Einheit der Volksmarinedivision auf dem Pariser Platz in Berlin
1918
vor 85 Jahren
deutsche Novemberrevolution
Die Lehren der Novemberrevolution sind auch heute aktuell
Sonntagsausgabe Die rote Fahne - vom 10. November 1918 :
“Stolz weht die rote Fahne über der Reichshauptstadt. Spät ist Berlin dem glorreichen Beispiel der Kieler Matrosen, der Hamburger Werftsarbeiter und den Soldaten- und Arbeitern verschiedener anderer Städte gefolgt. Die Bewegung hat auch hier trotz umfassender Rüstungen von Polizei und Militär einen schnellen ersten Sieg errungen. Die Soldaten folgen dem roten Banner, und die Polizei hat kapituliert, ihre Ohnmacht erkennend. Die rote Fahne weht über Berlin, der Kaiser hat abgedankt, ein neues Ministerium wird gebildet. Es ist wie bei allen bürgerlichen Revolutionen, die Ereignisse überstürzen sich, alle Ereignisse scheinen in Feuerbrillianten gefasst, die Extase ist die Atmosphäre des Tages, so spricht Marx. Aber er spricht auch von dem Katzenjammer, der den bürgerlichen Revolutionen folgt. Hüten wir uns vor einem Katzenjammer. Diese Revolution muss nicht nur hinwegschwemmen alle Reste und Ruinen des Feudalismus, sie muss nicht nur brechen alle Zwingburgen des Junkertums, sie muss nicht nur ein Ende machen mit jener unheilvollen Zersplitterung in Vaterländer und Vaterländchen, ihre Losung heißt nicht nur Republik, sondern s o z i a l i s t i s c h e Republik! Ihr Banner ist nicht die schwarzrotgoldene Fahne der bürgerlichen Republik von 1848 und der russischen Revolution von 1905 und 1912. Die Umwälzung im Deutschen Reiche muss unter diesem Zeichen die Bahn freimachen für den Sozialismus. Aus dem Schutt und den Trümmern des Weltkrieges muss das revolutionäre, siegreiche Proletariat die neue Wirtschaft errichten. Dazu bedarf es der politischen Macht und der wirtschaftlichen Kräfte. Die nächsten Aufgaben auf diesem Wege sind schneller Friede, wirkliche proletarische Herrschaft, Umbau der Wirtschaft vom Schein-Sozialismus des Krieges zum wirtschaftlichen Sozialismus des Friedens. Noch stehen wir am Anfang dieses schwierigen und vielleicht von Rückschlägen nicht freien Weges, Nicht gilt es, sich vorschnell des errungenen Sieges zu freuen.
Arbeiter und Soldaten!
Organisiert euch, befestigt eure Macht!
Behaltet die Waffen! Haltet fest an den alten sozialistischen Forderungen der Republik und des Sozialismus!
Denkt daran, dass alle Reformen nur Stückwerk sind, wenn sie nicht als Mittel betrachtet werden, endlich aus dem Elendstal des Kapitalismus in das so lange ersehnte Land der Errichtung des Sozialismus zu führen!
Lasst euch nicht täuschen durch allzu schnelles Umlernen!
Es gilt, das Errungene zu behaupten und weiter auszubauen!
Vorwärts unter dem siegreichen Banner der roten Fahne!
Gruß an die russische Sowjetrepublik:
Die Rote Fahne (Organ der Spartakusrichtung) schickt ihren ersten und heißesten Gruß der föderativen sozialistischen Sowjetrepublik und bittet sie, unseren russischen Brüdern kundzutun, dass die Berliner Arbeiterschaft den ersten Jahrestag der russischen Revolution gefeiert hat durch die Vollbringung der deutschen Revolution.
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85 Jahre sind vergangen seit dem November des Jahres 1918, wo überall in Deutschland die revolutionären Flammen aufloderten. Auch in Berlin errichteten die deutschen Arbeiter die bewaffneten Barrikaden der Revolution. 1918 ging es der deutschen Arbeiterklasse um die politische Macht, die sie mit Waffengewalt zu erobern versuchte. Die heutige Berliner Großdemonstration war dagegen ein friedlicher Protest gegen die sozialen Angriffe der Regierung auf die rapide Verschlechterung der Lebensbedingungen der Massen in Deutschland. So eine große Protestbewegung ist natürlich hervorragend, aber damit allein verbessert sich nicht die Lage des deutschen Volkes. Daher ist es die Aufgabe von uns Kommunisten und Revolutionären, diese friedliche Protestbewegungen, mit denen allein die Arbeiter ihre Forderungen letztendlich nicht durchsetzen können, eines Tages in militante und bewaffnete, revolutionäre Kämpfe umzuwandeln und die politische Machtfrage praktisch zu stellen. Deswegen ist es wichtig, dass wir an die Berliner Novembertage von 1918 erinnern und unsere Lehren ziehen. Wir müssen den Arbeitern in Deutschland heute vor Augen führen, dass solche Manifestationen des Dampfablassens nur Auftakt für Aktionen sein können, die dem Kapital und seiner Regierung auch wirklich weh tun, und durch die tatsächlich Zugeständnisse abgerungen werden können. Ansonsten verpuffen solche Latschdemos im Nichts, und sie enden im Frust. Obendrein kann sich die Regierung auch noch damit brüsten, wie toll der Kapitalismus ist, wo jeder die Freiheit hat, zu demonstrieren, um seine Kritik vorzubringen. Nur ändern tut das nichts, außer einpaar Extrakrumen, die die Bourgeoisie vielleicht von der Tischkante fallen lässt, um sich wohlgesonnen gegenüber dem Volkszorn zu präsentieren.
