen eine entscheidende Rolle -
Widersprüche, die zu Fesseln werden, die gesprengt werden auf
revolutionäre Weise. Und so wird die kapitalistische
Produktionsweise zur Fessel für die weitere Entwicklung der
Produktivkräfte der heutigen Gesellschaft.
- An vielen Stellen ihres Werkes
finden wir bei Marx und Engels wichtige Hinweise zu diesem wichtigen
Punkt.
- Es lohnt sich auf jeden Fall,
auf wesentliche Aussagen hinzuweisen und eine Reihe von Zitaten
zusammenzutragen.
- Marx
hatte bereits 1859 in dem historischen Vorwort des Buches "Zur
Kritik der Politischen ßÖßkonomie" das
Wesen des historischen Materialismus genial formuliert:
- "Eine
Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte
entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue, höhere
Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die
materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten
Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind."
- Folgern wir hieraus heute den
Umkehrschluß: Die objektiven Bedingungen sind dafür
längst reif.
- Der Konflikt zwischen
gesellschaftlichen Produktivkräften und der privaten Aneignung,
der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, ist in eine
explosive Umwälzphase eingetreten, in der die ökonomische
Grundlage des Kapitalismus schon soweit entzogen ist, daß eine
revolutionäre Situation unmittelbar bevorsteht. Sie ist bereits
unaufhaltsam in Fluß.
- Es war Marx,
der in seinem "Kapital"(Band III, Seite 260) die
kühne Feststellung machte:
- "Die kapitalistische
Produktion strebt beständig, diese ihr immanenten Schranken zu
überwinden, aber sie überwindet sie nur durch Mittel, die
ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerm Maßstab
entgegenstellen.
- Die wahre Schranke der
kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß
das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und
Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; daß
die Produktion nur Produktion für das Kapital ist und nicht
umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine
stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses für die
Gesellschaft der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die
Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf die Enteignung
und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein
bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in
Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem
Zweck anwenden muß und die auf unbeschränkte Vermehrung
der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte
Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit
lossteuern. Das Mittel - unbedingt Entwicklung der
gesellschaftlichen Produktivkräfte - gerät in
fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der
Verwertung des vorhandenen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische
Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle
Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu
schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen
dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden
gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen..."
- " die
Schranke der Produktion ist der Profit der Kapitalisten..."
(Marx, Theorien über den Mehrwert, Band II,2).
- Ende des Profits bedeutet auch
Ende der Herrschaft der Bourgeoisie. Kapital und Profit sind
vergänglich. Und mit dem Profit ist es heute schlimm bestellt
angesichts der Probleme, die sich in 200 Jahren aufgestaut haben.
Und für die Bourgeoisie ist heute jeder Tag problematischer als
alle Jahre des Kapitalismus zusammengerechnet. Im Dritten Band des
"Kapitals" (Seite 274) definiert Marx
die letzte Konsequenz des Gesetzes des tendenziellen Falls der
Profitrate:
- "Der Widerspruch
zwischen der allgemeinen gesellschaftlichen Macht, zu der sich das
Kapital gestaltet, und der Privatmacht der einzelnen Kapitalisten
über diese gesellschaftlichen Produktionsbedingungen entwickelt
sich immer schreiender und schließt die Auflösung dieses
Verhältnisses ein, indem sie zugleich die Herausarbeitung der
Produktionsbedingungen zu allgemeinen, gemeinschaftlichen,
gesellschaftlichen Produktionsbedingungen einschließt. Diese
Herausarbeitung ist gegeben durch die Entwicklung der
Produktivkräfte unter der kapitalistischen Produktion und durch
die Art und Weise, worin sich diese Entwicklung vollzieht."
- Und daß uns diese
Entwicklung nicht einfach automatisch in den Schoß fällt,
dürfte angesichts der komplizierten Entwicklung des Sozialismus
in diesem Jahrhundert nicht schwer zu begreifen sein.
- "Die Zentralisation
der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit
erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer
kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des
kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs
werden expropriiert." (Marx,Das Kapital, Band I, Seite 791).
- Es ist die Negation der
Negation. Es ist die historische Tendenz der kapitalistischen
Akkumulation. Mit seiner Analyse des allgemeinen Gesetzes der
kapitalistischen Akkumulation schuf Karl Marx die ökonomische,
objektive Begründung für die Notwendigkeit und
Unvermeidlichkeit der proletarischen Revolution.
- Es zeigt sich, "daß
die kapitalistische Produktionsweise an der Entwicklung der
Produktivkräfte eine Schranke findet, die nichts mit der
Produktion des Reichtums als solcher zu tun hat; und diese
eigentümliche Schranke bezeugt die Beschränktheit und den
nur historischen, vorübergehenden Charakter der
kapitalistischen Produktionsweise; bezeugt, daß sie keine für
die Produktion Reichtums absolute Produktionsweise ist, vielmehr mit
seiner Fortentwicklung auf gewisser Stufe in Konflikt tritt."(Marx,
"Kapital", Band III,1).
- Die Klassengegensätze
"waren nämlich gerade die
Existenzbedingungen für die Entwicklung der Produktivkräfte...
Es war somit, um diese Entwicklung der Produktivkräfte... zu
erlangen, notwendig, daß es Klassen gab, die profitierten und
andere, die am Verkommen waren." (Elend der Philosophie, Karl
Marx).
- Die Einsicht in den nur
historischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und
damit in die Notwendigkeit einer neuen, höheren
Produktionsweise ist von großer Tragweite für die
Situation des Scherbenhaufens, in die der Imperialismus nunmehr tief
drinsteckt. Aus der ökonomischen Notwendigkeit des Untergangs
der alten und dem Heranwachsen der neuen Produktionsweise ergeben
sich in der jetzigen Situation politische Konsequenzen, denen wir
ins Auge sehen müssen. Marx Lehre ist deswegen immer noch
aktuell, weil er die Umwandlung der kapitalistischen in die
sozialistische Gesellschaft ableitet von ökonomischen
Bewegungsgesetzen, vom Wertgesetz. Jeder andere Versuch, die
Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus und des Kommens des
Sozialismus zu begründen, muß zwangsläufig auf
falsche ideologische Begründungen hinauslaufen.
- Der alte Revisionist Bernstein
behauptete sogar:
- "Der Nachweis von der
Unvermeidlichkeit des ökonomischen Zusammenbruchs der
bestehenden Gesellschaft... ist nicht zu erbringen." (Kautsky,
"Bernstein und das sozialdemokratische Programm, Stuttgart
1899)
- Hieraus spricht reinster
Zweckpessimismus, gerade wie die Bourgeoisie ihn braucht, wenn sie
am Krepieren ist. Das lockt nicht nur die alten Motten ans
reformistische Licht, sondern treibt auch gerade die Jugend mit dem
Motto "No future!" in die Verzweiflung, zum Wohlgefallen
des Anarchismus. Ganz im Gegenteil stehen wir an der Schwelle einer
Epoche, in der der Marxismus größere Triumphe davontragen
wird als jemals zuvor.Der Kapitalismus hat wieder einmal in der
ganzen Welt gesiegt, aber dieser Sieg ist nur die Vorstufe zum
gründlicheren Sieg der Arbeit über das Kapital. (Dies
schrieb Lenin vor genau 80 Jahren!!)
- Nun ist es auf der anderen
Seite aber auch nicht so, als fielen die Produktivkräfte der
alten Ordnung der neuen bildlich gesprochen als "reife Frucht
in den Schoß" oder so als bräuchten nur noch die
Verteilungsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft "auf
den Kopf gestellt" werden ( Umverteilung von oben nach unten).
