23.10. 1977 - veröffentlichte Sendung von “Radion Tirana”:
Auf Einladung des Zentralkomitees der PAA stattete der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands/ Marxisten-Leninisten, Genosse Ernst Aust, Albanien einen Besuch ab
Unser Korrespondent interviewte ihn bei dieser Gelegenheit.
Genosse Ernst Aust, Sie weilten einige Tage in unserer Sozialistischen Volksrepublik Akbanien und waren Gast beim 7. Kongress des Verbandes der Jugend der Arbeit Albaniens in Elbasan. Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Ernst Aust: “Zweifellos der Jugendkongress selbst, die Aufgeschlossenheit, die Begeisterung, die Einheit und Kampfbereitschaft der albanischen Jugend. Es ist sicher, dass sich diese Jugend ihrer Väter würdig erweisen wird, der ruhmreichen Helden des antifaschstischen Befreiungskampfes, des Kampfes gegen die imperialistisch-revisionistische Einkreisung, die unter den schwierigsten Bedingungen das bis heute Erreichte schufen. Es ist sicher, dass sie mit gleicher marxistisch-leninistischer Klarheit und kommunistischer Kühnheit den sozialistischen Aufbau ihres Landes vorantreiben, und ihre Heimat selbstlos und mutig gegen jeden Angriff, sei er ideologischer, politischer, ökonomischer oder militärischer Art, verteidigen wird. Welch großartige Perspektive bietet sich der albanischen Jugend! Ohne wie in den kapitalistischen Ländern vom Geldbeutel des Vaters abhängig zu sein, ohne gleiche Bildungschancen – stehen ihr alle Möglichkeiten des Lernens, der Ausbildung offen. Sicher wird sie sie einsetzen im sozialistischen Aufbau ihres Landes als ihren eigenen unschätzbaren Beitrag zur sozialistischen Weltrevolution.”
Als Sie, Genosse Ernst Aust, vor wenigen Tagen zu den Jugendlichen, die an der Bahnstrecke Prrenjas-Guri i Kuq ihren freiwilligen Arbeitseinsatz leisten, sprachen, erwähnten Sie auch die Lage der Jugend in Westdeutschland. Könnten Sie hier kurz ihre Schilderung wiederholen?
Ernst Aust: “Die Lage der Jugend in Westdeutschland ist katastrophal. Hunderttausende ohne Hoffnung auf eine anständige Ausbildung, ohne Arbeit, vergrößern sie das ständig steigende Millionenheer der Arbeitslosen, kaum, dass sie die Chance haben in dem nächsten Jahrzehnt Arbeit zu finden. Bestenfalls lehrt man sie, in Polizei- und Armeeuniformen auf Bruder und Schwester, Vater und Mutter zu schießen oder in einem imperialistischen Weltkrieg den Monopolherren als Kanonenfutter zu dienen. Aber auch die Lage der werktätigen Jugend ist nicht wesentlich besser. Als Lehrlinge doppelt ausgebeutet, lernen sie, sich in die kapitalistische Tretmühle einzuordnen, nach oben zu dienern, nach unten zu treten, wie ihre Väter Lohnsklaven des Kapitals. Durch Schule und Kirche, über die Massenmedien wie Fernsehen, Radio, Film, Presse, versucht die bürgerliche Gesellschaft, die Heranwachsenden zu krassen Egoisten, Individualisten zu erziehen, die sich willig den kapitalistischen Dschungelgesetzen des Kampfes aller gegen alle unterwerfen. Die Vorbilder, die man dieser Jugend bietet, sind der Gangster, der Supermann, der Killer in Polizeidiensten oder auch der nazistische Kriegsverbrecher. Mit Mode, Beatmusik, Poprummel, Pornographie, ersucht die Bourgeoisie, die Jugend vom Klassenkampf abzuhalten. Betrinkt euch, raucht Haschisch, nehmt Drogen, vergewaltigt einmal ein Mädchen oder stehlt einer alten Frau die Geldbörse – sagt sie – alles nicht so schlimm, aber werdet ja nicht revolutionär.”
Offensichtlich gibt es aber auch eine andere, eine revolutionäre deutsche Jugend, wie die Jugendorganisation Ihrer Partei, die Rote Garde, beweist. Wie weit ist sie, wie weit ist die Partei, die KPD/ML, den Verfolgungen und Repressionen der Bourgeoisie ausgesetzt?
