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Geburtstag des Mitbegründers und von Günter Ackermann Ich hörte das erste Mal von ihm zu Beginn der 60er Jahre. Damals, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges verfolgte die Adenauer-Justiz gnadenlos alle, die des Kommunismus verdächtig waren. Ich selbst hatte mein erstes Strafverfahren wegen der Einfuhr verfassungsverräterischer Schriften hinter mich gebracht. Ich hatte es gewagt mir aus der DDR Schriften zu bestellen, die den damaligen Bundespräsidenten als KZ-Baumeister demaskierten. Damals machte ein Ereignis Furore, das in Hamburg geschehen war: Dort gab es die linke Wochenzeitung Dat Blinkfüer[1]. Diese Zeitung war in der Region recht bekannt, brachte manchen Artikel gegen die damalige Bundesregierung, war kämpferisch und unbeugsam. Dat Blinkfüer brachte selbstverständlich das Fernsehprogramm der DDR, das in Hamburg gut zu empfangen war. Aber Presse-Zar Springer hatte den Ukas heraus gegeben, dass BRD-Zeitungen die Ostzonen-Fernsehprogramm nicht veröffentlichen dürften. Die gesamte freie Presse hielt sich daran, nur eben Dat Blinkfüer nicht. Dass das den Unmut des Pressezaren erregen würde, war klar. Also riefen die Schmierblätter des Springer-Konzerns zum Boykott von Dat Blinkfüer auf. Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung war Ernst Aust. An vorderster Front, ständig bedroht durch die von Nazis durchsetzte Justiz des Adenauer-Staates, kämpfte er für di kommunistischen Ideale. Aber der 2. Hälfte der 60er wurde der Streit zwischen der Parteiführung der KPdSU auf der einen und der KP-Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens zu. Die Polemik über die Generallinie wurde heftig diskutiert auch in der BRD. Es entstanden erste kommunistische Zirkel, die sich gegen die Beschlüsse des 20. Parteitages der KPdSU aussprachen, die Schriften des Marxismus-Leninismus lasen und diskutierten, auch die ersten marxistisch-leninistischen Betriebszeitungen kamen heraus (z.B. bei Ford in Köln, die Rote Fordarbeiter-Zeitung). Ich reiste im Herbst 1967 das erste Mal auf Einladung der Partei der Arbeit, in die Volksrepublik Albanien. Über ein Thema jedoch wurde in diesen Zirkeln heftig gestritten: Können wir legal arbeiten oder wendet der bürgerliche Staat das KPD-Verbotsurteil gegen uns an? Ich vertrat die Ansicht, das bürgerliche Staat wendet das KPD verbot schon allein deshalb nicht an, weil wir in unserer Kleinheit keine wirklich akute Gefahr darstellten. Das KPD-Verbot habe außerdem der BRD sehr im Ausland geschadet, deshalb wird man es nicht so auslegen, dass wir direkt bedroht sind. Außerdem passte es nichtmehr in die politische Landschaft. Es war die Zeit der Kiesinger/Brandt-Regierung und der ersten Krisenerscheinungen des Kapitalismus in der BRD. Die Bundesregierungen war an lukrativen Aufträgen für die Industrie aus der UdSSR und dem Osten, aber auch aus China interessiert, in der Situation das Verbotsurteil noch auszuweiten, konnte nicht im Interessen der Bourgeoisie liegen. Also gab es einen lagal arbeitenden und einen illegal arbeitenden Zweig der ML-Bewegung. In Hamburg, so erfuhren wir, war damals eine marxistisch-leninistische Zeitung illegal erschienen. Ihr Titel. Roter Morgen. Wir merkten, hier war ein anderes Niveau vorhanden. Wir waren damals junge und unerfahrene Genossen, heißen Herzens , aber mit wenig Wissen und Erfahrung. Hier, das bemerkten wir schnell, war all das vorhanden. Schon bald kam ich in Kontakt zum Herausgeber: Ernst Aust. Wir verabredeten ein Treffen in Hamburg. Das war im Herbst 1967. So lernte ich Ernst kennen. In seiner Wohnung in Hamburg-Bramfeld, am