- Wenn die Produktivkräfte
durch den faulenden, sterbenden Kapitalismus zu einem gewissen Punkt
zerstört, vernichtet, geschwächt und behindert werden, die
Produktion in große Versorgungsschwierigkeiten gerät
usw., dann können die gesellschaftlichen Bedürfnisse nicht
auf Anhieb ausreichend gesichert werden. Das war beispielsweise nach
dem 1. und 2.Weltkrieg so oder nach all den Kriegen danach, wo der
Großteil der Weltproduktion für militärische Zwecke
verwendet und ein weiterer großer Anteil gewaltsam zerstört
wurde. Und heute erleben wir im katastrophalen Ausmaß wie zB
außerdem noch die Naturkräfte vernichtet und verwüstet
werden. In dieser Situation wird es auch für die unterdrückten
Klassen schwieriger, sich zu befreien und sich mit dem nötigsten
zu versorgen und zB den Hunger zu bekämpfen. Das erleben wir
heute zum Beispiel in Äthiopien. Das zeigt wie dringlich heute
die sozialistische Revolution ist. Sie muß retten, was noch zu
retten ist, um darauf noch eine halbwegs solide ökonomische
Basis aufzubauen und diesen Erdball noch lebenswert zu erhalten.
- Friedrich
Engels schrieb im "Anti-Dührung" (MEW,
Band 20, Seite 262):
- »Solange die
gesellschaftliche Gesamtarbeit nur einen Ertrag liefert, der das zur
notdürftigen Existenz aller Erforderliche nur um wenig
übersteigt, solange also die Arbeit alle oder fast alle Zeit
der großen Mehrzahl der Gesellschaftsglieder in Anspruch
nimmt, solange teilt sich die Gesellschaft notwendig in Klassen."
- Diese Erkenntnis darf uns
nicht zum Fatalismus führen wie das in der Zeit des
sowjetischen Kriegskommunismus der Fall war. Die sowjetischen
Menschen zur Zeit Lenins und Stalins haben vielmehr bewiesen, daß
unter den größten Opfern, Entbehrungen und Anstrengungen
etwas Mächtiges, Starkes, Unüberwindliches, heranwächst,
daß die Arbeiterklasse alle Schwierigkeiten meistert, wenn sie
die Macht in den Händen hat. Gemeinsam mit den Bauern haben die
sowjetischen Arbeitern bewiesen, daß sie stärker waren
als der Imperialismus, daß sie einen großartigen
Sozialismus aufgebaut haben trotz der Feinde, die von innen und
außen am Werk waren und dieses Werk auch leider vollenden
konnten, nämlich den Sozialismus auf der Welt wieder zu
zerstören.
- Der Zustand der
Produktivkräfte entscheidet also nicht schicksalhaft, nicht
automatisch, über Leben und Tod der Arbeiterklasse. Das ist
vielmehr eine Frage der politischen Durchsetzung des Proletariats.
- Die Gewalt des Proletariats
ist der Geburtshelfer der alten kapitalistischen Gesellschaft, die
mit der sozialistischen Gesellschaft schwanger geht.
- Und so hatte Lenin fest auf
diese revolutionäre proletarische Gewalt in Deutschland
gehofft, was für die Sowjetunion und die ganze Welt
wahrscheinlich eine große Bedeutung gehabt hätte. Nur hat
die sozialistische Revolution in Deutschland bis heute noch nicht
gesiegt, obwohl die objektive Entwicklung der Produktivkräfte
hierfür dicke ausgereicht hätte. Auf den subjektiven
Faktor kommen wir später noch zu sprechen.
- Die Entwicklung der
sozialistischen Produktivkräfte waren besonders am Anfang
außerordentlich schwierig und damit der Aufbau des Sozialismus
in der Sowjetunion sehr problematisch. Lenin verglich diese
Situation mit Westeuropa, wo die Produktivkräfte bereits
industriell sehr weit fortgeschritten waren und im Falle des Sieges
der deutschen roten Räterepublik hätten sich die
Produktivkräfte beider sozialistischer Länder vereinigen
können. Das hätte durchaus schon das historische Ende des
Imperialismus bedeuten können. Aber selbst Lenin hatte erkannt,
daß es zwar in Westeuropa leichter sei, die Produktivkräfte
des Sozialismus zu entwicklen, aber viel schwerer, die Macht der
stark organisierten Bourgeoisie zu brechen. Und so kam es denn ja
auch.
- Das Kapital saß damals
noch sehr fest im Sattel trotz der verheerenden Auswirkungen des
1.Weltkriegs, und man hätte die Wurzeln auf einen Schlag nicht
herausreißen können. Die Enteignung der Kapitalisten
vollzieht sich nicht in einem einzigen Tag und ebensowenig können
die sozialistischen Produktivkräfte an einem einzigen Tag ihren
Höchststand erreichen. Schon Marx und Engels
schrieben in ihrem "Kommunistischen Manifest", daß
das Proletariat seine Macht gebrauchen muß..
- "...der Bourgeoisie n
a c h u n d n a c h (hervorgehoben von der Redaktion) alles Kapital
zu entreißen.«
- Von der kapitalistischen Hölle
gleich ins sozialistische Himmelreich hineinzuschweben, davon
träumen nur die Kapitalisten, die Schmarotzer, die sofort ihre
Fahnen umdrehen und sich ins gemachte Bettchen legen, so wie das die
alte DDR-Bourgeoisie gemacht hat.
- Parasiten fressen erst den
Kapitalismus leer und dann den Sozialismus, sie sind überall
dort als erste zur Stelle, wo es was zu holen gibt - über alle
Gesellschaftsordnung und Ideologie hinweg. Und die intelligenteren,
revisionistischen Parasiten fielen nicht brutal wie ihre Vorgänger
über ihre Opfer her, sondern züchteten sich
"sozialistische" Blattläuse, die sie zu jeder Zeit
aussaugen konnten und die besonders kräftig und schmackhaft
waren, weil ihnen "sozialistisches" Gedankengut als
Hormonspritze verabreicht wurde. So sahen die Übereste der
alten Gesellschaft die neue Gesellschaft. Der Übergang bedeutet
für die revolutionäre Klasse ein übermenschliches Maß
an Kraft und Energie, an Opfer und Heldenmut, um den historischen,
vergifteten Müll vom Körper abzuschütteln. Es sind
nicht nur die Parasiten und Wegelagerer, die über alles
verbliebene Leben herfallen, die das Proletariat abschütteln
muß. Das Proletariat ist auch gezwungen, das Gift der
Resignation zu verarbeiten, daß jahrzehntelang durch die
Bourgeoisie verabreicht wurde. Setzt die Arbeiterklasse auf die
Bourgeoisie, wird sie mit der Bourgeoisie untergehen. Ihre Existenz
hat nur eine Chance, wenn sie sich von der Bourgeoisie befreit.
- Wir können also
zusammenfassen:
- Je mehr der Fäulnisprozeß
fortgeschritten ist, je mehr Krieg, Terror, Sabotage, sozialer
Kahlschlag, Räubereien, Naturzerstörungen die
Imperialisten mit jedem neuen Tag hinterlassen, um sich vor ihrem
Untergang zu retten, desto schwieriger ist es für die
sozialistische Revolution, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen,
desto mehr sind nicht nur die ökonomischen Voraussetzungen des
sozialistischen Aufbaus begrenzt.