Ernst Aust: “Die KPD/ML und die Rote Garde unterliegen im gleichen Maße der Verfolgung des Klassengegners. Das beginnt bereits in der Schule, wo Rotgardisten wegen ihrer politischen Einstellung von der Schule verwiesen werden. Es setzt sich fort über die Berufsverbote für z. B. kommunistische Lehrer und Ärzte bis hin zu den Arbeitern, die wegen ihrer revolutionären politischen Einstellung Arbeit und Brot verlieren. Schützenhilfe leisten der Bourgeoisie dabei die modernen Revisionisten der DKP, die, wenn sie wissen oder vermuten, dass ein Arbeiter Mitglied der KPD/ML ist, ihn bei der Betriebsleitung denunzieren, um seine Entlassung zu erreichen. Seit ihrer Gründung waren die Partei und ihre Jugendorganisation dem Terror des Klassengegners ausgesetzt. In die Millionen DM gehen die Geldstrafen, die Genossen wegen ihrer kommunistischen Agitations- und Propagandatätigkeit zu zahlen hatten und haben. Immer häufiger werden Gefängnisstrafen ausgesprochen und Genossen eingekerkert. Schon die Behauptung der Tatsache, dass die Deutsche Bundesrepublik ein imperialistischer Staat sei, in dem die Kapitalisten die Arbeiter ausbeuten, genügt, um ins Gefängnis zu kommen. Selbst vor offenem Mord wie im Falle unseres Genossen Günter Routhier, der in Folge polizeilicher Misshandlungen starb, schreckt die Bourgeoisie nicht zurück.
Während unseres Aufenthaltes hier in Albanien erfuhren wir durch den Nachrichtendienst, dass in der Bundesrepublik die Christlich Demokratische Union, die CDU, beschlossen hat, über den Bundesrat beim Bundesverfassungsgericht den Antrag zu stellen, unsere Partei zu verbieten. Wie in den Jahren 1933, 1956 soll das Proletariat seiner legalen kommunistischen Vorhutpartei beraubt werden. Nun trifft dieser Antrag unsere Partei nicht unvorbereitet. Als konsequente marxistisch-leninistische Partei ist sie in der Lage, ohne größere Verzögerungen eine Kampfform mit der anderen zu vertauschen. Natürlich werden wir einen offenen Kampf gegen das drohende Verbot führen. Die Demonstration der rund 16 000 am vergangenen Wochenende in Bonn, an der auch andere verfolgte Revolutionäre teilnahmen, ist ein eindrucksvoller Beweis hierfür.”
Wie sehen Sie, Genosse Aust, die weitere Entwicklung der Krisenlage in der Deutschen Bundesrepublik und welche Aufgaben ergeben sich daraus für die aufrechten marxistisch-leninistischen Kräfte unter den Bedingungen der Aktivierung der Reaktion im Lande?
Ernst Aust: “Ein Ende der Krise, in der sich die kapitalistische Wirtschaft in der Bundesrepublik befindet, ist nicht abzusehen. Das weiss auch die Bourgeoisie, und sie bereitet sich auf die kommenden, schärferen Klassenschlachten vor. Und ihre Vorbereitungen heißen Lüge, Drohung, Einschüchterung, heißen sich ständig verschärfender Polizei- und Justizterror gegen die werktätigen Massen, die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei. Bereits heute zählt die Bundesrepublik neben dem monarcho-faschistischen Spanien zu den reaktionärsten Staaten Westeuropas. Und wieder, wie bereits vor 1933, spielt die Sozialdemokratie und heute in ihrem Windschatten die modernen Revisionisten die Rolle des Wegbereiters des Faschismus. Wie keine Regierung zuvor hat die SPD/FDP-Regierung den polizeilichen und geheimdienstlichen Unterdrückungsapparat ausgebaut und verstärkt. Mit zahlreichen neuen Terrorgesetzen schränkt sie die demokratischen Rechte des Volkes weiter ein. Unterstützt von der CDU/CSU und einer gleichgeschalteten Presse hat sie in bewährter Nazimanier, die Entführung des Präsidenten des Industrieverbandes, Schleyer, durch eine Handvoll sogenannter Terroristen zum Vorwand nehmend, eine Progromhetze gegen fortschrittliche, demokratische, revolutionär-kommunistische Kräfte gestartet, wie es sie in Westdeutschland bisher kaum gab. Die Entführung zum Vorwand nehmend, versucht sie durch zigtausende Hausdurchsuchungen, Fahrzeugkontrollen, durch bis an die Zähne bewaffnete Polizisten die Bevölkerung einzuschüchtern, sollen neue Gesetze ihr helfen, nach faschistischer Art Revolutionäre, Kommunisten in Vorbeugehaft bzw. lebenslängliche Sicherheitsverwahrung zu nehmen.
All das zeigt, wie weit der Prozess der Faschisierung, der schleichenden Errichtung des Faschismus unter dem Deckmantel der Aufrechterhaltung bürgerlich-parlamentarischer Formen in Westdeutschland bereits gediehen ist. Es zeigt die Notwendigkeit der Schaffung einer breiten anti-faschistischen Front. Die Partei aber, die KPD/ML, wird legal oder illegal, mit aller Kraft und Entschiedenheit dafür kämpfen, dass sich ein neues 1933 – in welcher Form auch immer – nicht wiederholt. Sie wird wie bisher die konterrevolutionäre Gewalt der Ausbeuter die revolutionäre Gewalt der Ausgebeuteten entgegensetzen mit dem Ziel der Errichtung eines vereinten, unabhängigen, sozialistischen Deutschlands.”
Ende des Interviews