Karl-Bremer-Ring in einem Hochhaus, empfing er mich. Noch heute das typische Bild von Ernst: Das schmale Gesicht, verschmitzt lächelnd, eine Pfeife rauchend. Wir diskutierten fast die ganze Nacht, kamen kaum zum Schlaf. So auch das Thema, ob wir, wenn wir uns freiwillig in die Illegalität begeben, wir nicht wichtige Möglichkeiten an die Massen heran zu kommen, ungenützt lassen. So legal wie möglich, so illegal wie nötig, darauf einigten wir uns. Der Rote Morgen, teilte mir Ernst Aust mit, werde ab der nächsten Ausgabe, legal erscheinen. Ernst erzählte auch aus seinem Leben. So z.B. dass er als Soldat im 2. Weltkrieg bei den Fallschirmjägern war und in Kreta eingesetzt war. Später, an der Westfront noch der Invasion der Alliierten, sah er bald, das weiterkämpfen nur eine Verlängerung des Mordens wäre und beschloss überzulaufen. Als er sein Vorhaben in die Tat umsetzen wollte, versuchte ihn ein Nazi-Offizier daran zu hindern. Ernst erkämpfte sich den Weg, der Offizier überlebte es nicht. Ich wurde Mitglied der Redaktion des Roten Morgen, der Zeitung, die später das Zentralorgan der KPD/ML werden sollte. Mehrere Treffen folgten. Es wurde ein Gremium gebildet, das die Arbeit der Gruppem koordinierte. Schon bald, ich glaube die Idee kam von Ernst, einigten wir uns auf den 50. Jahrestag der Gründung der KPD als der Termin der Gründung der KPD/ML. Einige Zauderer sprangen ab, andere kamen hinzu. Am 31. Dezember 1968 gründeten wir die KPD/ML. Es gab noch eine heftige Diskussion um das Statut. Einige aus der Studentenbewegung aus Kiel wollten ein Statut, das nicht den Prinzipien des demokratischen Zentralismus entsprach. Wir hatten das Statut der KPD übernommen und modifiziert. Die Parteigründung wäre dann gescheitert, wenn sich diese kleinbürgerliche Strömung durchgesetzt hätte. Ich als Leiter der Kommission, die das Statut erarbeitet hatte und Ernst stritten heftig um die richtige kommunistische Position und setzten uns durch. Einen Vorsitzenden wählten wir nicht. Neben Ernst Aust gehörte auch ich den neugewählten Zentralkomitee an. Ernst war unbestritten der wichtigste Genosse des ZK. Ich will und kann hier nicht die Geschichte der KPD/ML schreiben, aber einem Märchen will ich doch entgegen treten. Ich habe verschiedentlich gelesen, dass die Gründung von einem winzigen Zirkel in Ernst Wohnung beschlossen worden war, gegen den Willen der Mehrheit der Gruppen aus der ML-Bewegung. Das ist Unsinn. Alle Gruppen der ML-Bewegung waren an der Vorbereitung beteiligt. Es gab auch keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit darüber, dass die Gründung bald zu geschehen habe. Einzelne Gruppen, so z.B. aus der Hamburger Gruppe, z.B. Knut Mellenthin, kamen im Laufe des Jahres 1968 aber zum Ergebnis, das sei zu kurz und trugen die Gründung nicht mit. Das waren aber einzelne. Andere kamen danach hinzu. Selbst die, die zunächst gemeint hatten, man dürfe nicht legal arbeiten, schwenkten dann um und schlossen sich an. Einen kurzen Moment, also im Jahr 1969, gab es die einheitliche marxistisch-leninistische Partei. Selbst Willi Dickhut, der später in der heutigen MLPD eine wichtige Rolle spielte, gehörte einige Monate als kooptiertes Mitglied dem ZK an und war lange Zeit Landesvorsitzender in NRW. Ernst Aust, mein Genosse und gewissermaßen auch mein Vorbild und Lehrer, werde ich stets achten. Rotfront, Ernst, du bist mir unvergessen! Dat Blinkfüer war eine der Zeitungen, die nach außen unabhängig, jedoch von der verbotenen KPD heraus gegeben wurden. Es ist deshalb auch nicht falsch Dat Blinkfüer als kommunistisch zu bezeichnen.
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