- Umgekehrt:
- Ist der Zerstörungsprozeß
noch nicht soweit fortgeschritten, ist die Bourgeoisie noch
einigermaßen wirtschaftlich lebensfähig, wird sie auch
noch genügend Kraft haben, ihre politische Macht zu gebrauchen,
wird es für die revolutionären Klassen auch schwer sein,
die Herrschaft der Ausbeuterklassen zu zerbrechen. Also:
- Ist die Bourgeoisie ökonomisch
so tief schon am Boden, daß sie ihren Herrschaftsapparat
finanziell nicht mehr auf der gebotenen Höhe halten kann, ist
der Zeitpunkt fürs Proletariat günstig zuzuschlagen und
der Bourgeoisie den Rest zu geben. Deswegen muß das
Proletariat eben auch jetzt schon daraufhinarbeiten und jede
Gelegenheit nutzen, um die Bourgeoisie zu schwächen, wo immer
das möglich ist. Wieviel Blut die Bourgeoisie vergossen,
wieviel Produktivkräfte sie zerstört, wieviel verbrannte
Erde sie hinterlassen hat in ihrer ganzen Geschichte, um den
Sozialismus zu verhindern, ist uns bewußt. Deswegen wissen wir
genau:
- Der Imperialismus wird niemals
wie eine reife Pflaume dem Sozialismus in den Schoß fallen. So
hat die Praxis zur Genüge gezeigt, daß die Kapitalisten
es lieber vorziehen, die Nahrungsmittel zu vernichten, um die Preise
zu erhöhen und Extraprofite zu machen, als mit dem Überschuß
die Hungernden dieser Erde zu versorgen.
- Stalin
schreibt hierzu:
- "Könnte der
Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von
Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der Lage der
Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur
Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur
Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr,
sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter
und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch
der Kapitalismus kein Kapitalismus." (Stalin, Band 12, Seite
215)
- Wie sehr die heutigen
Produktionsverhältnisse auch hinter der Entwicklung der
Produktivkräfte zurückgeblieben sein mögen, sie m ü
s s e n früher oder später in Übereinstimmung kommen,
auf welcher Stufe auch immer. Im entgegengesetzten Fall käme es
zu einer tiefen Störung des Produktionssystems, zur Krise der
gesamten Weltproduktion, zur Zerstörung der Produktivkräfte
auf dem ganzen Erdball. Und genau das spielt sich heute schon
stündlich ab. Das heißt aber nicht, daß wir auf den
Tag "X" nur noch zu warten bräuchten.
- Stalin lehrt:
- "Bis zu einer gewissen
Periode vollziehen sich die Entwicklung der Produktivkräfte und
die Veränderungen auf dem Gebiete der Produktionsverhältnisse
als elementarer Prozeß, unabhängig vom Willen der
Menschen. Aber dies nur bis zu einem gewissen Augenblick, bis zu dem
Augenblick, wo die neu entstandenen und sich entwickelnden
Produktivkräfte die notwendige Reife erlangt haben. Nachdem die
neuen Produktivkräfte ausgereift sind, verwandeln sich die
bestehenden Produktionsverhältnisse und ihre Träger, die
herrschenden Klassen, in das 'unüberwindliche' Hindernis, das
nur aus dem Wege geräumt werden kann durch die b e w u ß
t e (von der Redaktion hervorgehoben) Tätigkeit der neuen
Klassen, durch gewaltsame Handlungen dieser Klassen, durch die
Revolution. Hier zeigt sich besonders klar die g e w a l t i g e
Rolle ( von Stalin hervorgehoben- die Redaktion) der neuen
gesellschaftlichen Ideen, die neuen politischen Einrichtungen der
neuen politischen Macht, die berufen sind, die alten
Produktionsverhßäßltnisse gewaltsam zu beseitigen.
Auf der Grundlage des Konflikts zwischen den neuen Produktivkräften
und den alten Produktionsverhältnissen, auf der Grundlage der
neuen ökonomischen Bedürfnisse der Gesellschaft entstehen
neue gesellschaftliche Ideen, die neuen Ideen organisieren und
mobilisieren die Massen, die Massen schließen sich zusammen zu
einer neuen politischen Armee, schaffen eine neue revolutionäre
Macht und benutzen sie, um die alten Zustände auf dem Gebiet
der Produktionsverhältnisse gewaltsam zu beseitigen und neue
Zustände herzustellen und zu verankern. Der elementare
Entwicklungsprozeß macht der bewußten Tätigkeit der
Menschen Platz, die friedliche Entwicklung der gewaltsamen
Umwälzung, die Evolution der Revolution." (Geschichte der
KPdSU - B, Seite 163)
- In der gegenwärtigen
Phase des parasitären Verfalls des Imperialismus vollzieht sich
eine gewaltige Umwandlung von produktiver Arbeit hin zur
unproduktiven Arbeit. Dieser überall zu beobachtende Trend ist
sehr bedeutsam, so daß wir uns auch hiermit beschäftigen
müssen:
- Vom kapitalistischen
Standpunkt aus haben die Produktivkräfte nur beschränkten
Charakter. Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den
Kapitalisten produziert. Produktiv ist für den Kapitalisten nur
diejenige Arbeit, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht. Die
andere Arbeit hingegen, die sich gegen Eigentum austauscht ist
- u n p r o d u k t i v. Die
unter den Bedingungen des Zerfalls vor sich gehende Aufblähung
des unproduktiven Sektors nimmt erdrückende Ausmaße an.
Das zeugt nicht nur von Schmarotzertum, sondern bedeutet auch eine
ungeheure Belastung der verbleibenden produktiven Arbeiter, die
sozusagen das ganze System auf ihren Schultern tragen, ohne die
alles schon zusammengebrochen wäre. Die Revisionisten und
andere bürgerliche Lakaien haben deswegen diese Tatsachen
tunlichst verschleiert, indem sie die Dienstleistungen, die
Intelligenz usw und sofort einfach für "produktiv"
erklärt haben, womit die Existenz der kapitalistischen
Ausbeutung selbst bestritten wird, auf die sich ja bekanntlich die
marxistische Mehrwerttheorie stützt. In einer
Dienstleistungsgesellschaft wäre dann die Ausbeutung
"beseitigt", weil es keine Arbeiterklasse mehr gäbe
und damit auch keine Notwendigkeit mehr, daß diese
Arbeiterklasse die Revolution macht. Mit anderen revisionistischen
Worten: Der Zerfall des Kapitalismus hebt die Ausbeutung
"automatisch" auf, und die Menschen können ihre Hände
beruhigt in den Schoß legen und die Selbstregulierungskräfte
des Kapitalismus schalten und walten lassen. »Der Kapitalismus
hat uns solange über Wasser gehalten, nun wird er das diesmal
auch weiter schaffen...« Das sagen sich alle, die vom
Kapitalismus profitieren, nicht diejenigen, die unter ihm zu leiden
haben, und das sind bei weitem nicht allein die verbliebenen
produktiven Arbeiter. Die aus dem Produktionsprozeß
herausgerissenen Produzenten reihen sich ja nicht automatisch alle
ins Lager der Müßßiggänger, Parasiten und
Schmarotzer ein. Sie haben schwer unter den Zerfallssbedingungen des
Kapitalismus zu leiden und schließlich sind sie es, die dazu
gezwungen werden, irgendwelche Dienstleistungen anzubieten, um sich
einigermaßen auf den Beinen zu halten. Es ist eine Schande,
daß diese wertvollen Menschen ihre Produktivkräfte nicht
für die gesellschaftlichen Bedürfnisse einsetzen dürfen,
faktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen sind und zur Strafe
noch darunter leiden müssen durch seelische Krankheiten,
Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Hunger und Elend. In der
sozialistischen Gesellschaft würden sie alle zu Millionen die
völlig überlasteten produktiven Produzenten unterstützen
können, die nun nicht mehr ihre Arbeitskraft an den
Kapitalisten verkaufen bräuchten. Schnell würden sich die
Produktivkräfte wieder erholen, würde es einen raschen
stabilen Wirtschaftsaufschwung geben. Vor allem würde auch
wieder die Arbeiterklasse ihre Spaltung und Konkurrent
untereinander, die Isolierung der einzelnen Arbeiter überwinden,
und was man niemals vergessen darf, das ökonomische Bündnis
mit den Bauern. Mit Beginn des Imperialismus, mit der Konzentration
des Kapitals, mit der Entwicklung der Großbetriebe, wurden die
Arbeiter in großen, mächtigen Produktionszweigen und
Betrieben zusammengefaßt, wo sie sich zu starken
Organisationen vereinigen konnten, wo sie konzentriert und effektiv
gemeinsame Interessen vorbringen und durchsetzen konnten, wo sich
ein starkes Klassenbewußtsein herausbilden konnte, wo
revolutionäre Situationen an der Tagesordnung waren. Heute hat
die Zentralisation des Kapitals, die Monopolisierung, die
Rationalisierung und Zusammenlegung zur Vermeidung von
Überkapazitßäßten usw i m
- G e g e n s a t z dazu
geführt, daß die riesigen Arbeiterheere in den großen
Fabriken abgebaut und in riesige Arbeitslosenheere z e r s p r e n g
t wurden und werden. Die proletarische Reservearmee tritt aber nicht
mehr wie zB in den zwanziger, Anfang dreißiger Jahren als
organisierte Kraft auf, sondern ist in Einzelindividuen zerstreut,
die isoliert ihr Schicksal bewältigen bzw durch Kirche oder
Gewerkschaften in Zaum gehalten werden. Das heißt, daß
der jetzige Zustand des Imperialismus auch einen Zersetzungsprozeß
in der Arbeiterklasse erzeugt hat, der jetzt, wo der kapitalistische
Staat nicht mehr die Versorgung der Existenz sichern kann, also in
einer zugespitzten Situation, alles sprengt und die Arbeitslosen
gegen den Staat aufbringen kann. Die Arbeitslosen werden auf die
Arbeitenden gehetzt und umgekehrt. Das heißt, wir müssen
in kürzester Zeit mit der Explosion der nicht mehr zu haltenen
sozialen Konflikte rechnen.