Deswegen muss die Arbeiterklasse mit der KPD/ML an der Spitze sich auf militante Aktionen vorbereiten, deren höchste Form der Arbeiteraufstand ist. Wir müssen in den Reihen der Arbeiter die besten Organisatoren solcher Aktionen werden, um eines Tages als subjektiver Faktor die sozialistische Revolution zu führen. Niemals dürfen wir uns dem gefährlichen Gedanken hingeben, dass der Unterschied zwischen 1918 und 2003 noch viel zu weit auseinanderliegt, dass die Revolution noch längst nicht reif ist usw. Die revolutionäre Situation kann schneller herangereift sein, als wir das vielleicht in unseren kühnsten Träumen erahnen. Deswegen müssen wir vorbereitet sein. Wir sind dazu in der Lage, genaue Analysen anzustellen über die derzeitige Lage der Arbeiter in Deutschland, über ihren derzeitigen Bewusstseinsstand, ihre Schwächen und Stärken. Wir dürfen ja nicht außer Acht lassen, dass sich die Bourgeoisie in Deutschland in einer großen Krise befindet, dass sie geradewegs in ihren Untergang hineinschliddert und händeringend alles versucht, um aus dem Schlamassel herauszukommen, indem sie den Massen immer mehr Lasten aufbürdet. Irgendwann ist das Maß voll. Dann können sie nicht mehr so schalten und walten wie bisher, und dann lassen sich auch die Massen nichts mehr gefallen. Dann haben wir die revolutionäre Situation, und die kann – wie gesagt - schnell da sein. Unsere Aktivitäten müssen gut durchdacht und effektiv sein, gemessen an unseren Kräften. Und man muss sich darüber klar sein, dass bei den Aktionen Fehler und Rückschritte auftreten können. Das darf uns aber nicht davon abhalten, Aktionen zu unterstützen, durchzuführen und zu versuchen, uns an ihre Spitze zu stellen. Unser Platz ist immer auf der vordersten Barrikade, egal wie stark oder schwach wir im bestimmten Augenblick sind. Wir fordern nicht zum blinden Aktionismus auf, aber ohne Aktionen sind wir keine wahren Kommunisten. Wir müssen unser revolutionäres Handeln systematisch planen und organisieren. Gebraucht wird eine starke bolschewistische Partei. Das ist genau das, was in den Novembertagen von 1918 gefehlt hat, sonst wäre der revolutionäre Funken von Russland nach Deutschland in die ganze Welt übergesprungen, hätten wir bereits den Weltbolschewismus verwirklicht. Und Genosse Ernst Thälmann hat es auf den Punkt gebracht als er sagte: “Die Tragödie der deutschen Revolution im Jahre 1918 bestand in dem Zwiespalt zwischen den objektiven ausgereiften revolutionären Verhältnissen einerseits und der subjektiven Schwäche des deutschen Proletariats, hervorgerufen durch das Fehlen einer zielklaren bolschewistischen Partei, andererseits.”
Mit anderen Worten herrschte noch der Einfluss des Sozialdemokratismus und des Revisionismus vor, was eine wesentliche Ursache für die Niederlage des deutschen Proletariats in der Revolution von 1918-19 war. Wohl hatte das deutsche Proletariat im Jahre 1918 seine wahren Führer, die gegen den Verrat der Sozialdemokratie trotz eigener politischer Schwächen die revolutionären Lehren des Marxismus-Leninismus verteidigten und das Banner der Diktatur des Proletariats und des proletarischen Internationalismus hochgehalten hatten. Es waren dies Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und ihre Genossen, die mitten im Feuer der Revolution im November 1918 den Spartakusbund, zum Jahreswechsel 1918-19 die Kommunistische Partei Deutschlands als Vorhutpartei des deutschen Proletariats gründeten. Doch diese Partei hatte es noch nicht sofort vermocht, zu einer bolschewistischen Partei heranzuwachsen und sich im Proletariat tief zu verankern, um tatsächlich zu einer eisernen Vorhut zu werden. Es fehlte ihr noch die konsequente und klare Strategie und Taktik, die sich die Bolschewiki in Jahrzehnten zuvor hart erarbeitet hatten, um die Bourgeoisie zu stürzen und die Diktatur des Proletariats zu errichten.
Hier liegen die bis heute frischen Lehren der deutschen Revolution der Jahre 1918-19, die Lehren, die sich die KPD/ML zu eigen gemacht hat, die 1968/1969 um die Jahreswende gegründet wurde vom Genossen Ernst Aust. Seit ihrer Gründung hat die KPD/ML getreu den Lehren des Marxismus-Leninismus einen unversöhnlichen Kampf gegen den Revisionismus in all seinen Schattierungen geführt bis hin zum Kampf gegen den Neo-Revisionismus. Sie hat unbeirrt die Notwendigkeit der bewaffneten proletarischen sozialistischen Revolution in Deutschland und die Diktatur des deutschen Proletariats verteidigt und auf dieser Grundlage am revolutionären Programm des Genossen Ernst Aust bis heute festgehalten. Die KPD/ML kämpft nach wie vor unermüdlich dafür, in den täglichen Klassenschlachten an die Spitze der Massen zu treten, die revolutionären Kräfte zu sammeln und auszurichten, die Partei als eine Kraft, die das Proletariat zur siegreichen Revolution führen wird, zu stählen.
Vorwärts mit der KPD/ML! Vorwärts zur siegreichen Vollendung der deutschen Novemberrevolution! Es lebe das vereinte, unabhängige sozialistische Deutschland! Es lebe die proletarische, sozialistische Weltrevolution!