- Die Schmarotzer sitzen den
verelenden Massen im Nacken und dazu gehören nicht nur die
Bourgeoisie, sondern auch Arbeiteraristokratie, Teile der
Kleinbourgeoisie, Lumpenproletariat, eine bunte Mischung aus den
verschiedensten Kettenhunden, "Staatsdienern" und
Bürokraten aber auch "freischaffende" Privatbanden,
Mafias usw. dieses Unterdrückungs- und Ausbeutersystems,
sozusagen die Summe des Abschaums a l l e r im Kapitalismus
existierenden Klassen.
- Je mehr also die unproduktive
Arbeit über Maß zunimmt, desto mehr wächst der
Anteil der für den Kapitalismus tätigen unproduktiven
Arbeiter aber auch die arbeitslose Reservearmee, die die
kapitalistischen Eigentumsverhältnisse nicht stabilisieren,
sondern belasten. Es geht also auch darum, daß die Revolution
die scharfen Konkurrenzbedingungen unter den Arbeitern beseitigt,
die Produktivkräfte wieder mobilisiert, um damit die
Voraussetzungen für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft
zu schaffen.
- III Die
kapitalistischen Krisen
- Die Wirtschaftskrise ist
unvermeidliches Resultat des Kapitalismus selbst. Sie ist sozusagen
gemeinsam mit dem Kapitalismus auf die Welt gekommen. Sie kann im
Rahmen des Kapitalismus nicht verhindert werden. Jedenfalls hat
jeder, der es seit fast 200 Jahren versucht hat, damit bis auf den
heutigen Tag Schiffbruch erlitten. Mit jeder neuen Krise haben sich
gleich mehrere neue dazugesellt. Und von der ersten bis zur heutigen
Krise haben sich über die Jahrhunderte hinweg deren Tiefe und
Ausmaß gewaltig ausgedehnt. So wie die Krisen immer wieder
zwangsläufig das Weiterbestehen des Kapitalismus ermöglicht
haben durch eine gewaltsame Anpassung des auseinandergeklafften
Verhältnisses zwischen den Produktivkräften und den
Produktionsverhältnissen, genauso wird die Krise im Laufe ihrer
Entwicklung eines Tages dafür sorgen, daß der
altersschwach gewordene Kapitalismus sich von dieser Schocktherapie
nicht mehr erholt und sozusagen an "Herzversagen" ( zB
Crash in Wall Street) stirbt.
- Wer also die Krisen des
Kapitalismus abschaffen will, wer verhindern will, daß wir
wieder von der nächsten und übernächsten Krise
heimgesucht werden, bis alles den Bach runtergelaufen ist, der kann
dagegen nichts anderes tun, als den Kapitalismus j e t z t zu
zerschlagen.
- Stalin
hat in einpaar kurzen Sätzen die Ursachen der Krise erklärt:
- "Die Basis der Krise
liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter
der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der
Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des
Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen
der Produktionskapazitäten des Kapitalismus, der auf die
Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind,
und dem relativen Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage
seitens der Millionenmassen der Werktätigen, deren
Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des
äußersten Minimums zu halten suchen. Um im
Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst viel Profit
herauszupressen, müssen die Kapitalisten die Technik
entwickeln, eine Rationalisierung durchführen, die Ausbeutung
der Arbeiter verschärfen und die Produktionskapazitäten
ihrer Betriebe bis aufs äußerste steigern. Damit keiner
hinter dem anderen zurückbleibe, sind alle Kapitalisten
gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen Weg rasender
Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten. Aber
der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der
Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die
Hauptkäufer sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die
Überproduktionskrisen. Daher die bekannten Resultate, die sich
mehr oder weniger periodisch wiederholen, kraft deren die Waren
unverkauft bleiben, die Produktion zurückgeht, die
Arbeitslosigkeit wächst, die Löhne gesenkt werden, wodurch
sich der Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau
der zahlungsfähigen Nachfrage noch mehr verschärft. Die
Überproduktionskrise ist der Ausdruck dieses Widerspruchs in
stürmischen und verheerenden Formen." (Stalin, Band 12,
Seite 214-215).
- Mit jeder Betriebsstillegung,
mit jeder Werksschließung im In- und Ausland, mit jeder
Auflösung von ganzen Industrieregionen und Industriezweigen,
mit der Abschaltung der Wirtschaft ganzer Länder, die für
den Weltmarkt produziert haben, mit der Wiederausschaltung gerade
auf dem neuesten Stand der Technik hochgezogener
Wirtschaftseinheiten, wird das Kapital vernichtet und entwertet,
außer Funktion gesetzt, liegt das Kapital brach, müssen
Folgekosten dieses Wahnsinns aufgebracht werden. Interessant ist
auch diese Erscheinung nicht nur auf dem Industrie- und gleichzeitig
auf dem Agrarsektor, sondern in zunehmendem Maße auch im
Bereich des Finanzkaptals selbst.
- Das gegenwärtige
Weltwährungssystem steht vor dem Ruin. Die Zuspitzung der
Währungskrise ist in erster Linie auf die ungleichmäßige
Entwicklung besonders der einzelnen reichen Länder
zurückzuführen und dazu gehört auch die
Ungleichmäßigkeit der unterschiedlichen nationalen
Inflationsraten. Die Produktion geht überall drastisch zurück,
die Handelsdefizite erhöhen sich. Es häufen sich enorme
Wertverluste auf dem Kapitalmarkt durch die parasitären
Erscheinungen in der Wirtschaft. Die Staatshaushalte in der ganzen
Welt sind rettungslos verschuldet und der Bankrott in einem Lande
wird den Bankrott im nächsten Land nach sich ziehen. Das ist
für jedermann vorauszusehen und wird nur eine Frage der Zeit
sein. Auch die Inflation hat in den meisten Ländern schon
schwindelnde Höhen erklommen. Der Zusammenbruch der Weltbörsen
ist vorprogrammiert, besonders beschleunigt durch das ruinöse
Spekulantentum. Wir erleben gegenwärtig die größten
Bankpleiten der Geschichte. Wir werden in einer Zeit der
Börsenzusammenbrüche und des Kollaps des
Weltwirtschaftssystems eintauchen. Ein großer Teil dieser
ganzen Zusammenbrüche soll dazu dienen, sich die Gläubiger
vom Hals zu schaffen. In dieses Pokerspiel mit den Schulden sind
alle Länder der Welt verwickelt. Und der Verlierer steht für
diese Spieler schon fest: die Völker der Welt. In den meisten,
besonders ärmeren, Ländern der Welt wirkt durch die
Überproduktionskrise in den reichen Industrieländern die
Unterproduktionskrise, die Unterversorgung der Menschen. Und diese
Unterproduktionskrise beginnt jetzt gleichzeitig auf die reichen
Länder überzuschwappen.
- Inzwischen haben sich die
Grundpfeiler des Kapitalismus dermaßen geschwächt, daß
die Krise gar nicht mehr Zeit hat, sich zu erholen, daß eine
chronische Siechtumserscheinung auftritt, die bei geringsten
Anlässen unvermeidlich neue Entzündungsherde aufbrechen
läßt, deren Vertiefung sich ungehindert immer weiter und
gefährlicher in die Länge zieht und ein Abflauen der Krise
verhindert bzw die Heilung der Wunden unmöglich macht. Wenn die
Kapitalisten dies sogar selber zugeben und sich nicht mehr viel Zeit
zum Überleben geben, dann müssen wir Kommunisten heute
äußerst hellhörig werden und der Sache sozusagen auf
den Grund gehen.
- Wenn wir jetzt einfach darüber
hinwegsehen, wie schwer der Kapitalismus heute von seiner Krise
angeschlagen ist, wie schnell die jetzige Krise Kreise zieht, sich
unvermindert weiter ausbreitet und lawinenartig viele
unumstößlichen, "eisernen" Gesetze über
den Haufen rollt, wenn wir all das nicht begreifen, was jetzt um uns
herum geschieht, daß die Geschichte ins Rollen gekommen ist
und den ganzen Mist der vergangenen Jahrzehnte an die Oberfläche
wirbelt, dann werden wir historisch scheitern, werden wir
Kommunisten im Nichts versinken. Wir müssen jetzt all unsere
ganze Kraft einsetzen, diese jetzt kommende Gelegenheit
revolutionären Umschwungs nicht zu verpassen. Wir sind dazu
berufen, Dampf zu machen - ganz vorne auf der ersten Barrikade.
Genau jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir nicht mehr zu unseren
Schwächen hinunterschauen dürfen, sondern wo jeder von
uns, wo wir gemeinsam, Sprosse für Sprosse mit dem Blick nach
oben emporklettern! Diesen Anstoß müssen wir
Revolutionäre uns jetzt selber geben! Es ist egal, wer jetzt
hier oder dort steht, jetzt müssen wir maschieren - und wenn es
sein muß ganz allein, aber m a s c h i e r e n ! m ü s s
e n !
- w i r !
- Wir dürfen nicht den
Fehler Rosa Luxemburgs machen, die trotz ihrer Fehler eine
großartige, vorbildliche, deutsche Genossin war, die aber zu
einem mechanistischen Verständnis hintendierte, was ihre
Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus angeht. Es gibt keinerlei a b
s o l u t e ökonomische Schranke für den Kapitalismus. Der
ökonomische Zusammenbruch löst nicht automatisch die
Revolution aus oder macht die Spontaneität der Massen zum
bewußten Handeln. Lenin hat sich vom Spontaneismus und
Ökonomismus ideologisch sehr klar abgegrenzt und diese
bürgerlichen Einflüsse in der Arbeiterbewegung bekämpft,
indem er eine starke bolschewistische Partei aufbaute. Wenn der
Zusammenbruch ökonomisch käme, wäre er schon längst
überfällig. Warum ist er dann noch nicht da? Auch unter
den günstigsten Bedingungen des objektiven Faktors gelangt die
Arbeiterklasse nicht automatisch, nicht ohne größte
Schwierigkeiten und Opfer (gerade dann nicht!!) ans andere Ufer des
Sozialismus. Und genau das können wir Kommunisten nicht wollen,
weil wir dann aufhören, Kommunisten zu sein... und wenn wir
dann trotzdem weiter vorgeben, Kommunisten zu sein, sind wir schon
zu Opportunisten verkommen, die immer stillhalten und andere am
Ärmel zurückreißen, um in Ruhe auf den großen
"Kladderadatsch" zu warten.
- Lenin
lehrte, daß die Sprengung der kapitalistischen
Produktionsverhältnisse durch die Produktivkräfte eine
- p o l i t i s c h e Tat der
Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei ist. In seiner
Schrift "Karl Marx" kann man dazu folgende wichtige
Aussage finden:
- "Die
Vergesellschaftung der Arbeit, die in 1000fältiger Form mit
ständig zunehmender Geschwindigkeit vorwärtsschreitet und
in dem halben Jahrhundert seit dem Tode von Karl Marx besonders
sinnfällig in Erscheinung tritt im Wachstum der großen
Industrie, der kapitalistischen Kartelle, Syndikate und Trusts,
ebenso im gigantischen Anwachsen des Umfangs und der Macht des
Finanzkapitals - ist die entscheidende materielle Grundlage für
das unvermeidliche Kommen des Sozialismus. Die intellektuelle und
moralische Triebkraft, der physische Vollstrecker dieser Umwandlung,
ist das vom Kapitalismus selbst geschulte Proletariat. Sein Kampf
mit der Bourgeoisie, der sich in verschiedenen und immer
inhaltsreicheren Formen äußert, wird unvermeidlich zum
politischen Kampf, der auf die Eroberung der politischen Macht durch
das Proletariat (Diktatur des Proletariats) abzielt." (Lenin,
"Karl Marx")
- So ist ja auch der
imperialistische Staat ausgedehnt und aufgebläht worden, um die
Ausbeutung und Unterdrückung zu verschärfen, um somit die
Lasten der Krise abzuwälzen. Die Wende zum
staatsmonopolistischen Kapitalismus war für die Monopole
zwingend notwendig, um zu versuchen, ein Instrument gegen die Krisen
zu schaffen, den Staat völlig den Interessen der Monopole und
der Finanzoligarchie unterzuordnen. Das Taylorsystem des Betriebes
wurde dem Staat übergestülpt.Das funktioniert nicht auf
ewig. Heute ist von dem Wohlfahrtsstaat ( Wohlfahrt für die
Reichen auf Kosten der Armen) nichts mehr übrig geblieben. Dem
Staat wachsen die Probleme über den Kopf. Heute weiß die
Monopolbourgeoisie, daß dies Modell gestorben ist und darüber
hinaus noch mehr Probleme als vorher hinterlassen hat. Der Staat ist
ihnen hinderlich geworden und am liebsten würden sie ihn zum
Mond schießen, aber das würde ihnen noch teurer zu stehen
kommen. Jetzt sitzen sie in der Klemmen. Der Staat kann das Sprudeln
der Profitquelle nicht für alle Kapitalisten, sozusagen als
gesamtkapitalistischer Vater, gesetzlich verordnen und an alle
gleichmäßig verteilen. Das würde sich mit dem
Wolfsgesetz der Konkurrenz gar nicht vertragen, wo einer den anderen
auffrißt. Und so sind einige Staatsmonopolisten bequem
geworden, hat man sich in den bürokratisch verfilzten
Chefsesseln zu lange ausgeruht, was sich nun auf dem bis zum
Zerreißen angespannten Konkurrenzkampf in der Welt voll
auswirkt. Da hat man in Deutschland zu lange geschlafen, weil es zu
lange "gut" lief. So ist durch die Bürokratisierung
die Manövrierfähigkeit des Kapitals eingeschnitten worden,
sodaß dadurch große Wertverluste hingenommen werden
mußten. Langfristige Geschäfte sind riskant, weil die
Lage zu unsicher ist, weil sich in kürzester Zeit die
Verhältnisse verändern und neben der schnellen Mark lauert
auch der schnelle Bankrott. Um noch mithalten zu können, werden
die Kapitaltransaktionen immer waghalsiger im verschärften
Weltmarktgeschehen.
- Das gesteigerte Risiko hängt
in letzter Instanz mit der ungeheuren Zunahme des Kapitals zusammen,
das sozusagen überschäumt, ins Ausland strömt usw.
Und zugleich bringt das beschleunigte Tempo der technischen
Entwicklung immer mehr Elemente des Mißverhältnisses
zwischen den verschiedenen Teilen der Volkswirtschaft, immer mehr
Chaos und Krisen mit sich (Lenin).
- Die Nachteile der
verbürokratisierten staatsmonopolistischen Zentralisation
mußten dringend geändert werden. Dies hatte auch eine
Privatisierungswelle zur Folge, die aber den Monopolisten nicht
schnell genug geht und wo auch mit Gegnern im eigenen Lager zu
rechnen ist, die mit dem Staatsmonopolismus besser gelebt haben und
nun zu recht Angst haben, ihre Pfründe zu verlieren. Dies
schafft innere Widersprüche, deren Austragung an die Substanz
gehen. Mit anderen Worten: das Kapital läßt sich nicht
steuern, es folgt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten - der
Anarchie der Produktion, chaotisch sprunghaft, ruckartig. Es läßt
sich weder eine Steigerung des Profits (stattdessen Fall der
Profitrate) staatlich verordnen, noch die kapitalistische Krise
regulieren (ein großer Wolf frißt die kleinen;
Handelskriege; Weltkrieg usw.) Unter dem Kapitalismus gibt es keine
anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit
wiederherzustellen, als Krisen in Industrie und Handel, auf dem
Agrarsektor und im Bankwesen und Kriege in der Politik. Die
Ausschaltung der Krisen durch Kartelle oder staatliche Instrumente
ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. Jede
Regulierung insgesamt führt zur Chaotisierung einzelner
ökonomischer Organismen und umgekehrt wirken sich wohltuende
Maßnahmen in bestimmten Branchen chaotisch auf die gesamte
kapitalistische Produktion aus.
- Zurück zu Karl
Marx und seinem Gleichnis vom Kapitalismus und dem
Hexenmeister:
- "Die bürgerliche
Produktions- und Verteilungsverhältnisse, die bürgerlichen
Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche
Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel
hervorgezaubert hat, gleicht dem H e x e n m e i s t e r, der die
unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag. Seit
Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur noch
die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte
gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die
Eigentumsverhältnisse, welche die Lebensbedingungen der
Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die
Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr
immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen
Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer
Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern sogar der bereits
geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.
In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche
allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre -
die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich
plötzlich in einen Zustand momentaner (!) Barbarei
zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner
Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu
haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet und warum? Weil
sie z u v i e l Zivilisation, z u v i e l Lebensmittel, z u v i e l
Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung
stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen
Zivilisation und der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse;
im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse
geworden, sie werden von ihnen gehemmt, und sobald sie diese Hemmnis
überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft
in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen
Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng
geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.-
- Wodurch überwindet die
Bourgeoisie die Krisen?
- Einerseits durch die
erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften;
andererseits durch die Eroberung neuer Märkte, und die
gründlichere Ausbeutung der alten Märkte. Wodurch also?
- Dadurch, daß sie
allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den
Krisen vorzubeugen, vermindert.
- Die Waffen, womit die
Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich
jetzt gegen die Bourgeoisie selbst. Aber die Bourgeoisie hat nicht
nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch
die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die
modernen Arbeiter, die P r o l e t a r i e r."
- Und der Imperialismus ist auch
nicht ohne den anti-imperialistischen Befreiungskampf der Völker
ins Leben getreten und wird diese Welt auch nicht zuletzt durch
diesen Befreiungskampf wieder verlassen.
- IV Der
sterbende Kapitalismus und die Verelendung der Massen
- Die Revisionisten und andere
linke bürgerliche Theoretiker wollen uns darüber belehren,
daß die marxistische Verelendungstheorie heut keine Gültigkeit
mehr hat. Wenn man die bestochene, faule Arbeiteraristokratie
betrachtet, dann fallen sie sicher nicht unter Verelendung. Wir aber
müssen als Marxisten hingucken, wie es der breiten Masse geht,
und da sind die Probleme heute riesengroß.
- Lassen wir Karl
Marx selber sprechen:
- "Die
Anhäufung des Reichtums auf der einen Seite ist gleichzeitig
Anhäufung von Elend, Arbeitshetze, Sklaverei, Unwissenheit,
Brutalität und moralischer Verfall auf der anderen."
- Gegen diese Feststellung ist
wohl heute nichts einzuwenden oder?
- In der kapitalistischen
Ordnung haben die Produktionsverhältnisse einen d o p p e l t e
n Charakter, denn im Rahmen der Verhältnisse, in denen Reichtum
geschaffen und wieder zerstört wird, da wird auch Armut erzeugt
und wieder eines Tages verschwunden sein. Im Kapitalismus gehört
die Armut als Gratisbeilage zum System, im Kommunismus ist die Armut
für immer abgeschafft. Im Rahmen der Verhältnisse, in
denen die Produktivkräfte wieder zerstört werden, werden
auch die Kräfte zerstört, die ausbeuten und unterdrücken.
Der Kapitalismus wird also niemals das erreichen, wovon die
Sozialdemokraten so schwärmen : sozial stabiles
Wohlfahrtsstaat-Gleichgewicht bei Sicherung von Höchstprofiten.
Entweder bricht der Arbeiter unter dem Joch des verfaulenden
Kapitalismus zusammen oder er schüttelt das Joch ab. Beides
zusammen geht nicht.
- Und was besagt - kurz gefaßt
- die marxistische Verelendungstheorie ?
- Die relative Verelendung der
Arbeiterklasse findet ihren Ausdruck in der ständigen
Verringerung des Anteils, den die werktätigen Massen am
Nationaleinkommen erhalten und in der Vergrößerung des
Anteils, den die Kapitalistenklasse sich nimmt. Eine kleine Schicht
besitzt 95% des gesamten, erwirtschafteten Reichtums, während
die Millionenmassen nichts besitzen, um es einmal plastisch
auszudrücken.
- Und nun die a b s o l u t e
Verelendung: Sie drückt sich aus in der ständigen
Verringerung des Reallohns, in der Vergrößerung der
Arbeitslosigkeit, des sozialen Abstiegs aller Klassen, der
wachsenden Armut und Obdachlosigkeit, Sozialabbau, Hunger und
Erfrieren bei den Ärmsten der Armen usw - also all die
Eiterbeulen des Kapitalismus, die heute dieser Gesellschaft den
charakteristischen "Sozialstaats"Stempel , "Made in
Germany" aufgedrückt haben. Der Marxismus-Leninismus hat
bewiesen, daß die absolute Verelendung der werktätigen
Massen nicht periodischen Charakter hat, daß es also
zwischendurch den Massen mal wieder besser geht, sondern daß
die absolute Verelendung eine Gesetzmäßigkeit der
kapitalistischen Produktionsweise ist. Sie ist ständiges
Problem, ein chronisches Leiden dieser Gesellschaft und in allen
Phasen des ökonomischen Zyklus vorhanden. Arbeitslosigkeit ist
also nicht verschwunden, wenn der "Aufschwung" seinen
Höhepunkt erreicht, sondern das Millionenheer von Arbeitslosen
vermehrt sich stetig weiter. Die ökonomischen
Überproduktionskrisen, die ihrerseits der Verelendung der
Werktätigen entspringen, sind nur einer der Faktoren, die das
Wirken dieser Gesetzmäßigkeit steigern, denn die
Monopolbourgeoisie wälzt stets die ganze Last der Krise voll
auf dem Rücken der breiten werktätigen Massen ab.
- "Der
letzte Grund aller wirklichen Krisen," so hat es
Karl Marx herausgefunden, "bleibt
immer die Armut und Konsumtionsbeschräßkung der Massen
gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die
Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute
Kommunikationsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde".(
Marx, "Das Kapital", Band III, Seite 528)
- Die reichsten Länder
produzieren nicht nur die größte Armut in ihren Kolonien,
sondern auch in ihrem eigenen Land. Je größer die Armut
wächst, desto tollere und frechere Spekulationen setzt die
herrschende Klasse an, um aus Hunger und Not noch mehr auf
staatlichem wie auf privatem Wege zu erraffen und zu ergaunern. Eine
zahlreich und vielschichtig heranwachsende Schicht von Parasiten
saugen hartnäckig und unerbittlich solange an den Ärmsten
der Armen, bis diese nicht mehr lebensfähig sind und auf der
Strecke bleiben.
- Wenn wir die Auswirkungen der
imperialistischen Krise auf die Arbeiterklasse zusammenfassen, so
müssen wir heute feststellen, daß die Krise für den
Arbeiter = Arbeitslosigkeit, Lohnraub, vermehrte Sterblichkeit,
vorzeitige Invalidität, erhöhte Kriminalität und
Prostitution, Verrohung der Moral usw, mit sich bringt, daß
die herrschende Klasse ungeheures Elend ausgerechnet über die
fortschrittlichste Klasse der kapitalistischen Gesellschaft
ausschüttet. Die Arbeiterklasse wird auf die unterste Stufe der
sozialen Leiter gedrückt, obwohl sie den meisten Reichtum
schafft.
- Schon im Kommunistischen
Manifest haben Marx und Engels den
Pauperismus beschrieben:
- "Der
Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch
rascher als die Bevölkerung und Reichtum. Es tritt hiermit
offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch
länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben, und
die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes
Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie
unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner
Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage
hinabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von
ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter
ihr leben, d.h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der
Gesellschaft".... in diesem oder jenen Land, sondern
heute auf dem ganzen Erdball . Der Imperialismus hat heute
gründliche Arbeit geleistet. Niemand und nichts auf der Welt
hat in der gesamten Geschichte der Menschheit soviel Armut und
Elend, soviel Hunger und Tod produziert, soviel Katastrophen und
Naturzerstörungen "produziert", wie der
Imperialismus, wie die heutige "moderne" Gesellschaft.
Wenn diese Situation so weitergeht und sie wird so weiter gehen,
dann wird es den revolutionären Kräften nicht nur sehr
schwer gelingen, sich für die große Schlacht zu rüsten,
sondern die Revolution auch durchzustehen, denn diese wird noch viel
größere Opfer und Schwierigkeiten mit sich bringen. Aber
die Armut wird auch nicht spurlos an der Bourgeoisie vorbeigehen.
Ihre Macht wird geschwächt werden und mit Sicherheit nicht so
stark bleiben wie sie jetzt noch ist. Wenn sie zu weit geht und sie
muß zu weit gehen, um selber zu überleben, dann werden
sie von den Massen eines Tages überrollt.
- Die Ursachen der Verelendung
dieser Welt liegen am Privateigentum. Die Beseitigung der Armut
setzt also die Abschaffung des Privateigentums an den
Produktionsmitteln voraus. Solange es Armut und Not auf der einen
Seite und Reichtum in Überfluß auf der anderen Seite
gibt, wird es auch Revolutionen geben, denn wozu sonst sind
Revolutionen da ? Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir
nur selber tun.
- Engels
lehrte:
- "Die Lage der
arbeitenden Klasse ist der tatsächliche Boden und Ausgangspunkt
aller sozialen Bewegungen der Gegenwart, weil sie die höchste,
unverhüllteste Spitze unserer bestehenden sozialen Misere ist"
(Engels, "Die Lage der arbeitenden Klasse in England).
- Die erste Sorge des Menschen
war stets die Sorge um das tägliche Brot.
- Ganz anders im Kommunismus. Da
wird es weder Arme noch Reiche, sondern Wohlstand für alle
geben.
- In unserem Parteiprogramm
der KPD/ML halten wir an diesem Ziel
fest:
- "Alle sozialen
Ungleichheiten sind aufgehoben... und die Gesellschaft ist
klassenlos. Die Entfaltung der Produktivkräfte wird durch
keinerlei gesellschaftliche Schranken mehr gehemmt. Die elemantaren
Kräfte des kapitalistischen Weltmarktes und des planlosen
Waltens der Konkurrenz, des blinden Gangs der gesellschaftlichen
Produktion, sind vollständig beseitigt. Im einheitlichen
kommunistischen Weltsystem erfolgt die gesellschaftliche, planmäßige
Produktion entsprechend den rasch wachsenden Bedürfnissen der
Gesamtheit. An die Stelle riesenhafter, unproduktiver Ausgaben, der
gigantischen Vergeudung von Produktivkräften in der
kapitalistischen Vergangenheit ist die geordnete Verfügung über
alle materiellen Reichtümer, die zweckmäßigste
Ausnutzung der Naturkräfte und der natürlichen
Produktionsbedingungen der einzelnen Weltteile getreten. Die
weltweite Vereinigung von Wissenschaft und Technik, von
Forschungsarbeit und umfassender Anwendung ihrer Ergebnisse für
die Gesellschaft, die planmäßige Organisierung der
wissenschaftlichen Arbeit, die weltweite Einführung
vervollkommneter Methoden statistischer Erfassung und planmäßiger
Regulierung der Wirtschaft, schließlich das rasche Anwachsen
der gesellschaftlichen Bedürfnisse als stärkstem Antrieb -
alles das sichert der gesellschaftlichen Arbeit ein Höchstmaß
an Produktivität, macht eine ständige Hebung des
Wohlstandes der gesamten Menschheit und die stärkste Verkürzung
der der materiellen Produktion gewidmeten Zeit möglich... Die
Arbeit, die im Kapitalismus ein Schaffen für den Klassenfeind
war, ist aus einem bloßen Mittel zum Leben zum ersten
Lebensbedürfnis geworden. Jeder arbeitet freiwillig nach seinen
Fähigkeiten... Jeder nimmt sich frei nach seinen
Bedürfnissen...
- Mit der endgültigen
Vernichtung der kapitalistischen Anarchie der Produktion und der
Konkurrenz im Weltmaßstab sind im Kommunismus auch die
verheerenden Krisen und die noch verheerenderen Kriege ein für
alle mal verschwunden. Die gesamte Menschheit hat ihr Schicksal in
die eigene Hand genommen. Nach der endgültigen Abschaffung
aller Kriege, in denen ungezählte Menschenleben und
unschätzbarer Reichtum vernichtet wurden, kann die geeinte
Menschheit nun ihre ganze Energie auf den Kampf mit den
Naturkräften, auf die Entwicklung und Hebung ihrer kollektiven
Macht verwenden."
- Diese Arbeit hat einen völlig
anderen Charakter als die Arbeit im Kapitalismus. Lenin
beschreibt dies folgendermaßen sehr eindrucksvoll:
- "Kommunistische Arbeit
im engeren und genauen Sinne des Wortes ist unbezahlte Arbeit zum
Nutzen der Gesellschaft, die man leistet, nicht um eine bestimmte
Dienstpflicht zu erfüllen, nicht um Anspruch auf bestimmte
Produkte zu erhalten, Arbeit, die nicht nach vorher festgelegten,
gesetzlichen Normen geleistet wird, sondern freiwillige Arbeit,
Arbeit ohne Norm, Arbeit die geleistet wird, ohne auf Entlohnung,
aus der Gewohnheit, für das Gemeinwohl zu arbeiten, und aus der
( zur Gewohnheit gewordenen) Erkenntnis von der Notwendigkeit der
Arbeit für das Gemeinwohl, Arbeit als Bedürfnis eines
gesunden Organismus." (Lenin, "Von der Zerstörung
einer Ordnung zur Schaffung einer neuen", Band 30, Seite 510).
- Wir sind noch sehr weit davon
entfernt, bis die breite Masse so arbeitet, aber wir Kommunisten
leisten diese Arbeit schon über 150 Jahre unter den Bedingungen
des Kapitalismus, lebenslänglich...unter den größten
Schwierigkeiten und Anfeindungen...freiwillig, ohne etwas zu
verlangen. Wie stark muß also unsere kommunistische
Überzeugung sein, wenn wir ohne etwas dafür zu erhalten
sogar unser Leben dafür hergeben würden.(..Das fürchtet
die Bourgeoisie, der man nur gegen Bares hilft.).. und so arbeiten
unsere Genossinnen und Genossen teilweise schon über 20 Jahre
lang nach der Devise: Wenn wir mit wenigen Leuten weiterhin Großes
vollbringen wollen, dann müssen wir immer wieder mit dem
Kleinen beginnen. Und wenn die alte Gesellschaft gestürzt ist,
und wir die neue Gesellschaft aufbauen, dann können wir eben
auch nur mit Kleinem beginnen, aber die Eigenschaften des
Proletariats sind die Bürgschaft dafßüßr,
daßßß das Proletariat siegen und voranschreiten
wird anstatt das Handtuch zu werfen und mit der Bourgeoisie
unterzugehen. Wir wollen, daß es der Arbeiterklasse eines
Tages mal besser geht, dafür kämpfen wir- allem
Antikommunismus zum Trotz.
- Wir Kommunisten beschränken
uns in häufig falsch verstandener Weise nicht auf Verteilung
von Almosen, auf die gerechte Aufteilung des Reichtums der
Bourgeoisie. Es entspricht der festen Überzeugung der Marxisten
und den Erfahrungen des Lebens, daß ein gerechtes
Verteilungssystem nur dann nutzbringend sein kann, wenn es sich auf
eine mächtige, ständig wachsende Produktion stützt,
wenn die Gesellschaft nicht nur daran denkt, wie die vorhandenen
Güter aufgeteilt werden sollen, sondern auch daran, wo der
Nachschub herkommt, wie sie ständig vermehrt und qualitativ
verbessert werden können.
- Aber die alten Kräfte des
Monopolkapitals werden niemals zum Fortschritt der Menschheit
beitragen wollen und können. Der Kommunismus ist schon von
Anfang an ihr Erzfeind und das mit gutem Grund wie wir alle wissen.
So werden die letzten Pfennige zusammenkratzen für Mittel und
Methoden zur Hinauszögerung des Untergangs, also zum Schaden
der Menschheit. Dabei bedient sich das Monopolkapital vor allem
ihres reaktionären Staatsapparats. Die Scheußlichkeiten
des Faschismus sind gerade solch ein Ausdruck des verzweifelten,
menschenfeindlichen Bemühens, die Durchsetzung der historischen
Notwendigkeiten zu verhindern. Wenn's der Bourgeoisie an den Kragen
geht, läßt sie die 'demokratischen' Masken fallen und
errichtet die offene konterrevolutionäre Diktatur. Aber die
Vergangenheit holt die Bourgeoisie immer wieder ein. Deswegen wird
von der Bourgeoisie die Faschisierung in Deutschland mit
Fingerspitzengefühl, schrittweise, demagogisch verhüllt
eingefädelt und zugleich mit den alten Nazitricks: "Haltet
den Dieb!" Friedens- und Antifaschismusdemonstrationen der
Regierung werden einfach vorgegaukelt, um im Verborgenen den
Faschismus einsatzbereit zu halten für den Tag X.
- Von Stalin wissen wir, daß
der Pferdewechsel im Stall der Regierung und der Wechsel von
demokratischen, parlamentarischen Formen zu diktatorischen,
faschistischen Formen Notbremse in einer Situation der Schwäche
bedeutet. Die Bourgeoisie m u ß zu diesen Mitteln greifen,
obwohl sie weiß, was ihr danach blüht. So ist jetzt auch
die Finanzpolitik einzuschätzen. Die Regierung i s t schon
längst pleite und sie m u ß zum äußersten
Schutz der herrschenden Klasse Mittel eintreiben für Militär,
Polizei, Justiz usw.
- Es ist bekannt, daß der
staatliche Finanzapparat aufs engste mit den kapitalistischen
Großbanken verflochten ist. Die Finanzkapitalisten bekleiden
oft sogar hohe Staatsämter und umgekehrt. Korruption und
Skandale stehen momentan in Politik und Wirtschaft hoch im Kurs und
tief im Ansehen der notleidenden Bevölkerung. Im Griff der
schwersten "Rezession" greift die Bourgeoisie also nicht
nur zur Gewalt, Terror, Massenentlassungen usw., sondern macht sich
mit kriminellen Tricks am Geldbeutel der Bürger zu schaffen.
All das ist Ausdruck dafür, in welchem Fäulnisprozeß
die Bourgeoisie sich bereits befindet, was sie deswegen aber nicht
ungefährlicher macht, im Gegenteil versucht sie, die ganze Last
ihres Befalls auf die Bürger abzuschütteln, vor allem auf
die Arbeiterklasse. Die Bourgeoisie schreckt vor keinem Betrug und
keinem Verbrechen zurück. Sie geht sogar über Leichen
wegen des Profits.
- Diese moralische Entartung und
Verstümmelung der Menschlichkeit tritt immer besonders in
Kriegs- und Krisenzeiten des Kapitalismus augenscheinlich hervor. In
der heutigen Situation haben Angst, Resignation, Pessimismus,
Unsicherheit, Lebensmüdigkeit im täglichen Leben
erschreckende Ausmaße angenommen. Diese Gesellschaft kann man
schon gut und gerne als eine entwurzelte und kaputte, bzw
kaputtmachende Gesellschaft bezeichnen. Die niedrigsten Instinkte
und Leidenschaften haben hier freien Auslauf, das Elend des anderen
macht nicht mehr allein gleichgültig, sondern wird vergrößert,
um das eigene Elend zu verkleinern. Jeder bekämpft jeden. Jeder
ist jedermanns Gejagter und Jäger. Es werden
Katastrophenmeldungen tonnenweise ausgeleert, bis das abstumpft und
die Leute sogar dagegen aggressiv werden, das heißt also nicht
Mitleid, Hilfe usw, wird geweckt, sondern Ablehnung, Haß,
Widerwillen und genau dann ist jemand für die Bourgeoisie
"reif", um in den Krieg zu ziehen mit dem richtigen
"Killerbewußtsein". So werden die Menschen heute zu
ihren e i g e n e n Gefangenen, Sklaven, Killermaschinen usw
gemacht. Die Wohnung wird zur Festung, die Straße zum
Dschungel, der Arbeitsplatz zur Hölle. Es gibt nichts lebens-
und liebenswertes mehr, alles ist bedrohlich, gefährlich,
belastend geworden, die Moral der Gesellschaft stirbt ab am
lebendigen Geiste. Die Moral des Verfalls versucht jede Moral, die
sich dagegen auflehnt, anzustecken und unschädlich zu machen.
Der Kapitalismus ist entfesselt und auf dem Horrortrip - vor allem
wenn Geld , viel Geld, im Spiel ist. Ja, mit Geld kannst du alles
erreichen, ohne Geld zählst du nichts. So hat sich diese
Gesellschaft selbst ausgestoßen, ausgeworfen, übrig sind
nur noch 1% Elite. Moral u